Scheitern als Konzept

Sebastian Hartmann inszeniert „Schuld und Sühne“ am Staatsschauspiel Dresden

Wenn Fjodor Dostojewskis „Schuld und Sühne“ am Staatsschauspiel Dresden gegeben wird, klingt das zunächst nach einem Klassiker. Die Inszenierung von Sebastian Hartmann allerdings ist alles andere als klassisches Theater. Es ist vielmehr eine düstere Performance mit Videoprojektion und Livemusik – alles in allem sehr frei nach dem Roman „Schuld und Sühne“ (Fotos: Sebastian Hoppe) in der Übersetzung von Swetlana Geier und unter Verwendung der „Rede zum Unmöglichen Theater“ von Wolfram Lotz in Szene gesetzt.

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Blick zurück in zeitlosem Verharren

Andreas Kriegenburg inszeniert Tschechows „Der Kirschgarten“ am Staatsschauspiel Dresden

Alles hat sich verändert, als Ranewskaja mit ihren Töchtern aus Paris in ihre russische Heimat zurückkommt. Alles, bis auf den wunderschön blühenden Kirschgarten. Doch die Zeiten, in denen mit Kirschen Geld zu machen ist, sind längst vorbei – und Ranewskaja ist in Anbetracht der Verluste aus der Vergangenheit nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Aufbruch oder Stagnation? Das ist die Frage in Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ (Fotos: Sebastian Hoppe).

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Seelendrama mit Showeffekten

Musikalisch famos, inhaltlich herausfordernd: Sondheims Musical „Follies“ an der Staatsoperette Dresden

Ein Tanzensemble, dreißig Jahre – und viele geteilte Erinnerungen. Kurz gesagt sind das die Fäden, aus denen Stephen Sondheim und James Goldman 1971 ihr Musical „Follies“ (Fotos: Vincent Stefan) strickten. Das Stück ist in mehrfacher Hinsicht revolutionär für das Genre: Mehr Show als Theater verbindet es die famose und vielschichtige Musik Sondheims mit einem teils düster-bitterem Figurenpsychogramm. Denn als die Tänzerinnen eines alten Revuetheaters 30 Jahre nach dem Beginn ihrer Karriere an ebenjenem Ort wieder zusammentreffen, werden allerhand Erinnerungen wach, die, verklärt im hellen Licht der Scheinwerfer von damals, verpasste Chancen und unerfüllte Sehnsüchte ans Tageslicht fördern.

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Prima Klima in Lima

Die Lehramtsstudenten der Musikhochschule feiern Offenbach mit einer witzigen Oper

Da könnte sich so mancher Großkonzern etwas abschauen: Gefeiert wird in „PrimaLima“, was das Zeug hält und alle machen mit. Die Studenten des Fachbereichs Lehramt an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden (HfM) bringen anlässlich des Offenbach-Jahrs 2019 eine Farce auf die Bühne des Labortheaters, die es in sich hat. Dort bleibt mit dem rasanten Musiktheaterstück „AllesPrimaInLima“ nach der Operette „La Périchole“ von Jacques Offenbach kein Auge trocken.

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Politik im Transitraum

Laura Scozzi inszeniert Rossinis „Die Reise nach Reims“ an der Semperoper als Groteske auf Europa

Endlich ist das politische Musiktheater zurück in Dresden! Ja, es geht wild her in Gioachino Rossinis „Il viaggio a Reims/Die Reise nach Reims“, die als Dresdner Erstaufführung die neue Spielzeit an der Semperoper eröffnet. Und wie! Wann haben wir zuletzt gelacht in der Oper? Wann haben wir uns zuletzt über eine Inszenierung gewundert, die Augen gerieben und in der Pause heftig mit dem Sitznachbarn diskutiert? In dieser Oper (Fotos: Ludwig Olah) ist alles möglich, denn Regisseurin Laura Scozzi inszeniert gnadenlos heutig.

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„Le Grand Plaisir“ als Zeitenspiegel

An der Staatsoperette weht mit der Revue „Hier und Jetzt und Himmelblau“ ein belebend frischer Wind

Chapeau! Der Einstand für die neue Intendantin der Staatsoperette Dresden, Kathrin Kondaurow, ist wirklich gelungen: Mit dem Auftragswerk „Hier und Jetzt und Himmelblau“ bringt sie erstmals eine Revue ins Kraftwerk Mitte – und entdeckt damit ein vergessen geglaubtes Genre auf erfrischende Weise neu. Ja, diese Revue (Fotos: Pawel Sosnowski) ist wie ein knallender Champagnerkorken zur Spielzeiteröffnung. Sie ist ein Zeitspiegel. Und was es alles darin zu entdecken gibt!

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„Somewhere“ …

Leonard Bernsteins „West Side Story“ bringt im Sommer Weltstadtflair in die Semperoper

Die Skyline von Manhattan lässt grüßen, wenn sich dieser Tage der rote Samtvorhang in der Semperoper hebt. Bis zum 4. August kredenzt der Veranstalter BB Promotion hier eine fast legendäre Produktion von Leonard Bernsteins „West Side Story“. Denn die Inszenierung von Joey McKneely (Foto: Jeff Busby) zeigt den Musical-Klassiker als weltweit einzige nach der Konzeption und mit Originalchoreografien von Jerome Robbins (1918–1998), der 1957 am Broadway als Regisseur und Choreograf zusammen mit Leonard Bernstein, Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Gesangstexte) für die Uraufführung des Musicals verantwortlich zeichnete.

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Mit Mundwasser, Schottenrock und Pioniergeist

Die „Elbhang Zombies“ beehren die 11. Dresdner Schlössernacht

Wenn historische Dresdner Persönlichkeiten wie Karl August Lingner, der Earl of Findlater, Prinz Albrecht, Heinsius von Mayenburg und Jungpionier Max sich in einer Band zusammenfinden, kann da nur jede Menge Spaß im Spiel sein. Als „Elbhang Zombies“ (Foto: Robert Jentzsch) kriechen diese ehrenwerten Personen immer zur Dresdner Schlössernacht aus ihren Gruften hervor – und rocken das Spektakel am Elbhang mit Musik und ganz viel Humor.

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Kontrastreiche Steigerungen

Opernpremiere im Doppelpack für die Studierenden der Hochschulen für Musik und Bildende Künste Dresden

Ein Toter kommt selten allein. So könnte das Motto der diesjährigen Operproduktion der Hochschulen für Musik (HfM) und Bildende Künste (HfBK) am Kleinen Haus des Staatsschauspiels lauten. Regisseurin Barbara Beyer lässt in diesem Jahr Darius Milhauds selten gegebenen Einakter „Le pauvre matelot“ („Der arme Matrose“) auf Giacomo Puccinis Repertoireschlager „Gianni Schicchi“ (Fotos: Sebastian Hoppe) treffen und schenkt dem Dresdner Publikum einem Doppelabend der Kontraste.

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Sturm und Drang im Dämmermodus

„Kabale und Liebe“ am Staatsschauspiel Dresden

Am Ende wird es richtig berührend: In dem Moment, als Ferdinand und Luise im Angesicht des Todes ganz auf ihre Liebe zurückgeworfen sind, da entstehen in Data Tavadzes Inszenierung von Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ am Staatsschauspiel Dresden (Fotos: Sebastian Hoppe) noch einmal wahre Gänsehaumomente. Moritz Kienemann und Luise Aschenbrenner brillieren in dieser letzten Szene, in der sie die ganze Zerbrechlichkeit und die Verzweiflung eines jungen Paares zeigen, das im Tode jener Zweisamkeit entgegensieht, die ihnen von den gängigen Konventionen der Gesellschaft verweigert ward.

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