Einfach „Tschick“!

Die Landesbühnen Sachsen bringen den Erfolgsroman als punkige Oper auf die Bühne

Wolfgang Herrndorfs Jugendroman „Tschick“ (2010) ist wohl eine der rasantesten Road Novels der letzten Jahre. Das Buch erlangte in kürzester Zeit Kultstatus, wurde 2016 verfilmt und eroberte in der Schauspielfassung von Robert Koall (2011) von Dresden aus die Bühnen im Land. Vor einem Jahr hat Ludger Vollmer die Story für das Theater Hagen in eine modern-schrille Opernpartitur gegossen, Tiina Hartmann schrieb das Libretto – und Sebastian Ritschel findet mit seiner Inszenierung der Road Oper (Fotos: Matthias Rietschel) an den Landesbühnen Sachsen jetzt graffitibunte Bilder für eine Jugend auf der Überholspur.

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Gefangen in der virtuellen Welt

Die Frei-Spieler beschäftigen sich in ihrem neuen Stück mit künstlicher Intelligenz

Was wäre, wenn Figuren einer Computersimulation plötzlich Intelligenz entwickeln und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen würden? Was würde passieren, wenn sie gar die Abschaltung des Systems, das sie am Leben hält, verhindern könnten? Die Dresdner Frei-Spieler stellen in ihrem Stück „Exit – Kuckucksnest“ (Fotos: Eric Vogel) genau diese Fragen ins Rampenlicht. Seit 2009 kreiert die freie Theatergruppe um Regisseurin Christiane Guhr aus bekannten Film- oder Theaterstoffen eindrückliche Collagen und bringt dabei stets auch den authentischen Blick der Darsteller auf die Bühne.

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Gefangen im Reich der Totenträume

Die Semperoper entdeckt mit Korngolds „Die tote Stadt“ ein packend modernes Stück für Dresden neu

Es ist eine düstere Umgebung, ein graues Zimmer, in das sich Paul verkrochen hat. Der Protagonist in Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“ (1920) gibt sich nach dem Tod seiner Frau ganz der Trauer hin. Er träumt von der Wiederauferstehung seiner Marie und vergisst vor lauter Träumen das Leben. Nach fast 100 Jahren hat die Semperoper das packende Psychodrama (Fotos: David Baltzer) wiederentdeckt – eine Oper von bestechender Modernität.

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Märchenzauber auf der Vorderbühne

Die Staatsoperette Dresden zeigt zum Advent eine stimmungsvolle Notversion von „Hänsel und Gretel“

Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit der Wunder. Und Zauberei funktioniert nirgendwo besser als im Theater. So hat die Staatsoperette Dresden nach der Wasser-Havarie im Oktober Bühnenmagie walten lassen und tief in die Trickkiste des Theaters gegriffen, um das Publikum im Advent doch noch im Kraftwerk Mitte verzaubern zu können. Jasmin Solfaghari hat ihre Inszenierung von Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ (Foto: Stephan Floss) flugs für die Vorderbühne eingerichtet. Die ist trotz des Wasserschadens bespielbar – und lässt genug Raum für märchenhafte Illusionen. Weiterlesen

Hommage an die Zauber der Märchenwelt

„Die Gebrüder Grimm – am Anfang aller Märchen“ am Boulevardtheater Dresden

Wir hätten Rotkäppchen, Frau Holle oder Hänsel und Gretel ohne sie niemals kennengelernt: Die „Gebrüder Grimm“ haben die Märchen aufgeschrieben und für uns bewahrt. Doch wer sind Jacob und Wilhelm Grimm eigentlich? Wann haben sie gelebt, wo kommen sie her? Die beiden hatten eine schöne Freundin namens Ruth und eine Stiefmutter, die Bürgermeisterin Knolle. Und sie hatten viele Freunde, zum Beispiel Heinrich, den Oberörksenknörks. Den was? Ja, den Oberörksenknörks! Er tanzt im neuen Familienstück am Boulevardtheater zusammen mit Ruth und den Grimms über die Bühne.

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Große Gefühle im düsteren Raum

Donizettis „Lucia di Lammermoor“ an der Semperoper nach 80 Jahren erstmals szenisch

Oper muss die Menschen zum Weinen bringen, sie vor Entsetzen schaudern lassen, sie sterben lassen durch Gesang“, hat Vincenzo Bellini einmal gesagt. Die Oper „Lucia di Lammermoor“ (1835) seines engen Freundes Gaetano Donizetti scheint wie gemacht dafür. Zum Sterben schön ist die Musik, der Stoff so dramatisch wie Shakespeares „Romeo und Julia“. In Dresden jedoch ist sie kaum bekannt, liegt die letzte szenische Aufführung doch schon 80 Jahre zurück.

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In bester Gesellschaft

Das Musical „Company“ hinterfragt das Modell Ehe an den Landesbühnen Sachsen

Heiraten – oder lieber frei bleiben? Das ist die Frage, um die sich in Stephen Sondheims Musical „Company“ (1970) alles dreht. Das Stück nach dem Buch von George Furth hat vom Broadway aus längst die Welt erobert, ist hier jedoch kaum bekannt. An den Landesbühnen Sachsen (Fotos: Hagen König) bringt Sebastian Ritschel mit seiner Inszenierung des Werkes New Yorker Großstadtcharme nach Radebeul.

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Theater mit den Ohren sehen

„Der Gewitterbahnhofsstrand“ entführt am tjg auf eine akustische Entdeckungsreise

Wer würde nicht gern im Sommer das Zwitschern der Vögel oder das Rauschen des Meeres einfach einsammeln wie Muscheln am Strand? Der alte Maalra tut am Theater Junge Generation genau das. Er sammelt leidenschaftlich gern Geräusche: dunkles Gewittergrollen und dumpfe Bahnhofsdurchsagen, pfeifende Windböen oder klingelnde Straßenbahnen. Er ist der Protagonist im neuen Kinderstück „Der Gewitterbahnhofsstrand“ (Foto: PR/Robert Jentzsch) von Steffen Moratz und Lena Hach, das auf der Studiobühne in der Regie von Steffen Moratz Uraufführung feierte.

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Das Spiel mit der Vernunft

Lessings „Minna von Barnhelm“ befreit vom Staub der Aufklärung am Kleinen Haus Dresden

Wer hätte gedacht, dass ein 250 Jahre alter Theaterschinken wie Gotthold Ephraim Lessings „Minna von Barnhelm“ (1767) das heutige Publikum tatsächlich noch vom Hocker reißt? Die Inszenierung von Michael Talke macht am Kleinen Haus des Staatsschauspiels wieder Lust auf Klassiker – und dazu braucht es gar nicht viel mehr, als ein paar bunte Regieeinfälle und ein starkes Ensemble! Weiterlesen

Glückskonsum mit Nebenwirkungen

Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“ bringt das Amerika der 50er Jahre auf Semper2

Das Leben könnte so schön sein wie in der Reklame, wenn es die Realität nicht gäbe. Dass die oft schonungslos mit der bunten Welt aus Liebesfilmchen und Werbefernsehen aufräumt, zeigt Leonard Bernsteins Kammeroper „Trouble in Tahiti“ (1952), die in der Regie von Manfred Weiß am Samstag (30.9.) Premiere auf Semper2 feierte.

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