Drama, Trash und trautes Heim

Henrik Ibsens „Nora“ feiert Premiere am Staatsschauspiel Dresden

Das war mal ein kurzweiliges Vergnügen am Dresdner Staatsschauspiel. Tom Kühnel inszeniert Henrik Ibsens „Nora“ (Fotos: Sebastian Hoppe) in einer flotten zweistündigen Aufführung ohne Pause. Dabei geht es um nichts Geringeres als die liebe, gute Gleichberechtigung der Frau. Das „Elend des heutigen Ehelebens“ wird gleich zu Beginn deklamiert – seit Ibsens Zeit scheint sich wohl nicht allzu viel daran geändert zu haben. Doch bis zum letzten, wirklich ernsten Dialog, dem unter bald geschiedenen Eheleuten, ist hier eine ganze Menge los auf der großen Bühne.

Die Stimmungen wechseln rasch. Das Drama um Nora, die einst eine Unterschrift ihres verstorbenen Vaters fälschte, um ihrem geliebten Mann mit einer teuren Kur das Leben zu retten, und Jahre später dadurch in gesellschaftliche Bedrängnis gerät, kommt teils trashig überzogen, teils bedrückend berührend daher.

Wechselnde Stimmungen: „Nora“ am Dresdner Staatsschauspiel (Foto: Sebastian Hoppe)

Die grell punkigen Musikeinspielungen von Matthias Trippner mit den derben Texten sorgen für aufrüttelnde Intermezzi im Fluss des Stückes. Spaß und Ernst liegen hier so untrennbar nah beieinander, dass es fast wehtut. Und was ist das eigentlich für ein extravagantes Bühnenbild von Jo Schramm? Etwas zwischen Rapunzelturm und Pyramide, edel zwar, aber uneinnehmbar auf eine Art. Auf jeden Fall hoch dekorativ und gut anzuschauen, wenn sich die spießige Wohnzimmeridylle im Hause Helmer darum dreht, als sei jeder Tag nur die Wiederholung des ewig gestrigen. Ein Karussell der Gefühle?

Karina Plachetka als „Nora“ am Dresdner Schauspielhaus (Foto: Sebastian Hoppe)

Das Ensemble agiert mitreißend in diesem wilden Misch aus klassischem Theater und modernem Trash. Karina Plachetka ist eine hinreißende heißblütige Nora, die sich im laufe des Stückes von der braven Hausfrau zu einer ernsthaften Person auf der Suche nach sich selbst entwickelt. Viktor Tremmel gibt den Torvald als ahnungslos-naiven Hausherrn und strengen Bankdirektor. Betty Freudenberg beweist in der Rolle der Freundin Christine viel Temperament und spritzigen Humor, während Thomas Eisen als ewig kranker Dr. Rank auch eine Art gütiger Vermittler ist. Lukas Vogelsang lässt den Rechtsanwalt Krogstad als garstigen Vertreter der alten Ordnung vor allem kauzig wirken, was durchaus Hintersinn beweist.

Langweilig wird’s hier nicht. Mag das Konzept an mancher Stelle doch auch ziepen und zwacken. Am Ende bleibt’s ein vergnüglicher Abend, voll gepackt mit Denkanstößen. Mehr auch nicht.

Info: Henrik Ibsen „Nora“ am Staatsschauspiel Dresden, nächste Termine: 20. April, 3. Mai, 24. Mai 2026

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