Kunst ohne Grenzen

Wie drei Busse vor der Frauenkirche die Welt auf den Kopf stellen …

Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr. Es war nach einem meiner Workshops an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, als ich im November 2016 zum ersten Mal von Manaf Halbounis neuem Projekt hörte. Eine Freundin und Kollegin erzählte mir damals, was der Absolvent der Hochschule mit „Monument“ in Dresden vorhat: drei Busse hochkant vor der Frauenkirche, die an den Krieg in Syrien erinnern. Denn so wie die Menschen 1945 hier unter der dicken Kuppel der Frauenkirche Schutz suchten, versteckten sich die Einwohner von Aleppo vor Scharfschützen hinter großen, senkrecht aufgestellten Bussen.

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2016 als Geschenk

Breschke und Schuch eröffnen die Tore ihrer „Striezelmarktwirtschaft“

Vorfreude weht durch Dresdens Straßen. Die ersten Adventsbeleuchtungen tauchen die Stadt in festliches Licht, der Striezelmarkt ist schon aufgebaut. Diesen Donnerstag öffnet er seine Tore und läutet mit Glühweinaroma und Kräppelchenduft die schönste Zeit im Jahr ein. Im Kabarett Breschke & Schuch ist die „Striezelmarktwirtschaft“ (Foto: PR/Elisabeth Schuch-Wiens) dagegen bereits seit einer Woche geöffnet. Das hat schon Tradition.

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Medien und Gesellschaft als Fehlersystem

Oft tot geglaubt, doch immer besser: die OSTRALE feiert ihre 10. Ausgabe

Sie ist aus dem Kulturkalender der Stadt Dresden nicht mehr wegzudenken: Die OSTRALE bringt seit zehn Jahren moderne Kunst mit internationalem Anspruch nach Dresden. Immer im Sommer verwandelt sie die charmante Industriebautenatmosphäre der alten Erlwein-Futterställe im Ostragehege in eine bunte Ausstellungslandschaft, verleiht dem schäbigen Charme dieser Räume kreatives Leben und tritt so auch mutig in die riesigen Fußstapfen renommierter Vorbilder in aller Welt.

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Computerwelt trifft auf reale Form

Künstlerin Ella Goerner malt digitale Bilder und betrachtet unsere Wahrnehmung von Natürlichkeit

Große Blumen, Mineralien, abstrakte Farbschnörkel in einem Raum, in Ella Goerners Bildern dreht die Phantasie auf farbigen Schienen Loopings. Die digitalen Malereien der 27-jährigen Künstlerin ziehen mit ihrer hellen, positiven Grundstimmung sofort die Blicke der Betrachter auf sich und lassen in ihrer collagenhaften Gegenständlichkeit die Gedanken kreisen.

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Schwere Zeiten – für Bürger und Kabarettisten

ManFred Breschke und Philipp Schaller im flotten Schlagabtausch

Die Zeiten sind schwierig geworden. Das englische Volk wählt Europa ab, das Deutsche wählt die AfD – und das auch noch in zweistelligen Prozentziffern. Das stellt selbst gestandene Kabarettisten wie Manfred Breschke vor hehre Herausforderungen. „Sollen wir nach einem Wahlergebnis wie dem der AfD etwa auch so weiter machen wie bisher?“, fragt er in seinem neuen Programm „Wir werden’s euch besorgen“ zusammen mit Philipp Schaller.

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Doppelausstellung als Spiegel der Kulturstadt

KunstStudenten zeigen Kostümarbeiten – neben Musikerportraits von Matthias Creutziger

Schwungvolle Hüte, mittelalterliche Samtgewänder, glitzernde Roben der 20er Jahre und Kostüme aus Napoleons Zeit – im barocken Palais im Großen Garten treffen die Moden verschiedener Jahrhunderte gerade aufeinander wie vielleicht noch nie zuvor. Die Ausstellung „Zeitensprünge VIII“ von drei Jahrgängen des Studiengangs Kostümgestaltung der Dresdner Hochschule für Bildende Künste lädt dort bis 1. Mai dazu ein, kreative Querverbindungen zwischen Kunst, Mode und Theater zu erkunden.

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Von Mutti und den Mohrenköpfen

Breschke und Schuch servieren Spitzzüngiges in der „Striezelmarktwirtschaft“

Weihnachten kann 2015 ruhig ein bisschen eher beginnen. Schließlich lenkt die schöne Adventszeit alle Jahre wieder auch von echten politischen Problemen ab. Das tut allen gut – der Kanzlerin sowieso und dem Volk erst recht. So öffnete die „Striezelmarktwirtschaft“ am Kabarett Breschke und Schuch (Foto: PR) schon am Abend vor dem Buß- und Bettag. Allerdings trifft diese Show in Sachen Krisenpolitik anno 2015 ganz besonders schonungslos ins schwarze Herz der Republik.

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Be Careful!

Ein Streifzug über die OSTRALE

Sommer ist Kunstzeit. Dann öffnen sich die Räume des alten Erlweinschen Schlachthofareals hinter der Dresdner Messe seit neun Jahren für die OSTRALE. Dieses Mal präsentieren hier Künstler aus 37 Nationen unter dem Leitgedanken „Handle With Care“ ihre Werke. Stück für Stück wollen wir uns der Gegenwartskunst, die in der Ausstellung noch bis 27. September zu sehen ist, nun annähern. In einem kolumnistischen Impressionen-Rundgang:

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Universen aus Ölfarbe

Marie Athenstaedt zieht es zum Zeichnen in die Welt

Ihre Bilder zeigen Weltraumnebel in kraftvollen Farben, klares Ozeanblau gemischt mit sattem Gelb oder ganz in leuchtendem Rot gehalten. Sie sind geheimnisvoll, wirken irgendwie packend auf den Betrachter. Die Malerin Marie Athenstaedt möchte genau diese Ergriffenheit mit ihren Ölgemälden erzeugen. Die Kraft der Natur, die Weite des Himmels, die Unendlichkeit von Landschaften habe sie als Kind schon fasziniert, sagt sie.

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Eine Plattform für die Kunst

CYNAL verknüpft Zeitgenössische(s)

Freitagvormittag im Stadtteilhaus Dresden Neustadt, Raum Louise. Hier sitzen Katharina Groß und Katja Dannowski an einem großen Tisch, trinken Kaffee, lesen, diskutieren, planen. Die beiden jungen Frauen sind Teil eines kleinen Vereins, der sich der zeitgenössischen Kunst in Dresden verschrieben hat – und seit 2011 wächst und gedeiht.

Unter dem Namen „CYNAL – Neue Kunst im Dialog“ versuchen die derzeit rund 14 Mitglieder eine Schnittstelle für Künstler, Kunstinteressierte, Produzenten und Konsumenten sowie Dresdner Kunstorte zu schaffen, um diese besser miteinander zu vernetzen. „Wir wollen der Dresdner Hochkultur gegenüber geschlossener auftreten“, sagt Katharina Groß, die als Meisterschülerin an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK) ganz sicher weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Gerade die zeitgenössische Kunst wird vom Stadtmarketing gern vernachlässigt, das hat auch schon einige Künstler dazu veranlasst, aus Dresden wegzuziehen.“

Ziel von Cynal sei es, der zeitgenössischen Kunstszene in Dresden etwas mehr Dynamik zu verleihen. „Man muss erst einmal kommunizieren, dass Dresden eine junge offene Kunstszene hat“, sagt Katja Dannowski, Kunsthistorikerin und Kuratorin. Cynal hat es sich daher auf die Fahne geschrieben, Informationen über zeitgenössische Kunst in Dresden spartenübergreifend zu bündeln und selbst wiederum Diskurse in der Stadt anzuregen. Das schafft der Verein derzeit in erster Linie mit seiner Internetplattform www.cynal.de, die gleichzeitig Terminkalender und virtueller Diskussionsraum ist.

Es braucht in der Stadt mehr Kunstkritik, sind sich Katharina Groß und Katja Dannowski sicher und suchen mit Cynal daher auch nach Autoren für die Internetseite. Geeignete Texte und Essays können online eingeschickt werden. Sie dürfen alles behandeln, was mit zeitgenössischer Kunst in Dresden zu tun und eine gewisse gesellschaftliche Relevanz hat. Mit dem Themenfeld „Die Kunst geht nach Brot“ beispielsweise haben die Initiatoren von Cynal einen Diskurs angeregt, bei dem jeder Einzelne von ihnen wohl selbst mitreden kann. Es geht darum, welchen Produktionsbedingungen moderne Kunst unterliegt, welche Macht sie haben kann, aber auch welchen Mächten sie unterworfen ist.

Die Essays und Rezensionen werden auch in einem Printmagazin abgedruckt. Dieses ist erstmals im vergangenen Jahr erscheinen und soll auch anno 2013 herausgegeben werden. „Wir wollen damit auch eine Art Archivfunktion erfüllen“, sagt Katja Dannowski. Finanziert wird das Ganze mit Projektgeldern, Sponsoren sowie mittels Spendensammlung via Internet. Zwar reicht es noch kaum, um auch die Autoren zu bezahlen, jedoch bekämen diese immerhin die Möglichkeit, aktiv selbst ein „Experimentierfeld mitzugestalten, das stetig wächst“, sagen die beiden Künstlerinnen.

Kurz bevor sie sich im Raum Louise mit Blick auf die winterliche Landschaft der Radeberger Vorstadt wieder ihrer Organisationsarbeit widmen, verraten sie noch, wie der Name „Cynal“ eigentlich zustande kam: „Es war schwer, sich auf einen Namen zu einigen. Ich habe daher gesagt, jeder wirft jetzt einen Buchstaben in den Raum“, erzählt Katharina Groß. Bei einem Picknick im Albertinum sei es gewesen, wo die gefallenen Buchstaben anschließend hin- und her- und schließlich zum Kunstnamen CYNAL zusammengeschoben wurden – l’art pour l’art sozusagen.

Linktipp: www.cynal.de

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