Einfach „Tschick“!

Die Landesbühnen Sachsen bringen den Erfolgsroman als punkige Oper auf die Bühne

Wolfgang Herrndorfs Jugendroman „Tschick“ (2010) ist wohl eine der rasantesten Road Novels der letzten Jahre. Das Buch erlangte in kürzester Zeit Kultstatus, wurde 2016 verfilmt und eroberte in der Schauspielfassung von Robert Koall (2011) von Dresden aus die Bühnen im Land. Vor einem Jahr hat Ludger Vollmer die Story für das Theater Hagen in eine modern-schrille Opernpartitur gegossen, Tiina Hartmann schrieb das Libretto – und Sebastian Ritschel findet mit seiner Inszenierung der Road Oper (Fotos: Matthias Rietschel) an den Landesbühnen Sachsen jetzt graffitibunte Bilder für eine Jugend auf der Überholspur.

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Mehr wert, als alles Geld der Welt!

Natürlich fragt man sich manchmal, warum man das tut – ein Plädoyer fürs Bloggen #darumbloggen

Nein, elbmargarita gehört auch nach fast acht Jahren längst nicht zu den ältesten Blogs in Dresden. Und tatsächlich sind die Bildungsbürger der Kulturstadt mit den Feuilletons zweier Tageszeitungen bis heute im Vergleich noch gut bedient. Die Stadt ist reich an Kultur und trotz widriger Bedingungen gibt und gab es immer genug Menschen, die darüber schreiben wollten. Was dabei meist fehlt, ist allerdings der Fokus auf die kleinen, oft lohnenden Projekte der Studenten und Laiengruppen in der OFF-Szene, auch mangelt es seit Jahren bei den Etablierten an Neugier auf frische Formate und dem Willen zum Ausprobieren, ja schlichtweg an Leidenschaft zur Sache überhaupt.

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Biss zur Montagsdemonstration

Herbstauslese: „Wolfsblues“ von Vanessa Carduie

Tamara liebt David, das wird schnell klar. Nur: Der Afrikaner nennt sich „Vollstrecker“ und ist über zweihundert Jahre alt. Tamara hingegen, als Werwolfwelpe von 26 Lenzen, schafft es nicht, sich von ihrer Familie zu lösen. Rassisten und Dämonenbeschwörer verkomplizieren ihren Alltag, dabei wünscht sie sich sehnlichst eine erotische Begegnung. Nach „WG mit Biss“ und „Neustadtzauber“ (2016) veröffentlichte Selfpublisherin Vanessa Carduie jüngst das Ende der Schattenseiten-Trilogie: „Wolfsblues“ (2017), holt Vampire und Werwölfe nach Dresden zurück – und wieder in ein Bett.

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Spaziergang am Nebelmeer

Romantische Impressionen von der Bastei in der Sächsischen Schweiz

Ein kühler Januartag. Die Bäume am Rande der imposanten Felsformationen in der Sächsischen Schweiz ragen kahl in die Landschaft. Im Tal fließt die Elbe träge gen Norden, liegt wie ein schmaler Spiegel zwischen den steil aufragenden Steinwänden.

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Musical im Taschenformat

Hörtipp des Monats: Staatsoperette hat Bernsteins „Wonderful Town“ auf CD verewigt

Vor einem Jahr läutete die Staatsoperette Dresden die neue Ära im Kraftwerk Mitte auch mit dem Musical „Wonderful Town“ ein. Leonard Bernsteins beschwingte Hommage an seine Heimatstadt New York lebt von der famosen Musik, die Musicalsongs facettenreich mit Jazz- und Swing paart. Das allein ist Grund genug, die Erstaufführung dieses eher selten gespielten Stückes in Dresden mit einer CD-Aufnahme zu krönen.

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Gefangen in der virtuellen Welt

Die Frei-Spieler beschäftigen sich in ihrem neuen Stück mit künstlicher Intelligenz

Was wäre, wenn Figuren einer Computersimulation plötzlich Intelligenz entwickeln und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen würden? Was würde passieren, wenn sie gar die Abschaltung des Systems, das sie am Leben hält, verhindern könnten? Die Dresdner Frei-Spieler stellen in ihrem Stück „Exit – Kuckucksnest“ (Fotos: Eric Vogel) genau diese Fragen ins Rampenlicht. Seit 2009 kreiert die freie Theatergruppe um Regisseurin Christiane Guhr aus bekannten Film- oder Theaterstoffen eindrückliche Collagen und bringt dabei stets auch den authentischen Blick der Darsteller auf die Bühne.

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Gefangen im Reich der Totenträume

Die Semperoper entdeckt mit Korngolds „Die tote Stadt“ ein packend modernes Stück für Dresden neu

Es ist eine düstere Umgebung, ein graues Zimmer, in das sich Paul verkrochen hat. Der Protagonist in Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“ (1920) gibt sich nach dem Tod seiner Frau ganz der Trauer hin. Er träumt von der Wiederauferstehung seiner Marie und vergisst vor lauter Träumen das Leben. Nach fast 100 Jahren hat die Semperoper das packende Psychodrama (Fotos: David Baltzer) wiederentdeckt – eine Oper von bestechender Modernität.

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Grabenkämpfe zwischen Neubau und Neustadt

Herbstauslese: Peter Richters „89/90“ – ein Dresden-roman?

Zwischen all den Dresden-Krimis und historischen Romanen, neben kleinen Novellen à la Uwe Tellkamp und Essays kam 2015 mit „89/90“ ein Dresden-Buch ganz anderer Couleur heraus. Der Autor Peter Richter ist Dresdner des Jahrgangs 1973, Journalist im Hauptberuf und arbeitet seit 2012 als Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in New York. Er widmet seiner Heimatstadt mit „89/90“ einen Wende-Roman jenseits des zuckerbestäubten Barock-Mythos und der tränenreichen Erzählungen von der Zerstörung der Stadt 1945. Weiterlesen