Im Rausch der Sehnsüchte

Johannes Erath inszeniert Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ an der Semperoper Dresden als phantastisches Traum-Spektakel

Das weiße Kleid aus Tüll ist überall. Es steckt im Wandschrank, liegt unter dem Flügel, verleiht den Frauen in Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ (Fotos: PR/Jochen Quast) einen unschuldigen, ja reinen Schein. Und doch will es am Ende keiner richtig passen, symbolisiert es in der Inszenierung von Johannes Erath an der Dresdner Semperoper doch ein Idealbild, die männliche Illusion von der perfekten Frau. Das weiße Kleid ist aber nur ein Requisit von vielen, aus denen Erath die bunte Welt dieser surrealen, romantischen Oper baut, in der Realität und Phantasie so haarscharf aufeinanderprallen, dass man die Grenze dazwischen bald nicht mehr wahrnehmen kann.

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Advent in der Neustadt

Eine Dresden-Geschichte zum 2. Advent

Die Straßen der Neustadt waren mit hellen Lichterketten geschmückt. Das verlieh dem Viertel einen Zauber, wie ihn nur die Weihnachtszeit heraufbeschwören konnte. Die Hände tief in den Manteltaschen vergraben, lief ich durch die Stadt, vorbei an liebevoll dekorierten Schaufenstern, in denen Weihnachtswichtel, Schneemänner und Sterne auf die schönste Zeit im Jahr einstimmen sollten. Ich war auf der Suche nach Geschenken und stellte wieder einmal fest, dass die Dresdner Neustadt besondere Faszination auf mich ausübte. Meine Großmutter hatte ihr halbes Leben in diesem Stadtteil verbracht, lange bevor er sich zum hippen Szeneviertel und zur Heimat kreativer Webdesigner entwickelt hatte. Meine Oma konnte aus ihrer Kindheit noch viele Geschichten aus dieser Gegend erzählen, denen ich bis heute gerne lauschte.

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Per Flaschenpost ins Zauberreich

„Mio, mein Mio“ als Plädoyer für die Phantasie am Staatsschauspiel Dresden

Ach, wie gerne würden wir uns doch manchmal so eine geheime Flaschenpost wünschen. Einen Geist, der uns aus der grauen Realität hinaus in ein buntes Zauberreich der Phantasie trägt. So wie den Jungen Bosse in Astrid Lindgrens Märchen „Mio, mein Mio“ (1954). Dieser Bosse verschwindet einfach aus seinem Neubauviertel, und landet in den Armen seines Vaters, dem König eines Reiches, in dem es fliegende Pferde, glitzernde Seen und sprechende Brunnen gibt. Ein Reich also, in dem der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. In der Regie von Matthias Reichwald zieht diese Erzählung nun als bildstarkes Vorweihnachtstheater (Fotos: PR/David Baltzer) die großen und kleinen Zuschauer am Schauspielhaus in ihren Bann. Weiterlesen

Musik als Mittel gegen das alphanumerische Chaos

Maximilian Schnaus lebt als Komponist in Residence jetzt drei Monate lang in Dresden

Maximilian Schnaus arbeitet als Organist in Berlin und zog im November als Stipendiat der Stiftung Kunst und Musik für Dresden an die Elbe. Im Rahmen seines Stipendiums soll der 30-Jährige (Foto: privat) sich drei Monate lang mit Musikern und Ensembles in Dresden vernetzen und neue Kompositionen schreiben. Wir haben ihn gefragt, was er hier genau vorhat.

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Der alte Mann am Fluss

Eine Geschichte zum ersten Advent

Es war ein Wintertag wie im Bilderbuch: Die Sonne tauchte die Elbwiesen in ein goldenes Licht, und sachte streichelte der Wind meine Wange, als ich am Elbufer spazieren ging. Ich sah, wie die Kinder bunte Drachen in den Himmel gleiten ließen und spürte den Frieden dieses Nachmittags ganz tief in meiner Seele. Wie doch die Zeit vergeht, in drei Wochen ist wieder Weihnachten, das Jahr zu Ende, so viel passiert in diesen Monaten, die so schnell verflogen sind.

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2016 als Geschenk

Breschke und Schuch eröffnen die Tore ihrer „Striezelmarktwirtschaft“

Vorfreude weht durch Dresdens Straßen. Die ersten Adventsbeleuchtungen tauchen die Stadt in festliches Licht, der Striezelmarkt ist schon aufgebaut. Diesen Donnerstag öffnet er seine Tore und läutet mit Glühweinaroma und Kräppelchenduft die schönste Zeit im Jahr ein. Im Kabarett Breschke & Schuch ist die „Striezelmarktwirtschaft“ (Foto: PR/Elisabeth Schuch-Wiens) dagegen bereits seit einer Woche geöffnet. Das hat schon Tradition.

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Bier, Musik und ein Hauch von „Harry Potter“

Dresden – Prag: in zwei Stunden von der Kulturstadt in die Metropole, ein Reisebericht

Bier, Gulasch, Jazzmusik und Geschichte, wohin das Auge schaut: Prag ist bei aller Kultur vor allem eine Metropole zum Genießen. Gerade mal zwei Stunden von Dresden entfernt liegt die „Goldene Stadt“ an der Moldau, auf acht Hügeln gebaut. Bequem, ohne Zwischenstopp und unsagbar günstig (24€ hin und zurück) fährt man von hier mit dem Bus nach Prag – und kann dort neben leckerem Essen, gutem Bier und tschechischer Gastfreundschaft immer wieder Neues entdecken.

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Verkleidungsspiel unter Kafkas Deckmantel

„Verwandlung/en/“ als Jubiläumsstück an der bühne der TU Dresden

Die bühne – das Theater der TU Dresden feiert in dieser Saison ihre 60. Spielzeit. Sie blickt zurück und in die Zukunft. Zum Jubiläumswochenende versammelten sich die „bühnis“ von damals und heute bereits im Oktober zu einem großen Fest im Weberbau. Teil dieses wilden Auftakts in eine ganz besondere Spielzeit waren auch zwei Premieren (Fotos: PR/Mathias Kammerer), in denen die Geschichte des Studententheaters an Dresdens Universität feierlich mit eingewoben ist.

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In Tinte getauchte Erinnerung

Persönliches Plädoyer fürs Briefeschreiben

Ein Füllfederhalter, ein paar Zeilen auf Papier, echtem Papier, verziert mit Blumen und Rankenmustern am Rande. In diesen Zeilen spiegelt sich der Grund unseres Herzens wider, viel mehr noch als im Tagebuch. Jeder, der schon einmal einen Liebesbrief geschrieben hat, weiß von dem harten Ringen um die richtigen Worte und kennt dieses befreiende, doch auch von Unsicherheit getragene Gefühl, das mit Vollendung der letzten Zeile aufkeimt. Habe ich zu viel preisgegeben? Habe ich mich vielleicht gar lächerlich gemacht mit der Offenbarung meiner Gefühle? War ich zu direkt, zu verträumt, zu romantisch oder zu verletzend?

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Shakespeare in Matschästhetik

Das Große Haus ist mit einem streitbaren „Othello“ wiedereröffnet worden – endlich!

Die Sitze sind neu, die Bühnentechnik modernisiert, die Wände frisch gestrichen – und mit Thorleifur Örn Arnarssons Inszenierung von William Shakespeares „Othello“ (Fotos: PR/Krafft Angerer) weht zudem ein angenehm frischer Regiewind durch die betagten Mauern am Dresdner Schauspielhaus. Immerhin Ahmad Mesgarha ist noch der Alte, wie er da in der Titelrolle des Stücks auf die Bühne tritt – und ganz unerwartet erst mal von sich selbst erzählt. „Er spricht sehr gut Deutsch“, soll ein Rezensent in Klammern zu seiner Kritik über den jungen Mesgarha einst hinzugefügt haben. Anlass dazu gab nur sein fremd klingender Name, so wie man mit dem Namen Czerwinka oft polnischer oder zumindest osteuropäischer Herkunft verdächtigt wird, auch wenn das gar nicht stimmt.

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