Hofgeflüster – die Stadtkolumne

Google-Streetview ab heute auch in Dresden

Mütter, haltet Eure Kinder fest; Ehefrauen, passt auf Eure untreuen Männer auf! Der grosse Bruder Google is watching you. Seit heute auch in Dresden, nämlich auf dem Theaterplatz. Wer denkt, dort noch unerkannt vorbei schlendern zu können, hat sich gehörig geschnitten. Das Internet macht’s möglich. Ob Ehebrecher, nichtsahnende Touristen oder eilende Dresdner – wir alle sind ertappt – oder könnten es sein. Denn seit heute kann jeder via Internet auf dem Theaterplatz spazieren gehen und dabei allerlei spannende Dinge entdecken. Stadtführungen zum Beispiel. Mit etwas mehr Glück könnte ein Google-Street-Voyeur aber auch Handtaschendiebe auf frischer Tat ertappen. Die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des neuen Internetservices sind schier unerschöpflich. Und das ist erst der Anfang. Bis zum Ende des Jahres sollen ganze Strassenzüge aus Deutschland online sein. – Wissen die Dresdner Tourismusagenturen eigentlich schon davon? Sie würden die Semperoper im Netz sicher auch gern unscharf pixeln. Schliesslich ist der Surftripp im Internet wesentlich günstiger als eine Stadttour vor Ort. Ob die vielen neuen Hotels in Dresden Google später  auch auf Schadenersatz verklagen können, fragt augenzwinkernd…

…der Dresdner Hofnarr

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Vom Roman auf die Bühne – Tellkamp in Dresden

„Der Turm“ weckt Diskussionen und Erinnerungen

Viel ist in den vergangenen zwei Jahren geschrieben und diskutiert worden um einen Roman, der Dresden und die letzten sieben Jahre der DDR erzählt: Uwe Tellkamps „Der Turm“. Das 945-seitige Werk hat bei vielen Erinnerungen geweckt, aber auch längst verflogene Wut wieder aufgewühlt. Am 24. September eroberte die Bühnenfassung des Romans von Jens Groß und Armin Petras nun das Dresdner Schauspielhaus. Jene, die den 2008 erschienen Roman gelesen haben, sind nun interessiert an der dramatischen Umsetzung, die anderen wollen sich in der auf drei Stunden komprimierten Kurzfassung endlich selbst ein Bild machen von dem Werk, was Tellkamp zahlreiche Literaturpreise und dem Weißen Hirsch seit 2008 etliche neugierige Touristen beschert hat.

Selten ist das Schauspielhaus nach einer Premiere so ausverkauft gewesen wie an diesem 30. September 2010. Noch kurz vor Vorstellungsbeginn kommen Menschen an die Kasse und kaufen eine Eintrittskarte. Zum Vorgespräch mit dem Regisseur drängen sich die Zuschauer im oberen Foyer. Es ist wohl vor allem die Neugier an der Umsetzung eines Wendestückes, aber auch die Liebe zur Heimatstadt, die an diesem Abend viele ins Theater treibt. – Regisseur Wolfgang Engel habe die Atmosphäre des Romans auf der Bühne erhalten wollen. Die Theaterfassung ist daher nah am Text konzipiert, gibt zahlreiche Passagen des Romans wortwörtlich wieder. Einzig die Chronologie des fast 1000-seitigen Werkes wurde in der dreistündigen Bühnenfassung aufgelöst. Die sieben Romanjahre sind hier zu einem Punkt gebündelt worden. Das irritiert zu Anfang zumindest jene, die das Buch gelesen haben.

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Ein Rektor mit Visionen

Hans Müller-Steinhagen und die TU Dresden

Vom Himmel gefallen. Das ist der erste Gedanke, der jedem gewieften Hochschulkenner angesichts des neuen Rektors der TU Dresden in den Kopf geschossen sein muss. Hans Müller-Steinhagen (Foto: PR/TU Dresden, re. mit Staatsministerin von Schorlemer) hat am 18. August offiziell seinen Dienst in Dresden angetreten. Studium und Promotion im Fach Maschinenwesen in Karlsruhe, acht Jahre Neuseeland, danach München, England, Habilitation in Nürnberg, zehn Jahre beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart – der Lebenslauf des „Neuen“ an der Spitze der TU liest sich wie ein Musterbogen. Dass er die Stelle als „Höhepunkt seiner Karriere“ bezeichnet, kann da eigentlich nur verwundern. Sympatisch ist er obendrein. Irgendwie locker. Der Mr. Right für die TU?!

Akribisch hat sich Müller-Steinhagen auf seine Aufgabe hier vorbereitet, pendelte zwei Monate lang zwischen Stuttgart und Dresden. Seine Ziele sind klar: erfolgreiche Exzellenzinitiative, interne Umstrukturierung, mehr Kommunikation, weniger Studenten pro Professor. Das klingt vielversprechend; ist aber noch längst nicht alles: Beim DLR war der Ausstand noch nicht gegeben, als der noch-designierte TU-Rektor zum Vorsitzenden des internationalen Beratungsgremiums der DESERTEC-Industrie Initiative (Dii) gewählt wurde. Diese will in der Wüste Nordafrikas Solarthermische Kraftwerke bauen und Energie auf „Stromautobahnen“ nach Europa befördern. In den Entwicklungsprozess des DESERTEC-Projektes wird Müller-Steinhagen weiterhin eingebunden sein, stellte er in seiner Antrittsvorlesung klar. Eine Herzensangelegenheit. Und die TU? Die kann nur provitieren, von diesem Rektor voller Visionen.

Nicole Laube

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Von einem der auszog, das Kaufhaus zu besiegen

Hofgeflüster – die Stadtkolumne

Am 12. August entscheidet der Dresdner Stadtrat über einen Kompromissvorschlag zur Sonntagsruhe im Advent. – Geselliger Trubel unter Neonlicht in den Warenhäusern oder lieber besinnlicher Familieneinklang bei Kerzenschein an den Adventssonntagen? Dresden kann sich wieder einmal nicht entscheiden. Denn bereits im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Läden sonntags geschlossen bleiben. Nun soll diese Entscheidung erneut geprüft werden. SPD-Stadtrat Albrecht Pallas hat am Mittwoch bereits Unterschriften für den Erhalt der Sonntagsruhe  gesammelt. Angesichts solch außergewöhnlichen Engagements eines Politikers rollt sich doch sofort ein großes Fragezeichen auf: Haben wir keine anderen Sorgen? Während die Menschen in Ostsachsen mit den Folgen des großen Hochwassers kämpfen, diskutiert man an der Elbe wieder einmal über Pille-Palle. Dresden harrt gespannt der neuen Entscheidung des Stadtrates über eine alte Angelegenheit. Doch eines ist fakt: Egal in welcher Ecke der schwarze Peter hinterher liegen bleibt, am 24. Dezember ist Weihnachten. Und bis dahin kann ja zumindest der Rest der Stadt an den wirklichen Baustellen baggern.

Nicole Laube

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Der 25. Juni – ein historischer Tag für Dresden?

Hofgeflüster – die Stadtkolumne

Wenn man die Dresdner heute fragt, was am 13. Februar 1945 in ihrer Stadt passierte, dann senken sich die Augenlider demütig und Erzählungen vom Angriff auf die Stadt kullern wie Tränen. Fragt man die Dresdner aber, was am 25. Juni 2009 geschah, provoziert man wohl höchstens ein Stirnrunzeln und fragende Blicke. Der Tod von Michael Jackson? – Nur zur Erinnerung: Es ist der 25.6.2009. Die Unesco hat Dresden von der Weltkulturerbeliste gestrichen. Allen Versuchen der Stadt zum Trotz, die Brücke am Waldschlösschen als nettes Erbstück darzustellen, zeigte die Unesco kein Erbarmen.

Dresden verlor seinen Welterbetitel und bekam eine neue Sehenswürdigkeit. Nach langen Jahren des Kampfes weiß man nun an der Elbe, was ein „Brückengegner“ ist und wie die kleine Hufeisennase aussieht, auch über die Bedürfnisse von Bibern sind wir bestens im Bilde. Heute ist der Streit um die Elbquerung zwar keineswegs geschlichtet, im Lärm der Baustelle aber sehr viel leiser geworden. Und die Dresdner fügen sich in ihr Schicksal: Ob mit oder ohne Brücke, Dresden ist und bleibt für uns die schönste Stadt der Welt! Die Brücke kann das Canaletto-Bild vom glänzenden Barock nicht bekleckern, so wie auch die Bomben im zweiten Weltkrieg die Illusion vom idyllischen Elbflorenz nicht aus den Köpfen sprengen konnten. Dresden lebt von seinem Stolz auf sich selbst. Und der war schließlich schon vor dem Weltkulturerbetitel da. So verwundert es auch nicht, dass der 25. Juni heute für viele „nur“ noch der Todestag von Michael Jackson ist. Die Waldschlösschenbrücke ist vielleicht für viele Dresdner noch immer ein Feind – aber für Dresden ein Feind ohne Waffen.

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