Musikalische Brücke nach São Paulo

Dresdner Philharmoniker organisieren Benefizkonzert für Kinder in Prohlis und Brasilien

Musik ist mehr als nur ein schönes Erlebnis im Abo-Konzert. Wie keine andere Sprache auf der Welt, vermag sie Brücken zu bauen zwischen Ländern und Menschen, die ohne ihre Instrumente vielleicht nie zueinander gefunden hätten. Die Dresdner Philharmoniker haben das in besonderer Weise auf ihrer Lateinamerika-Tour im Herbst 2018 erfahren. Am Rande der Tournee spielten 30 Musiker dort gemeinsam mit 60 Kindern der Musikschule Monte Azul ein Konzert (Foto: Thomas Otto) im Theater Paulo Eiró in São Paulo/Brasilien. „Wir sind unheimlich beseelt von dem Auftritt mit den Musikschülern nach Dresden zurückgekehrt“, erzählt Bruno Borralhinho, Cellist in der Dresdner Philharmonie. Dieses Erlebnis wurde nun zur Initialzündung für ein Benefizkonzert, das die Musiker privat und auf eigene Initiative am 10. November, 15 Uhr im Deutschen Hygiene-Museum Dresden organisiert haben.

Der Erlös soll zu gleichen Teilen der Musikschule der Favela Monte Azul in São Paulo und dem Musaik e.V. – Grenzenlos musizieren in Dresden-Prohlis – also der musikalischen Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien in Dresden und Brasilien – zugutekommen. Für die Philharmoniker eine Herzensangelegenheit: „Wir stehen mit beiden Organisationen seit vielen Jahren in Kontakt und hatten nach dem Konzert in São Paulo den Wunsch, so etwas in Dresden zu wiederholen“, erzählt der Geiger Thomas Otto.

Bereits 2014 hatten Mitglieder der Dresdner Philharmonie die Musikschule der Favela Monte Azul in São Paulo zum ersten Mal besucht. In einem der ärmsten Viertel der brasilianischen 22 Millionen Einwohner Metropole haben die Kinder dort seit 2011 die Möglichkeit, ein Streichinstrument zu erlernen. An fünf Tagen in der Woche finden Gruppen- und Einzelunterricht, Orchesterspiel sowie Singen im Chor statt. Die Kinder dürfen diesen umfangreichen Unterricht kostenlos nutzen, ein warmes Mittagessen gehört ebenfalls zum Angebot. Vor dem gemeinsamen Konzert boten die Dresdner Philharmoniker im vergangenen Jahr Workshops und Proben mit den Schülern an, um den Auftritt vorzubereiten. „Für die Kinder war das – von der Fußball-WM abgesehen – der Höhepunkt des Jahres, sie erzählen heute noch davon“, sagt Thomas Otto.

Anders als die Musikschule in São Paulo gibt es den Verein Musaik in Prohlis erst seit 2017.  Auch hier bekommen die Kinder seither in Gruppen kostenlosen Instrumentalunterricht. Das Angebot nehmen inzwischen rund 90 Schüler aus der Grund- und Oberschule Prohlis an, 80 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund. Über das gemeinsame Musizieren finden die Kinder schneller Anschluss, auch die Eltern werden bei Konzerten und Vereinsveranstaltungen einbezogen. „Es gibt einige Kollegen in der Philharmonie, die in dem Projekt ehrenamtlich Unterricht geben. Auch haben die Kinder von Musaik zur großen Gala anlässlich 50 Jahre Kulturpalast musiziert“, erzählt Thomas Otto. Auf seinem Handy zeigt er einige Fotos davon: lachende Kindergesichter wie in Brasilien vor einem Jahr.

Mit viel Engagement haben er und seine Kollegen aus diesen zwei langjährigen Kooperationen nun ein internationales Benefizprojekt gemacht. Sie wollen nicht nur zeigen, welche Bedeutung die Musik in der Gesellschaft hat, sondern die beiden Initiativen in ihrer Arbeit nachhaltig unterstützen. „Wir sind überzeugt, dass es für alle Kinder wertvoll ist, ein Musikinstrument zu erlernen und dass es enorm wichtig ist, auch interessierten Kindern weniger privilegierter Gesellschaftsschichten eine Möglichkeit dafür zu geben“, sagt Thomas Otto. Etwa 10.000 Euro würden die Philharmoniker im Rahmen des Benefizkonzerts gern sammeln. Das Geld soll zur Anschaffung neuer Musikinstrumente und Noten sowie für deren Pflege verwendet werden und die Angebote der beiden Vereine sichern.

Das Besondere daran ist, dass in dem Konzert nun erstmals Kinder von Musaik und Monte Azul mit den Dresdner Philharmonikern zusammen am Pult sitzen und das Publikum verzaubern werden. Der Geiger Thiago Costa Santos und die junge Cellistin Tayane Santos de Conceicao reisen dafür extra aus der Favela Monte Azul in São Paulo an, es ist ihre erste Auslandsreise überhaupt. Von dem Prohliser Verein Musaik sind acht Streicher und zehn Bläser mit von der Partie.

Als Veranstalter firmiert nicht das Orchester selbst, sondern der Dresdner Philharmoniker e.V., ein interner Verein, der sonst kaum in der Öffentlichkeit sichtbar wird. „Musik ist immer international“, sagt Bruno Borralhinho, der selber aus Portugal stammt und wie bereits in São Paulo die musikalische Leitung in dem Konzert am 10. November übernehmen wird. Insgesamt 55 Orchestermitglieder der Dresdner Philharmonie haben sich bereiterklärt, unentgeltlich im Hygienemuseum zu spielen, haben ihre Freunde und Familien bei der Organisation des Nachmittags miteingespannt. Sogar die Kosten für die Flüge der zwei brasilianischen Gäste tragen die Musiker privat. Für die Moderation konnten sie Malte Arkona gewinnen, die brasilianische Sopranistin Adriane Queiroz, Ensemblemitglied an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, war ebenfalls sofort bereit, in Dresden unentgeltlich für diesen guten Zweck zu singen. „Wir haben uns sehr gefreut, dass auch unser Chefdirigent Marek Janowski für das Projekt gespendet hat“, sagt Thomas Otto.

Nun liegt es an den Dresdnern, das Engagement der Philharmoniker vollends zum Erfolg zu machen. „Unser Ziel ist, den Saal auszuverkaufen“, sagt Bruno Borralhinho. Für ihn und seine Kollegen ist es genau das, was ein städtisches Orchester ausmacht: Mit Musik Freude schenken und bestenfalls ein kleines bisschen Licht in unsere oft allzu düstere Welt zu tragen.

Info: Benefizkonzert des Dresdner Philharmoniker e.V. am 10. November, 15 Uhr im großen Saal im Deutschen Hygiene-Museum Dresden, Eintritt: Erwachsene 10 EUR, Kinder bis 14 Jahre 5 EUR (VVK über Eventim und SZ-Ticketservice)

Spendenmöglichkeit per Überweisung
Kontoinhaber: Musaik e.V.
IBAN: DE 14350601901900111025
BIC: GENODED1DKD
Verwendungszweck: Benefizkonzert 10.11.2019
Bei Angabe der Adresse wird eine Zuwendungsbestätigung ausgestellt und per Post zugesandt.

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