Sommercamp vereint neue Musik und Kästner

Uraufführung „Konferenz der Kinder“ in der Frauenkirche

Sie habe einen langen Atem, sagt die Sängerin und Musikpädagogin Elisabeth Holmer von sich selbst. Dass der sich nicht nur auf der Bühne auszahlt, zeigt sich in dieser Woche bei einem Schülerprojekt, das sie mit dem „Klangnetz Dresden“ initiiert hat. Ein Chor aus rund 100 Kindern der Klassenstufen 3 bis 6 gestaltet dabei am 18. August in der Frauenkirche die Uraufführung des Oratoriums „Konferenz der Kinder“. Geprobt wird seit Montag in den Räumen am Landesgymnasium – und das nicht nur mit jungen Musikfilous, sondern mit allen Kindern, die Lust darauf haben.

„Es ist ein lang gehegter Herzenswunsch von mir, Kinder unterschiedlicher sozialer Herkunft in einem Chorprojekt zusammen zu bringen“, sagt Elisabeth Holmer, die für ihre Idee schnell begeisterte Mitstreiter fand. Unter Federführung des „Klangnetz Dresden“ bekam das Projekt binnen eines Jahres Kontur. Schulen wurden kontaktiert, Musiklehrer ins Vertrauen gezogen und Sponsoren wie Fördermittelgeber akquiriert. Der Auftrag für die Komposition ging an Arne Gieshoff, das Libretto stammt von Alexander Gruber und ist in Anlehnung an Erich Kästners „Konferenz der Tiere“ zugleich ein Beitrag zum 120. Geburtstag des Autors, der in diesem Jahr gefeiert wird.

Der spannendste Prozess aber beginnt jetzt: Seit Montag läuft am Landesgymnasium ein Feriencamp, bei dem die beteiligten Schüler erstmals für Chorproben und Workshops zusammenkommen. Unter der Leitung von Milko Kersten wächst hier binnen weniger Tage ein Kinderchor zusammen, der bei seinem ersten Auftritt gleich eine Uraufführung stemmen wird. Darüber hinaus haben die Kinder die Möglichkeit, mit den Pädagogen weiter am Werk zu feilen und einige Teile der Partitur, die vom Komponisten bewusst offengehalten wurden, durch eigene Kompositionen und Improvisationen zu vervollständigen.

Das alles soll spielerisch passieren, ein Ferienerlebnis mit Musik sein. Die Basisarbeit wurde ja zuvor schon an den Schulen gemacht, wo die Schüler das Stück bereits seit den Winterferien einstudiert haben. „Die Musiklehrer waren sofort angetan von dem Projekt und haben uns sehr geholfen“, sagt Albrecht Scharnweber, Geschäftsführer von „Klangnetz Dresden“. Die Musik sei abwechslungsreich, vital, aber auch fordernd mit Raum für spielerische Momente. Neben dem Kinderchor werden die Mitglieder der Ensembles AuditivVokal, El Perro Andaluz und trasit place das Oratorium stimmlich und klanglich mitgestalten.

Ein wichtiger Partner ist zudem die Frauenkirche Dresden, die ihren Raum für Proben, Uraufführung und vier weitere Schulaufführungen in der kommenden Woche kostenfrei zur Verfügung stellt. Der Eintritt ist jeweils frei, um Barrieren niedrig zu halten. „Ich wollte, dass die Kinder das Ganze nicht nur für ein Konzert einstudieren. Das Schöne ist, dass so auch die Mitschüler der Teilnehmer die Möglichkeit haben, das Projekt kennenzulernen und vielleicht Freude an der Musik finden“, sagt Elisabeth Holmer. Doch allein damit ist es nicht getan. Ihr liegt viel daran, mit der „Konferenz der Kinder“ nachhaltige Prozesse für die Zukunft anzustoßen. Bis 2021 sind weitere Sommercamps geplant. So soll das Oratorium im kommenden Jahr mit Schülern aus Chemnitz aufgeführt werden, bevor das Projekt 2021 nach Görlitz und Bautzen wandert.

Tipp: Uraufführung: „Konferenz der Tiere“ am 18. August, 16 Uhr in der Frauenkirche, Eintritt frei – Schulaufführungen vom 20. bis 23. August, 10 Uhr in der Frauenkirche

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