Bluesrock mit Cello

Die 42. Dresdner Musikfestspiele enden mit Eric Clapton und einem besonderen Gastauftritt

Vorher flirrende Aufregung, hinterher pure Glückseuphorie. Gitarrenlegende Eric Clapton spielte am Montag (10.6.) in der Messe den Schlussakkord für die 42. Dresdner Musikfestspiele (Foto: Oliver Killig) und bescherte der Stadt damit mehr als nur eine Premiere.

Es war ein ganz großer Abend. Einer, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Allein der Auftritt Claptons in Dresden wäre ja schon ein Ereignis gewesen. Festspielintendant Jan Vogler hatte ihn vor einem Jahr nach einem Aufritt mit Bill Murray in Edinburgh kennengelernt und kurzerhand zu seinem Festival eingeladen. Die Stadt fieberte dem Konzert des Weltstars seit Monaten entgegen. Als er nun die Bühne betritt, wirkt er verblüffend bescheiden, unaufgeregt. Ohne Vorband legt Clapton in der Messe direkt los, zieht einen sofort hinein in die Welt seiner Songs, die man alle kennt, die live aber eben doch noch stärkere Wirkung entfalten. Die Messe ist mit 4000 Plätzen noch ein intimer Rahmen für ein Clapton-Konzert. Woanders füllt der Musiker ganze Stadien. In Dresden wirkt es, als spiele er im eigenen Wohnzimmer. Der Funke springt sofort über, Clapton erfüllt den kargen Raum auch ohne große Gesten und laute Ansagen – allein mit seiner Musik.

Worte braucht Clapton eigentlich nur, um einen Gast anzukündigen. Und es sind nicht viele. Clapton spricht vom „Local Boy Jan Vogler“, der daraufhin mit seinem Stradivari-Cello auf die Bühne kommt. Es folgt der akustische Teil des Konzerts, den es in dieser Kombination bloß in Dresden gibt: Mit fünf Songs spielen sich Eric Clapton und Jan Vogler in die Herzen des Publikums. Vogler entlockt seinem Instrument groovige Bluesrhythmen, verleiht altbekannten Songs wie „Layla“ oder „Tears in Heaven“ ganz neue Farben und fasziniert mit seinem warmen Celloklang, der es mit Claptons Gitarre locker aufnehmen kann. Er hat sichtlich Spaß, Clapton scheint sich wohl zu fühlen. Ein besonderer Zauber liegt über dieser ungewöhnlichen Begegnung. Die beiden wirken beinahe wie alte Bekannte auf der Bühne. Die Bescheidenheit ihrer Gesten fördert einen ungeahnt kraftvollen, aber tief berührenden Ausdruck zu Tage. Das Publikum lauscht gespannt, wiegt sich im Takt – und jubelt schließlich ausgelassen.

Das einmalige Intermezzo ist von großer musikalischer Intensität getragen und macht am Ende fast ein Drittel der gesamten Show aus. Ein Glücksfall für Dresden! Anschließend legt Clapton wieder mit elektronisch verstärkter Band los. Er singt mit kräftiger Stimme, lässt seine Finger rasend schnell über das Griffbrett der Gitarre gleiten. Mitreißend präsentiert er noch einige seiner bekannten Blues-Songs, wobei er seinen Musikern Paul Carrack (Keyboard & Gesang), Doyle Bramhall II (Gitarre & Gesang), Chris Stainton (Keyboards), Nathan East (Bass & Gesang) und Sonny Emory (Schlagzeug) abwechselnd mit betörenden Soli das Rampenlicht überlässt. Clapton rockt die Messe bis zur letzten Sekunde der obligatorischen Zugabe und schenkt den Musikfestspielen einen Abschluss, den es so noch nie gab.

*Die Autorin dieses Beitrags ist Pressereferentin der Dresdner Musikfestspiele, der Artikel entstand dennoch (so wie alle auf dieser Seite) unentgeltlich und unabhängig von dieser Aufgabe.

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