Mozart als Feuerprobe

Annina Olivia Battaglia studiert Gesang und gibt am Sonntag ihr Debüt als Despina

Die Probe zu Mozarts „Cosí fan tutte“ im Kleinen Haus ist gerade zu Ende. Schnell schlüpft Annina Olivia Battaglia in ihre Alltagsklamotten und flitzt hinaus. Wenige Minuten später sitzt die Studentin auf der Terrasse vor dem Haus. Die langen Haare hat sie zum Pferdeschwanz gebunden, auf ihrem Gesicht strahlt ein Lächeln, das Begeisterung und Vorfreude verrät.

Die junge Sängerin steht in der aktuellen Opernproduktion der Hochschulen für Musik und Bildende Künste Dresden zum ersten Mal in einer Hauptpartie (Foto: Sebastian Hoppe) auf der Bühne. Die Opernklasse der HfM spielt dieses Jahr Mozarts „Cosí fan tutte“. Studenten der HfBK haben das Bühnenbild und die Kostüme dazu entworfen.

„Es ist total cool, Teil dieser Opernproduktion zu sein. Erst hatte ich Respekt vor der großen Bühne, aber inzwischen weiß ich, es ist alles machbar“, sagt Annina Olivia Battaglia euphorisch. Offen und ohne Umschweife plaudert sie dann über die Vorbereitungen zu dem Stück und darüber, was es bedeutet, zum ersten Mal eine Hauptrolle einzustudieren. Bisher hat sie vor allem in Konzerten und kleineren Partien auf der Bühne gestanden. „In der Oper muss ich auf vieles gleichzeitig achten: Da ist natürlich die Musik. Hinzu kommen das Spiel und die Interaktion mit den anderen. Ich darf ja nicht einfach aus der Rolle fallen“, erzählt sie. In Mozarts Oper singt sie die Despina. Ein freches, eher auf Äußerlichkeiten bedachtes Dienstmädchen, dass in der Inszenierung von Barbara Beyer als Au-Pair-Girl in der Modemetropole New York verortet ist.

„Sie ist eine interessante Figur. In der Oper werden ja nur Frauen beschuldigt, untreu zu sein. Die Männer werden nirgends angesprochen, außer von Despina“, erzählt Annina Olivia Battaglia. Nach einer kurzen Pause ergänzt sie: „Es steckt viel in der Oper, das sich auf heute übertragen lässt.“ Als sie sich auf die Partie vorbereitet hat, habe sie zunächst die italienischen Texte gesprochen, dann kam die Musik. Zum Schluss erst habe sie sich mit den anderen Figuren beschäftigt. „Ich denke, das würde ich beim nächsten Mal anders machen. Denn man muss wissen, was die anderen bewegt“, erklärt sie und zieht die dicke, blaue Partitur aus ihrer Tasche. „Früher fand ich ‚Cosí fan tutte‘ manchmal ein bisschen langatmig. In unserer Inszenierung habe ich einen ganz neuen Zugang zu dem Stück gefunden“, sagt Annina Olivia Battaglia und schlägt das Buch auf, um zu zeigen, an welchen Stellen die Oper gekürzt wurde.

Die junge Sängerin ist in der Schweiz geboren, nach ihrem Bachelor in Gesang und Gesangspädagogik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden hat sie sich für die Vertiefungsrichtung Oper entschieden. „Ich habe schon als Kind viel gesungen und unter der Dusche damals oft Whitney Houstons ‚I will allways love you‘ geträllert“, erzählt sie lachend. Eine benachbarte Opernsängerin gab ihr als Kind Gesangsunterricht. „Sie hat mir das vorgelebt, mich in kleine Auftritte bei sich mit eingebunden. Ich hatte irgendwie gar keine Alternative zum Singen, als sich dann die Frage nach dem Berufswunsch stellte“, sagt Annina Olivia Battaglia.

In der Partie der Despina kann sie den Traum von der Opernbühne nun endlich verwirklichen. Die Premiere der Hochschulproduktion am 29. April ist für nahezu alle Beteiligten eine Art Feuertaufe. Die jungen Sänger, Musiker sowie die Kostüm- und Bühnenbildner sind dank der Kooperation mit dem Staatsschauspiel eng in den täglichen Theaterbetrieb eingebunden. Die meisten von ihnen erleben das zum ersten Mal so intensiv. „Es ist ein tolles Gefühl, ganz anders als auf der Probebühne in der Hochschule“, erklärt Annina Olivia Battaglia. Ihr Pferdeschwanz wippt dabei lebhaft im Wind, die Augen strahlen mit der Sonne um die Wette. Der Zeitplan bis zur Premiere ist straff, doch den Rest dieses Nachmittags hat Annina Olivia Battaglia frei, sie freut sich darüber. Nach dem Interview will sie das schöne Wetter genießen und noch ein bisschen singen.

Mozarts „Cosí fan tutte“ am Kleinen Haus, 27.4. öffentliche probe, Premiere am 29. April 2018, weitere Aufführungen am 30.4., 9.5., 13.5., 28.5., 31.5., 2.6. und 5.6.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.