Frank Schlüter hat gerade sein Studium der Akustikgitarre an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden abgeschlossen und startet nun mit seinem Kollegen Peter Groesdonk seine erste Tournee durch Deutschland. Im Interview erzählt er, warum die Expo 2015 für ihn zur musikalischen Initialzündung wurde und wie der Dresdner Jazzszene gern eine neue Facette verleihen würde …


Was liebst Du an der Akustikgitarre besonders?

Die Vielseitigkeit! Die Akustikgitarre bietet so viele Möglichkeiten Sounds zu erzeugen, perkussive Effekte, Klirr- und Kratzlaute oder einfach nur der Klang der Saiten. Ich fühle mich einfach wohl auf diesem Instrument und kann mich dort am besten ausdrücken. Ab und zu nehme ich auch mal die E-Gitarre in die Hand, aber zugegebenermaßen wirklich sehr selten. Auch ein super Instrument, bedingt aber genauso viel Übung wie mit der Akustikgitarre und die Zeit hab ich leider momentan nicht. Die Akustikgitarre nimmt man einfach in die Hand und kann losspielen, auch ohne Effekte, Verstärker oder ähnliches. Das kommt mir sehr entgegen.

Du gehst jetzt direkt vom Studium auf Tour. Wie schwer war es, als junger, noch eher unbekannter Musiker Engagements in anderen Städten zu bekommen?

Ehrlich gesagt, einfacher als vorher gedacht. Klar musste man viele Leute anschreiben, von denen auch nicht alle antworteten, aber viele waren super aufgeschlossen und wollten gerne ein Konzert mit uns machen. Ein paar Konzerte konnten wir über Kontakte, die wir beide schon hatten, organisieren und schwups war die Tour fertig geplant. War ne super Erfahrung für uns, das Ganze selber zu organisieren und wir konnten bis jetzt schon viel für die Zukunft lernen. An was man alles denken muss, Übernachtung, Flyer, Plakate, Internetwerbung, wie kommen wir dann von A nach B, ist ein Tonmann vor Ort etc.

Warum sollte man eure Konzerte unbedingt besuchen, was erwartet die Zuhörer?

Weil wir einfach zwei sympathische Typen sind, die man unbedingt gesehen haben muss. Nee, Spaß beiseite – das sind wir hoffentlich auch, aber in erster Linie sollen die Leute vorbeikommen, um ganz entspannt handgemachter Gitarrenmusik zu lauschen. Wir haben, denke ich, in unserem Programm für jeden etwas dabei, vielleicht auch die ein oder andere Überraschung.

Wie lange habt ihr die Tour vorbereitet und geplant? Was war euer wichtigstes Ziel dabei?

Oh, da muss ich kurz überlegen. Ich denke, wir haben im September 2017 angefangen mit der Planung. Was tatsächlich schon echt knapp war, da einige Veranstalter zu diesem Zeitpunkt bereits komplett voll waren für 2018. Das wichtigste Ziel war es, einfach schöne Locations zu finden, in die unsere Musik gut reinpasst und natürlich irgendwie die zwei Wochen gefüllt zu bekommen, ohne zu viele Offdays. Das haben wir auch gut hinbekommen.

Ein richtig gutes Konzert ist für Dich …

Ich denke, am schönsten ist ein Konzert, wenn man selber im Flow ist: Man ist hochkonzentriert und gibt sich voll und ganz der Musik hin, ohne an irgendwelche anderen Sachen zu denken. Wichtige Faktoren hierfür sind die Location, der Sound, und natürlich das Publikum. Man muss sich rundum wohlfühlen.

Du arbeitest nicht nur mit Gitarren-, sondern auch mit Beatboxsounds. Wie kann man sich das vorstellen und wie bist Du auf diese Kombination gekommen?

Richtig. Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte ich das Glück, für drei Monate Teil der Mainshow des deutschen Pavillons auf der Expo 2015 in Mailand zu sein. Dort habe ich eng mit einigen Beatboxern zusammenarbeiten dürfen. Mich hat schon immer fasziniert, was die alles für Geräusche erzeugen können und das nur mit dem Mund. Zu dieser Zeit hatte ich aber selber noch nicht die Idee, das selber mal zu probieren. Erst nach der Expo, in meinem stillen Kämmerlein, probierte ich etwas rum. Ich hatte auch noch engen Kontakt zu Menjay, meinem „Hauptbeatboxpartner“ auf der Expo. Der hat, als ich ihn mal besucht hab, immer so einen Snoop Dogg Beat gemacht, wo man zu dem eigentlichen Beat noch einen Ton summt. Das wollte ich unbedingt auch können. Also hab ich mir zeigen lassen, wie das geht und geübt. Als ich merkte, das dass ziemlich schnell funktionierte, hatte ich Blut geleckt und wollte immer mehr lernen. Ich habe mir viele Youtubevideos angeguckt und später, als meine Sounds „fetter“ wurden, angefangen Gitarre dazu zu spielen. Schnell entstand die Idee, Stücke für Beatbox und Gitarre zu arrangieren. Mittlerweile sind das vier, ich habe aber noch viele Ideen für neue Sachen.

Wenn Du nicht Musiker geworden wärst, wärst Du heute …

Schwer zu sagen. Ich habe schon während der Schulzeit entschieden, dass ich unbedingt Gitarre studieren möchte und dann darauf hingearbeitet. Sprich, ich kann einfach nichts anderes. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als kleines Kind unbedingt Müllfahrer werden wollte, weil ich es cool fand, wie die Männer hinten auf dem Wagen drauf stehen, wenn sie von Haus zu Haus fahren. Der Gestank hätte mich dann aber, glaube ich, doch abgeschreckt.

Nach dem Studium in Dresden: Wie verwurzelt bist Du mit der Stadt?

Beruflich würde ich sagen sehr, da ich mir hier einen schönen Schülerstamm aufgebaut habe. Jetzt, nach dem Studium gibt es auch noch zwei Projekte, ein Gypsyswing- und ein Klezmerprojekt, die mich hier halten. Die Stadt ist auch wunderschön und ich fühle mich hier schon sehr wohl, weiß aber noch nicht hundertprozentig, ob ich mein Leben lang hier bleiben möchte. Ab und zu zieht es mich schon wieder zurück in die Heimat zu meiner Familie und meinen alten Freunden. Für den Moment ist Dresden aber auf alle Fälle die richtige Stadt für mich.

Wie schätzt Du die Jazz- und Weltmusikszene in Dresden im Vergleich zu anderen Städten ein?

Jazz auf alle Fälle sehr gut, gerade durch die vielen Studenten hier. Es gibt in der Tonne regelmäßig Sessions, zu denen ich allerdings selten gehe. So ein krasser Jazzer bin ich halt einfach nicht. Was mich interessieren würde, wäre eine Gypsyswing Szene. Die gibt es bis jetzt hier in Dresden eigentlich noch gar nicht. Bis jetzt musste ich immer nach Leipzig fahren, um da auf Gleichgesinnte zu stoßen. Aber in diesem Jahr will ich in Dresden zusammen mit meiner Gypsyband eine Session ins Leben rufen, für alle die an der Musik Django Reinhardts interessiert sind. Mal schauen, was sich daraus entwickelt. Abgesehen davon gibt es durch den Weltmusik-Studiengang an der Hochschule natürlich eine hohe Dichte an Akustikgitarristen – und das ist ziemlich cool. Man hat immer Leute da, von denen man viel lernen kann.

Dein bislang schönstes Bühnenerlebnis war?

Ganz klar: die Expo-Show. Eine zehnminütige Show, die wir über die drei Monate bestimmt 900 Mal aufgeführt haben, die aber trotzdem nie langweilig wurde, da sie sich ständig weiter entwickelte und die Reaktionen der Publikums jedes mal anders waren. Die Interaktion mit den Zuschauern war einfach ein riesen Spaß. Man konnte aus sich herausgehen und die Leute mit purer Energie unterhalten. Hier ein kleiner Mitschnitt von einer Show um einen Eindruck davon zu bekommen:

Zum Schluss gestatten wir uns einen kleinen Zukunftsblick: Wenn wir in zehn Jahren wieder ein Interview mit Dir machen, was wird dann der Anlass sein?

Mhmm, zehn Jahre sind eine lange Zeit. Da kann viel passieren. Ich sollte auf alle Fälle schon ein zwei CDs veröffentlicht haben und mehr Konzerte spielen als zu unterrichten. Ein guter Anlass für ein Interview wäre wohl eine Tour im Ausland. Eine andere Idee wäre die Veröffentlichung einer Lehr-DVD zur Kombination von Gitarre und Beatbox.

Danke für das nette Gespräch!

Linktipp: www.frankschluetermusic.com

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