Lieblingsorte in Dresden: Oberloschwitz und die Schwebebahn

Eine Bergbahn mitten in der Stadt – das ist wahrlich eine seltene Kombination. In Wuppertal gibt es das. Dresden hat sogar zwei davon: Am Körnerplatz führt die Standseilbahn hinauf auf den Weißen Hirsch, nur wenige Meter weiter schwebt die Schwebebahn von der Pillnitzer Landstraße nach Oberloschwitz.

Was viele verkennen: Es ist nicht so einfach, mit der einen hoch und mit der anderen wieder runter zu fahren. Die unmittelbare Nähe der Stationen im Tal täuscht. Denn beide Viertel trennt die Grundstraße, die wie eine tiefe Schlucht zwischen die Berge gefräst ist. Man müsste also über Bühlau laufen, um von einer Bergstation zur anderen zu kommen – und das ist weit.

Die Schwebebahn ist die Jüngere der Dresdner Bergbahnen. Sie wurde wie die Wuppertaler Schwebebahn von Eugen Langen konstruiert und 1901, sechs Jahre nach der Standseilbahn, eröffnet. Sie schwebt allerdings nicht, sondern wird auf Rädern entlang einer Schiene bewegt. Vom Tal bis zur Loschwitzer Höhe legt die Bahn 274 Meter und einen Höhenunterschied von 84 Metern zurück.

Die Auffahrt ist das, was man heute entschleunigend nennt: Wie ein träger Dinosaurier schwebt die Gondel nach oben, wo eine herrliche Aussicht auf Loschwitz und die Stadt wartet. Auf dem Turm der Bergstation gibt es eine Plattform, von der aus man den Blick auf das Blaue Wunder und Dresden genießen kann. Zudem empfiehlt sich ein Spaziergang durch Oberloschwitz.

Da der Zweite Weltkrieg das Viertel weitgehend verschont hat, kann man hier noch leibhaftig durch ein Stück Dresdner Geschichte wandeln. Prachtvolle Villen erinnern an die noble Vergangenheit des Ortes. In der Sierksstraße wohnten einst so bedeutende Dresdner wie der Maler Ludwig Richter (1803-1884) oder der Komponist und Kreuzkantor Rudolf Mauersberger (1889-1971).

Doch auch sonst ist diese Ecke einfach nur idyllisch. Schattige Waldwege, steile Serpentinen und historische Höfe erinnern noch an eine Zeit, in der Loschwitz zu den erholsamen Vororten von Dresden gehörte.

Zu entdecken gibt es auf einem kleinen Rundgang genug – und bald wird man merken: die meisten Wege führen wieder nach unten, zur Grundstraße, die mitten im Trubel des Körnerplatzes mündet. Ruhe adé!

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