Kontraste fügten sich beim Konzert des Moritzburg Festivals am Sonnabend zu einem runden Ganzen

So verschieden wie die Charaktere der Musiker, die Jan Vogler beim Moritzburg Festival vereint, so unterschiedlich waren auch die Stücke im Konzert am Samstag (12.8.) in der ev. Kirche Moritzburg: Mendelssohns emotionales Klaviertrio d-Moll traf hier auf das spritzig lebendige Gitarrenquintett e-Moll von Luigi Boccherini und auf Brahms melancholisch facettenreiches Streichquintett F-Dur.


Schwer zu sagen, welcher Vortrag am meisten fesselte. Jeder für sich glich einem kleinen Universum und am Ende ergänzten sich die drei Werke fein aufeinander abgestimmt, intensiv im Zusammenspiel der Musiker zu einem mitreißenden Konzertabend. Mendelssohn bot dafür einen bewegt wogenden Auftakt. Andreas Brantelid gestaltete bereits die Eröffnung des Stücks auf dem Violoncello markant, ließ es zusammen mit Gloria Chien am Klavier und Tobias Feldmann an der Violine gewaltig durch die Kirche sausen, bevor Gloria Chien das Stück im zweiten Satz auf dem Klavier perlend und emotional weitererzählte. Insgesamt fand das Trio einen ausgewogenen Ton, setzte oft sanfte, dafür aber nur umso wirkungsvoller Akzente und verlieh dem Mendelssohn rauschhafte Versunkenheit.

Mit Boccherinis Gitarrenquintett folgte schließlich eine kleine Rarität, die nicht alle Tage zu hören ist. Ursprünglich für Klavier geschrieben und erst später für Gitarre umgearbeitet, ließen Ismo Eskelinen (Gitarre), Mira Wang (Violine), Tobias Feldmann (Violine), Hsin-Yun Huang (Viola) und Peter Bruns (Violoncello) das Stück in seiner ganzen Exotik schillern. Das Lautenhafte der Gitarre verleiht ihm fast barocken Duktus. Lebendig, rau und wild wie ein Bachlauf strudelte es auf. Ismo Eskelinen agierte auf der Gitarre oft nur flüsternd, um schwungvoll in den Streichern Widerhall zu finden, wurde von ihnen jedoch nie ganz verdeckt, vielmehr betonten die anderen in ihrer Dynamik sein Spiel auf magische Weise.

Ganz anders Brahms, der sich mit seinem Streichquintett Es-Dur an kaum ein Genremuster hält. Statt Arabella Steinbacher spielte – auch das ist eine Qualität des Festivals – spontan die 19 Jahre junge Akademistin Abigél Králik die zweite Violine neben Kai Vogler (Violine), Hwayoon Lee (Viola), Hsin-Yun Huang und Peter Bruns. In diesem Miteinander der Generationen verwandelte sich Freundschaft einmal mehr in intensiven Klang: Feinsinnig austariert ließ das Quintett den ersten Satz aufflammen, gestaltete ungeheuer farbig, und auch die Dramatik des zweiten Teils ging unter die Haut. Das Finale schließlich verzückte lebhaft in rasender Geschwindigkeit und bildete den perfekten Abschluss für die Verbindung der verschiedenen Stimmungen an diesem Abend, die sich in all ihren Kontrasten schließlich zu einem runden Ganzen fügten.

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