Ein Rundgang durch die Diplomausstellung der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Hell glänzt die Zitronenpresse auf dem Dach der Hochschule für Bildende Künste in der Sonne. Der Engel auf der Spitze reckt keck seine Flügel gen Himmel. Er zieht die Blicke der Vorübergehenden auf sich – und lädt von Oben dazu ein, das Gebäude unter der markanten Kuppel zu betreten: Denn im Oktogon der Kunstakademie kann man bis zum 3. September in der diesjährigen Diplomausstellung einen Blick auf die Kunst von morgen erhaschen.

Die jährliche Abschlussausstellung der Kunsthochschule zu besuchen, gleicht einer inspirierenden Entdeckungsreise durch verschiedene Sichtweisen auf unsere Welt, in der die Visitenkarte auf dem Fensterbrett ebenso dazu gehört wie die Farbkleckse auf dem Parkett in den Ateliers.

In diesem Jahr reflektieren die insgesamt 46 Absolventen die Themen Körperlichkeit, Essen, Sexualität, aber auch Identität und Lebensräume in ihren Werken. Sie setzen sich mit dem Individuum in der Gesellschaft sowie mit den Fragen der Kunst, die auf einem freien, oft allzu beliebigen Markt ihre Nische finden muss, auseinander.

Es ist ein interessanter Jahrgang, der sich hier seit 22. Juli präsentiert. Fast in allen Räumen bleibt das Auge an Objekten kleben, die für mehr als nur einen Moment die Aufmerksamkeit des Betrachters bannen. Sinnliche Arbeiten dominieren die Ausstellung.

Viele Werke sind bunt, aufregend, kleinteilig und phantasievoll – längst nicht so depressiv oder melancholisch wie in vergangenen Jahren. Manche sind geheimnisvoll, manche blicken zurück in die Vergangenheit, andere spiegeln den Künstler selbst oder unsere Gegenwart. Zukunftsvisionen sind dagegen eher selten, vielmehr versuchen die Künstler, Gewohnheiten aus dem Alltag zu hinterfragen.

So hat die Diplomandin Lisa Poelkers für ihre Arbeit „PFOTOCYCLO“ auf dem Gelände in der Pfotenhauerstraße Monate lang Material gesammelt, das ihre Kommilitonen entsorgen wollten. Aus alten Einzelteilen entstand ein komplettes Fahrrad mit Anhänger und verschiedenen Kunstutensilien.

Die Arbeit von Daniel Grams entblößt unsere Verschwendungsgesellschaft mit Broten wie Baumstämmen, die an die Überproduktion eines Grundnahrungsmittels erinnern. Und Grit Aulitzky lässt die erotische Körperlichkeit mit ihren bunten Puppenfiguren schlicht zum comichaften Spielzeug werden.

Dabei sind die Objekte niemals allzu plakativ. Sie lassen stets viel Raum für Interpretation, regen die Phantasie des Betrachters an. Was fehlt, sind Werke, über die man auch mal herzlich lachen kann, weil sie sich selbst und auch uns mit einem Augenzwinkern spiegeln. Die Kunst ist ernst geworden.

Gerade jedoch zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltsamkeit bildet sich der Charakter der diesjährigen Diplomausstellung – und das gibt es wirklich nicht alle Jahre!

Diplomausstellung an der HfBK Dresden, Oktogon, noch zu sehen bis 3. September, Die. bis So. 11 bis 18 Uhr

Ein Gedanke zu „Von der Verschwendung der Körper …

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