Musikalische Inspiration im Bauernhaus

Im Richard-Wagner-Dorf Graupa kann man auf den Spuren des Komponisten wandeln

Richard Wagner galt schon zu seiner Zeit als luxuriös und verschwenderisch. Im idyllischen Graupa, einem Ortsteil von Pirna, jedoch hat er sich im Sommer 1846 in den einfachen Verhältnissen eines Bauernhauses richtig wohl gefühlt. Hier konnte Richard Wagner mit seiner Frau Minna die Seele baumeln lassen, während ihm auf dem Heuboden und bei Wanderungen in die Sächsische Schweiz die Ideen für den „Lohengrin“ zuflogen.

Das „Lohengrinhaus“ in Graupa gibt es bis heute. In dem frisch renovierten Fachwerkhaus sowie im benachbarten Jagdschloss kann man wunderbar auf den Spuren des großen Komponisten wandeln.

Gedenktafel am „Lohengrinhaus“

Wagner kam einst auf Empfehlung seines Kollegen Carl-Maria von Weber in die Sommerfrische vor den Toren von Dresden. Damals ahnte freilich noch niemand, dass der kleine Ort deshalb einmal im Reiseführer stehen würde. Bereits 1907 gründete der Gymnasiallehrer Prof. Max Gaßmeyer rund um das historische Bauernhaus in Graupa eine der ersten Wagner-Gedenkstätten samt Verein in Deutschland.

Jagdschloss in Graupa

Das Kleinod am Tor zur Sächsischen Schweiz ist nicht nur eine Pilgerstätte für eingefleischte Wagnerianer. Im Jagdschloss gibt es seit 2013 eine moderne Ausstellung, in der sich die Besucher zunächst mit dem Leben und Werk von Richard Wagner vertraut machen können – und die selbst Kenner durchaus mit der einen oder anderen Überraschung konfrontiert.

Konzertsaal im Jagdschloss Graupa

Die sechs Zimmer erzählen von Wagners Leben in Sachsen, seiner Liebe zur Dichtung, von seinen musikalischen Vorbildern und seinem Kompositionsstil, der später selbst in Filmmusiken Anwendung fand. Auch Wagners Konzept eines Gesamtkunstwerks im Theater, seine Orchesterarbeit und die Wagner-Rezeption sind Stationen der Ausstellung. Im Obergeschoss befindet sich der große Konzert- und Veranstaltungssaal.

Schlossterrasse

Im Schlosspark mit Blick auf die Landschaft der Sächsischen Schweiz kann man sich gut vorstellen, wie Wagner im Sommer 1846 hier die Partitur zu den mythischen Welten des „Lohengrin“ entwarf. Ein Besuch im „Lohengrinhaus“ lässt diesen Sommer für kurze Momente wieder lebendig werden. Wagner und seine Frau wohnten im ersten Stock, wo Mobiliar aus Wagners Zeit einen authentischen Eindruck vermittelt.

Der ehemalige Stall im Untergeschoss wurde lange Zeit als Veranstaltungssaal genutzt und dient jetzt als weiträumige Ausstellungsfläche, in der die Geschichte der Oper anschaulich wird. Im Dachgeschoss befinden sich zudem zwei kleine Wohnungen für Stipendiaten. Künstler und Studenten dürfen hier weilen, wenn sie sich mit Richard Wagner und seinem Wirken beschäftigen. Nur die alte Scheune hinter dem Haus ist inzwischen einer großen Wiese gewichen.

Wagner-Ausstellung im Lohengrinhaus

Dass Wagner von hier aus mit seinem Hund ausgedehnte Wanderungen unternahm, ist durch einen Freund des Komponisten eindeutig belegt. Zu seinen liebsten Zielen gehörte der Liebethaler Grund, wo sich seit 1933 das weltweit größte Wagner-Denkmal des Bildhauers Richard Guhr befindet.

Richard Wagner Büste in Graupa

Es ist nicht weit von Graupa entfernt und gut ausgeschildert. Wer dann noch nicht genug von Richard Wagner hat, dem empfehlen wir zum Abschluss einen Besuch in Wagners Dresdner Wirkungsstätte, der Semperoper, wo der Komponist von 1843 bis 1849 die Stelle des Hofkapellmeisters inne hatte.

Richard-Wagner-Stätten Graupa, Tschaikowskiplatz 7, 01796 Pirna OT Graupa

Anfahrt von Dresden aus etwa 30min mit dem Bus oder dem Auto, Öffnungszeiten: Jadgschloss: Mo/Mi/Do/Fr 11-17 Uhr, Sa/So/feiertags 10-17 Uhr; Lohengrinhaus: Mo/Mi/Do/Fr 12-17 Uhr, Sa/So/feiertags 11-17 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung

elbmargarita-Artikelserie zum Wagner-Jahr 2013:
(1) Willkommen im Wagner-Jahr vom 1. Januar 2013
(2) „… wo ich sozusagen zu Hause bin“ vom 8. Januar 2013
(3) Wissenschaft trifft Wagner vom 23. Januar 2013
(4) Dem Musikgenie auf den Fersen vom 8. Februar 2013
(5) Richard Wagner als Rahmenprogramm vom 22. Mai 2013

(aktualisierter Beitrag, erstmals erschienen am 10. Juli 2018)

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