Von den Tücken der Revolution

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Martin Heckmanns „Occupy“ an der TU bühne

Die Vorstellungen an der bühne – das Theater der TU Dresden – sind immer irgendwie besonders. Unkonventionell, frech, jugendlich. Auch die erste Premiere des neuen künstlerischen Leiters des Studententheaters, Matthias Spaniel, bildet da keine Ausnahme. „Occupy“ oder „Wir reiten ohne Pferd“ ist ein hintersinniges, fast philosophisches Stück von Martin Heckmanns, im Programmheft beschrieben als eine Bestandsaufnahme über die verbliebenen Spielräume politischer Bewegungen unserer Gegenwart und ihr (vermeintliches) Scheitern. Wie gemacht für eine studentische Bühne also.

Diese wird im Weberbau der TU Dresden auch sofort mit drei silbernen Plopp-auf-Zelten besetzt. Drei junge Widerständler richten sich darin häuslich ein. Wofür oder wogegen sie sind, scheint allerdings nicht so richtig klar. Ihre anfänglichen Megafonansagen sind nicht zu verstehen. Was hinter den drei maskierten Köpfen (Foto: PR/Philipp Heinz) vorgeht, bleibt daher zunächst diffus. Auf jeden Fall wollen sie etwas verbessern, „Möglichkeiten eröffnen“ für eine andere Welt. Systemwechsel. Wohin? Das bleibt die Frage. Und schon schließt sich ein vierter Besetzer an.

„Sitzen macht frei“, ist die Devise. Sie wollen, dass am Ende viele zu ihnen kommen und mitmachen – und die kommen auch. Nur jeder von den Besetzern kämpft hier für etwas anderes. Das macht einen flächendeckenden Widerstand natürlich schwer und den Abend an der bühne teilweise etwas zäh.  Franziska Fröhlich, Robert Richter, Romy Lehmann und Richard Petzold bemühen sich in ihren wechselnden Rollen nach Kräften, dem Spiel Rasanz zu verleihen, können den Dialogen dabei auch wirklich witzige wie nachdenkliche Momente entlocken.

Letztlich bleibt das Ganze jedoch ein scheinbar ewiges Kreisen um sich selbst. Widerstand wird zum Selbstzweck, Typen wie ewige Widerständler, kritische Künstler, aufbegehrende Ausländer, unzufriedene Alte, radikale Junge, Perspektivlose und die „Öko-Mutti“ bleiben bloße Folien. Und wie könnte so ein Widerstand auch etwas verändern, wenn in der Besatzergruppe schon keiner den anderen versteht? Das Problem ist letztlich schnell erzählt. Die fetten Jahre großer Revolutionen sind vorbei. 1989 ist lange her. In der Ukraine scheinen die Fronten zwischen den politischen Lagern derzeit so verhärtet, dass eine wirkliche Veränderung, ein Systemwechsel, unmöglich erscheint. Diese Parallelen kann man ziehen, sie sind in der Inszenierung jedoch nicht offenkundig angelegt.

Hierzulande warten manche nur auf die Revolution, während andere Pseudoradikalismus betreiben und wir stellen an diesem Theaterabend nun noch fest, dass selbst die Revolution organisierten Mustern folgt, ja folgen muss, wenn sie denn erfolgreich sein will. Das Gute vieler gutgemeinter Initiativen scheitert an deren Zersplitterung. So wie diese Inszenierung letztlich an der Zersplitterung der Charaktere, dem fehlenden (gemeinsamen) Handlungsfaden und einer merkwürdigen Ziellosigkeit krankt. Am Ende liegt ausgerechnet der Künstler geknebelt von der Besetzer-Gesellschaft am Boden. Dann werden die Zelte eingepackt. Sieht so das Ende des (studentischen) Protests aus?

Martin Heckmanns „Occupy“ an der bühne der TU, wieder am 11.4., 12.4., 13.4., 16.4. und 17.4., jeweils 20.15 Uhr

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