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Herbstauslese: „Der Turm“

Herbstzeit ist auch Lesezeit. Unter dem Motto „Herbstauslese“ startet auf elbmargarita.de eine neue Serie, in der wir ausgewählte Romane und Erzählungen rezensieren, die in Dresden spielen. Heute: Uwe Tellkamp: „Der Turm“

Viel ist über Uwe Tellkamps Dresden-Roman „Der Turm“ (2008) schon gesagt und geschrieben wurden. Schließlich erhielt der 1968 in Dresden geborene Autor für sein knapp 1000 Seiten umfassendes Werk über die Wende den Deutschen Buchpreis sowie den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Herbst 2010 eroberte eine Theaterfassung (von Jens Groß und Armin Petras) des Romans die Bühne des Dresdner Schauspielhauses, bevor im vergangenen Jahr die zweiteilige Romanverfilmung in der Regie von Christian Schwochow erstmals über die Fernsehbildschirme flimmerte – und noch einmal rund 7,5 Millionen Zuschauer erreichte.

Im Mittelpunkt der als Familiensaga entworfenen Handlung steht die Figur des Christian Hoffmann, aufgewachsen in einem engen Zirkel von Bildungsbürgern in einer verfallenen Villa auf dem Weißen Hirsch – im Roman das „Turmviertel“. Sein Vater, Richard Hoffmann, ist Chirurg an der Medizinischen Akademie Dresden mit geheimen Doppelleben. Der Onkel, Meno Rohde, arbeitet als Lektor in einem renommierten Verlag und prägt das Geistesleben des jungen Protagonisten sehr. Zugespitzt auf diese drei Personen und deren Umfeld erzählt Tellkamp die letzten sieben Jahre der DDR und stellt die Deutsche Wende so inmitten dieser besonderen Dresdner „Turmgesellschaft“ dar.

Den teils ausschweifenden, jedoch nicht bloß idyllischen, Dresden-Beschreibungen sind im Roman die schweren, düsteren Jahre Christian Hoffmanns bei der Nationalen Volksarmee gegenübergestellt. Nach dem Unfalltod eines Kameraden handelt sich Christian durch Äußerungen gegenüber seinen Vorgesetzten einen Aufenthalt im Militärgefängnis Schwedt ein. So entwirft Tellkamp mit seinem Roman nicht nur ein detailliertes Wende-Panorama anhand dieser Familiengeschichte, sondern mythifiziert gleichzeitig den Weißen Hirsch als nahezu geheimen Ort, der alte Werte für eine neue Zeit bewahrt.

Voller Motive, Anspielungen und immer wieder von den verschlungenen Tagebuchaufzeichnungen des Meno Rohde unterbrochen, gehört „Der Turm“ zwar zweifelsohne zu den wenigen großen Dresden-Romanen der Literaturgeschichte, fordert seinen Leser allerdings mit ausschweifenden Beschreibungen, einer Vielzahl von Handlungssträngen und einer zum Ende hin immer rasanteren Erzählweise, die teils in surrealistisch anmutende Szenen mündet, auch arg heraus. So verwundert es wohl kaum, dass viele Dresdner dieses Werk zwar im Bücherregal stehen, es jedoch niemals bis zum Ende durchgelesen haben – und lieber auf Theateraufführungen oder Filme zurückgreifen, obwohl doch gerade der Dresden-Komplex sowohl auf der Bühne als auch im Film stets zu kurz kam.

Ein Gedanke zu „DDR-Untergang als Dresden-Saga

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