Das Geschichtenhaus II

Eine Erzählung zum Erich-Kästner-Jahr 2019 – Teil (2)

… Mia entfuhr unwillkürlich ein Seufzer, als sie die Türschwelle erreicht hatte. „Der ist wirklich schwer“, sagte sie mit Blick auf den Einkaufskorb. Dann sah sie Max an, dessen wache blaue Augen zu tanzen schienen. „Kaffee?“, fragte er erneut und lächelte schelmisch. Mia willigte ein. Was sollte es auch? Draußen war es hundekalt und in Dresden wartete niemand auf sie. Mit einem dumpfen Gefühl im Bauch meldeten sich ihre Sorgen wegen der verpatzen Semesterarbeit bei ihr zurück. Der Alltag konnte warten! Ohne zu zögern, trat sie also ein.

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Das Geschichtenhaus I

Eine Erzählung zum Erich-Kästner-Jahr 2019 – Teil (1)

Es war nicht bloß die Kälte, die Mia die Tränen in die Augen trieb, als sie an diesem eisigen Februartag durch die Neustadt lief. So fremd war ihr Dresden. Mia zog die Kapuze tiefer in die Stirn und fluchte leise. Zum Glück konnte sie niemand hören. Der Wind blies heute heftig durch die engen Gassen. Doch abgesehen davon war Dresden still. Die barocken Bauten drüben in der Altstadt standen starr an ihrem Platz wie seit Jahrhunderten schon. Selbst die Schaufelraddampfer lagen stumm am Ufer, weil es viel zu kalt für Rundfahrten war.

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Köstliche Erinnerung

Eine Dresden-Geschichte zum Weihnachtstag

An den Ständen auf dem Striezelmarkt herrschte noch geschäftiges Treiben. In wenigen Stunden würden die Glocken der Kreuzkirche zur Christmesse läuten. Doch noch war die Saison der rot kandierten Zuckeräpfel und gebrannten Mandeln nicht vorbei. Die Menschen hasteten übers Altstadtpflaster, um Geschenke zu besorgen und auch ich huschte schnell durch die schmalen Gassen zwischen den Buden am Altmarkt, während das Karussell unermüdlich im Takt der Weihnachtslieder kreiste. Am Rondell in der Mitte bleib ich stehen, um ein letztes Weihnachtsgeschenk zu kaufen.

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Dresden-Skizze frei nach Carus

Herbstauslese: Uwe Tellkamp und seine Erzählung „Die Carus-Sachen“

Wie war das noch auf dem „Turm“, wo im Fenster von Haus Wolfsstein die Geschichtenlampe brannte? Erinnern wir uns an die verschlungenen literarischen Wege, die Uwe Tellkamp in seinem Roman märchenhaft auf dem Weißen Hirsch beschritt. Lang schon ist eine Fortsetzung der Geschichte des Dresdner Bürgertums versprochen, das der Autor in seinem preisgekrönten Werk durch die letzten sieben Jahre der DDR führte und mit der Friedlichen Revolution von 1989 aus aller Vergangenheitsseligkeit befreite.

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Der Striezelmarkt und die Liebe

Eine Dresden-Geschichte zum 3. Advent

Große weiße Flocken rieselten auf die Erde nieder und überzogen die Buden auf dem Dresdner Striezelmarkt mit einer weißen Schneeschicht, die wie Puderzucker aussah. Ich hatte mir gerade einen rot kandierten Apfel gekauft und blieb nun vor dem großen Karussell stehen, auf dem die Kinder lachend im Kreis fuhren. Wie lange war es her, dass ich selbst einmal so unbeschwert und voller Freude den Ritt auf einem der blanken Karussell-Pferde genossen hatte?

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