Ein Fest auf dem Mond

Die Staatsoperette Dresden feiert mit „Frau Luna“ Wiedereröffnung nach der Havarie

Ein Flug zum Mond, das wäre doch was: Urlaub weit entfernt von Mutter Erde, in einer Welt, die alle irdischen Sorgen vergessen lässt. Der Komponist Paul Lincke zauberte aus diesem uralten Traum der Menschen zusammen mit dem Librettisten Heinz Bolten-Baeckers 1899 eine Operette, noch lange bevor Weltraumtourismus in realen Nachrichtenspalten ein Thema war. „Frau Luna“ hat nun die Ehre, die Bühne der Staatsoperette nach der Wasserhavarie im Oktober wiederzueröffnen und lässt den ganzen Zauber des Genres im Kraftwerk Mitte aufsteigen wie Phönix aus der Asche.

In der Inszenierung des österreichischen Regisseurs Andy Hallwaxx wird der Abend zu einem wahren Fest. Er gibt der Ausstattungs-Operette mit opulenten Ballett- und Chorszenen, was sie braucht und nimmt auch den Varieté-Ursprung des Stückes ernst: Zu schmissigen Melodien gesellen sich flotte Sprüche. Boulevardesk und humorvoll geht das zu, ohne überzogen zu wirken. Bei Gassenhauern wie „Das ist die Berliner Luft“ tanzt das Ensemble sogar mit dem Publikum im Parkett. Auf der Bühne gibt es Kabarett, Gesang, Tanz und Komödie – Schlag auf Schlag in einer frischen Melange. „Was ist denn das für eine Willkommenskultur? Wir leben auf, nicht hinter dem Mond“, heißt es etwa, als Theophil, der Haushofmeister von Luna, die Mondtouristen aus Berlin festnehmen will. Die wiederum erklären: „Die Erde ist das Irrenhaus des Universums und Berlin ist das Zentrum.“

Von der Berliner stadtidylle geht es auf den Mond

Judith Leikauf und Karl Fehringer haben zu der turbulenten Mondfahrt ein raffiniertes Bühnenbild entworfen, das zunächst ein kleines Häuschen vor Berliner Silhouette zeigt. Der Knaller befindet sich auf dem Dach, nämlich das Raumschiff, das Mechaniker Fritz Steppke baut, um damit auf den Mond zu fliegen. Tatsächlich hebt diese kleine Kapsel wenig später ab, bevor die Kulisse sich in eine helle Mondlandschaft wandelt. Die Berliner müssen jedoch bald feststellen, dass die Bewohner vom Mond nicht viel anders sind als die Menschen auf der Erde. Sie unterscheiden sich bloß durch die silbrigen Kostüme von Judith Peter von den Erdenbürgern, haben allerdings sonst ganz ähnliche Probleme.

Eifersucht und Liebeleien treiben die Handlung voran. Das macht richtig Freude, denn Ensemble und Orchester der Staatsoperette Dresden sind unter der Leitung von Christian Garbosnik zur Premiere glänzend aufgelegt und mit spürbarer Euphorie bei der Sache. Das Orchester schwelgt in Walzern, verleiht den Märschen Leichtigkeit und findet als Begleitensemble in den Balletten noch farbenfrohe Schattierungen. Chor und Tänzer rollen einmal auf Rollschuhen über die Bühne. Der Mime Rainer König wird als roboterartiges Mondmännel zu einer Art Running Gag der Aufführung. – Zielsicherheit beweist Hallwaxx auch in der Besetzung: Jannik Harneit brilliert als kecker Mechaniker Fritz Steppke. Um seine Idee von der Mondreise zu verkünden, darf er anfangs das Orchester stoppen. Marcus Günzel ist als sächselnder Schneider Lämmermeier der Tollpatsch im Stück. Unentwegt reimt er und stellt sich als der aus Dresden vor. Der dritte Mitstreiter Steppkes ist Kurt Pannecke, den Elmar Andree als behäbig-gemütlichen Kumpel-Typ zeigt.

Ein Ohrwurm Jagd den nächsten …

Die Frauen jedoch zweifeln: Steppkes Verlobte Marie versucht ihm die Träumerei auszureden. Annika Gerhards wirkt in der Partie mädchenhaft und lässt ihren klaren Sopran mit „Schlösser, die im Monde liegen“ kraftvoll schimmern. Der erste Ohrwurm des Abends jedoch gehört Sabine Brohm, die als Steppkes Vermieterin Mathilde Pusebach zur Ulknudel schlechthin avanciert. In einer Mischung aus Helga Hahnemann und Cindy aus Marzahn gibt sie das freche Berliner Vollweib und schmettert ihr „Oh Theophil“ als heitere Heulerei um den verflossenen Liebhaber durch den Saal. Ingeborg Schöpf und Andreas Sauerzapf geben der platonischen Liebe von Zofe Stella und Theophil auf dem Mond ordentlich Feuer – und stimmlich ein hinreißendes Paar ab.

Für Frau Luna aber scheint sich einfach kein passendes Pendant zu finden. Maria Perlt bezaubert in der Titelpartie gesanglich wie darstellerisch. Sie ist eine sinnliche und selbstbewusste Luna. Nachdem sie Prinz Sternschnuppe (Bryan Rothfuss) einen Korb gibt, glaubt sie in Steppke den Mann ihrer Wünsche zu erkennen. Der jedoch sehnt rasch das Wiedersehen mit seiner Verlobten herbei – und schwupp, entsteigt Marie auch schon dem Mondmobil des Prinzen, aus dem ein kurzer Takt bassige Schlagermusik von Helene Fischer dröhnt, bevor das Spektakel mit ausgelassenen Balletten (Choreografie: Mandy Garbrecht) auf das umjubelte Ende zusteuert.

Sicher hätte sich nach dem Wasserschaden im Oktober mancher an der Operette auch gern erst mal auf den Mond verabschiedet. Intendant Wolfgang Schaller jedenfalls ließ es sich nicht nehmen, das Publikum zur Premiere persönlich zu begrüßen – und den Unterstützern in Stadt und Stadtrat für die schnelle Hilfe zu danken. Nun gibt es die Mondfahrt mit „Frau Luna“ als gelungenen Auftakt in eine hoffentlich pannenfreie Zukunft im Kraftwerk, wo in vier Wochen mit der Uraufführung des Musicals „Zzaun!“ an der Operette schon die nächste Premiere bevorsteht.

Info: „Frau Luna“ an der Staatsoperette Dresden, wieder am 8.2. bis 11.2., 7./8.3., 10.3. und 11.3.

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