Dresden – Prag: in zwei Stunden von der Kulturstadt in die Metropole, ein Reisebericht

Bier, Gulasch, Jazzmusik und Geschichte, wohin das Auge schaut: Prag ist bei aller Kultur vor allem eine Metropole zum Genießen. Gerade mal zwei Stunden von Dresden entfernt liegt die „Goldene Stadt“ an der Moldau, auf acht Hügeln gebaut. Bequem, ohne Zwischenstopp und unsagbar günstig (24€ hin und zurück) fährt man von hier mit dem Bus nach Prag – und kann dort neben leckerem Essen, gutem Bier und tschechischer Gastfreundschaft immer wieder Neues entdecken.

Prag Altstadt

Am besten man wirft, einmal in Prag angekommen, das Gepäck im Hotel ab und lässt sich erst mal durch die Gassen der Altstadt treiben. Zwischen den prachtvollen, bunt sanierten Hausfassaden, herrschaftlichen Plätzen und leuchtenden Einkaufspassagen wird man nämlich bald feststellen: Dresden und Prag verbindet mehr als nur eine günstige Buslinie, die sich noch immer mangels durchgehender Autobahn gemächlich durchs Elbtal schuckelt. Die slawische Besiedlung Prags begann bereits im 6. Jahrhundert, erstmals schriftlich erwähnt wurde die Stadt im 10. Jahrhundert. Schon damals kamen jüdische und deutsche Kaufleute ins Land. Die historische Hauptstadt Böhmens entwickelte sich bald zur bedeutenden königlichen und kaiserlichen Residenzstadt – besonders unter den Luxemburgern und den Habsburgern.

Einkaufsmeile in Prag

In Prag sind Musik, Theater und Kunst daher ebenso prägend für das Stadtbild wie die herrliche Flusslandschaft der Moldau. Glücklicherweise blieb die Stadt von den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont, weshalb sich bis heute Jugendstilbauten sowie Bauwerke der Romantik, Gotik, der Renaissance und des Barock wie an einer Perlenschnur aneinanderreihen. Seit der Wende hat sich Prag längst zur Weltmetropole mit Touricharme gemausert. Auf dem Pflaster der Altstadt begegnen sich urige Gemütlichkeit und moderner Lifestyle, ebenso wie in Prag bezaubernde Aussichten auf spiegelnde Fassaden neuzeitlicher Einkaufstempel treffen. An allen Ecken laden szenische Cafés und Kneipen zum Verweilen ein, vor den zahlreichen Sehenswürdigkeiten hört man die Erläuterungen der Gästeführer in nahezu allen Sprachen.

Apple Museum in Prag

Es gibt Kunstausstellungen, Konzerte und Kuriositäten wie das Sex-Machine-Museum oder – ganz neu – ein Apple-Museum, das farbenfroh das Lebenswerk von Steve Jobs würdigt. Und während die Touristen auf der Karlsbrücke verträumt ihre Selfie-Stangen anlächeln, hallt von den Straßenmusikern her schwungvolle Jazzmusik über die Moldau.

Blick auf die Prager Burg

An den Touri-Hotspots kann es schon mal eng zugehen, so zum Beispiel auf der Prager Burg, die hoch über der Stadt auf dem Hradschin thront. Geschichte und Gegenwart treffen hier aufeinander: auf der einen Seite Residenz des Präsidenten der Tschechischen Republik, auf der anderen Gedächtnisort, und mit 1,42 Millionen Besuchern im Jahr das meistbesuchte Baudenkmal Tschechiens.

Blick vom Hradschin auf Prag

Im Besuchergetümmel drohen allerdings die schönsten Legenden und Sagen dieses geschichtsträchtigen Ortes allzu schnell verschütt zu gehen. Denn tatsächlich umweht ein Hauch von „Harry Potter“ diesen Ort. Mag davon auch schon Franz Kafka etwas gespürt haben, als er zwischen 1916 und 1917 in einem Häuschen im Goldenen Gässchen auf dem Hradschin wohnte und schrieb? In jener Gasse, in der einst Goldschmiede und Alchimisten lebten, die unter Kaiser Rudolphs II. auch den Stein der Weisen erzeugen sollten? Nur ein paar Schritte weiter steht der majestätische St. Veitsdom, ein Hüter nicht minder interessanter Legenden und Schätze. Er beherbergt die Wenzels-Krone, die Regentenkrone Böhmens, bis heute ein wichtiges Staatssymbol der Tschechen. Sie ist in der St.-Wenzels-Kapelle des Veitsdoms sicher verwahrt hinter einer Tür mit sieben Schlössern, deren Schlüssel von sieben staatlichen und geistlichen Würdeträgern verwaltet werden …

Moldau-Ufer mit Schwänen

Viel fesselnder sind bekanntlich aber oft die Orte, die nicht im Reiseführer stehen. Einer meiner neuen Lieblingsplätze in Prag ist das Moldauufer auf der Prager Kleinseite, unterhalb der Brücke der Legionen. Umringt von Schwänen kann man hier den Blick auf die Altstadt und die Karlsbrücke genießen. Eine romantische Idylle inmitten des Großstadttrubels. Das beliebte Fotomotiv ist zwar längst kein Geheimtipp mehr, aber besonders am Vormittag ein herrlicher Ort für Spaziergänge – und wesentlich ruhiger als die Touristenhochburgen in der Innenstadt. Gleich um die Ecke von diesem „Schwanenufer“ befindet sich zudem das Kafka-Museum. Ebenfalls immer einen Besuch wert!
Trdlnik in Prag

Was ich sonst noch an Prag liebe? Den Duft nach Zimt und Zucker, der rings um die vielen Stände mit Trdlnik über das Altstadtpflaster weht und der schon Anfang November zarte Weihnachtsstimmung aufkommen lässt. Dieses Gebäck aus der Slowakei ist eine Art Knüppelkuchen, mit Zucker und Zimt bestreut und über offenem Feuer gebacken. In Prag wird es inzwischen auch mit Schokolade oder mit Eis und Sahne verkauft. Ein Trdlnik gehört zum Pragurlaub wie das echte böhmische Pils – und wie ein Besuch im Kaffeehaus.

Kakao im Café Orient Prag

Das ist für mich vielleicht das allerschönste in der Stadt überhaupt: Prag hat – wie wir aus Friedrich Torbergs Buch „Die Tante Jolesch“ wissen – eine reiche Kaffeehaustradition und ebenso wie in Wien ist das Kaffeehaus auch an der Moldau jener Ort, an dem man bis heute Ruhe tanken, seinen Gedanken bei einem Kaffee oder einer heißen Schokolade freien Lauf lassen, so richtig ins Träumen geraten und die Eindrücke dieser an Eindrücken reichen Stadt verarbeiten kann. Schon bei unserem letzten Prag-Ausflug haben wir das Café Orient für uns – und damit noch einen weitere Stilfacette der Stadt, den Kubismus – entdeckt. 2005 wurde das Grand Café Orient nach fast 80 Jahren wieder neu eröffnet und dem Kubismus in der Architektur als echt tschechisches Phänomen damit in Prag wieder ein lebendiges Denkmal gesetzt. Und auch wenn es noch so vieles zu sehen gäbe, scheint mir dieser Ort doch der perfekte Schlusspunkt für den heutigen Reisebericht.

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