Rundgang Durch die SLUB zur Langen Nacht der Wissenschaften

Die Lange Nacht der Wissenschaften ist ein Abend für Entdecker. Seit fast elf Jahren wohne ich direkt neben dem Campus der TU Dresden, doch als wir das Gelände 2014 zum ersten Mal nachts erkundeten, konnte ich kaum glauben, was für Technologien sich hier gleich nebenan in den Gebäuden verstecken. Dieses Mal haben wir uns die Sächsische Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek – kurz SLUB – vorgenommen.

Die Musikabteilung der SLUB feiert in diesem Jahr 200. Geburtstag. Bibliothekar Friedrich Adolf Ebert hatte am 14. Februar 1816 in sein Tagebuch notiert: „Das Nummerieren der Musik vollends beendigt“, und begründete damit die Geburtsstunde der Musikabteilung als institutionalisierte Sammlung. Zur Feier des Tages empfängt die SLUB uns schon vor den Türen mit Musik, draußen auf der Liegewiese ist eine offene Bühne für Bands aus der Stadt aufgebaut, die schon mächtig für Stimmung sorgen. Die Biblothek als Kulisse für ein Open Air Konzert – das ist mal was Neues!

Digitalisierung in der SLUB Dresden

Für 20:45 Uhr ist im Foyer der Treffpunkt für ein musikalisches Kultur-tweetup angesetzt. Wir sind allerdings die einzigen, weshalb sich die Führung bald bunt mischt. Zuerst geht es in die Digitalisierungsabteilung. Im Rhythmus des menschlichen Herzschlages surren hier die Scanner, die Buchseite um Buchseite fotografieren, um sie später digital zu archivieren – und weltweit zugänglich zu machen. Digitalisiert wird in der SLUB seit 2002 und meist projektweise, je nachdem wie gerade Gelder vorhanden sind, erklärt Henrik Ahlers, Leiter des Digitalisierungszentrums. Weltweit müssen sich die Biblotheken genau absprechen und auf diese Projekte bewerben, damit aus den Beständen nichts doppelt digitalisiert wird. Letztlich entsteht dabei die Bibliothek der Zukunft: Wer möglichst viel digitales Wissen zu bieten hat, der wird auch später konkurrenzfähig sein.

Die nächsten beiden Stationen sind das Tonistudio und die Videoabteilung. Auch hier wird digitalisiert, nicht nur für das weltweite Gedächtnis, auch für Studenten und Dozenten, die bestimmte Filme oder Aufnahmen für ihre Seminare bereitstellen wollen. Was ich hier lerne: Nicht nur das gesammelte Wissen in Büchern, auf Tonträgern, Karten, Akten und Videos in der SLUB ist enorm. Auch das Wissen der Mitarbeiter über verschiedene Aufnahme- und Abspiel-Techniken und deren Übertragung ins Digitale ist ein Schatz für sich. Der kleine, aber feine Unterschied von Schellack- und Vinylschallplatten ist da noch das simpelste Thema! Wer von uns kann sich schon an sämtliche Videotechniken der vergangenen 30 Jahre erinnern und versteht es, damit auch versiert umzugehen? Im kleinen Videozimmer irgendwo im Hinterland der Biblothek stehen schier unzählige Recorder, DVD- und VHS-Playern und alle sehen Sie recht lebendig aus, obwohl die meisten davon noch aus dem vorigen Jahrtausend stammen. Faszinierend.

Robert Schumanns op. 63

Den krönenden Abschluss unserer nächtlichen SLUB-Runde bildet schließlich ein Rundgang durch die Schatzkammer des Buchmuseums. Und auch hier sind es natürlich vor allem die musikalischen Exponate, die uns interessieren. Barbara Wiermann, die Leiterin der Musikabteilung kann unendlich viele interessante Geschichten erzählen. Stolz zeigt sie auf die jüngste Neuerwerbung der Musikabteilung: Den Schumann-Autograph mit Skizzen des Komponisten zu seinem Klaviertrio op. 63, das die SLUB mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln von einem Antiquariat in Amerika ankaufen konnte. Doch auch ein Vivaldi- und ein Bach-Konzert sowie ein Teil aus Robert Schumanns „Kinderszenen“ sind im Buchmuseum zu sehen. Nicht zu vergessen natürlich, der berühmte Majakodex, der Kodex Dresdensis, der die Weltenwende Ende 2012 voraussagt. Als wir 23 Uhr die SLUB wieder verlassen, steht die Welt zum Glück noch. Die Musiker allerdings haben längst eingepackt und auch das Bier am Kiosk ist schon alle. Wir gehen heim, mit neuen Erkenntnissen und Vorfreude auf den nächsten nächtlichen Campusausflug im Gepäck.

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