Märchenspaß hoch Sieben

Das Boulevardtheater zeigt „Schneewittchen“ als weihnachtskomödie für die ganze Familie

Es war einmal ein braves Mädchen, eine böse Stiefmutter, König Kurt als Rentier, ein verzauberter Küchenjunge und sieben fleißige Zwerge am Boulevardtheater in Dresden: Hier versüßt Olaf Becker mit seiner Inszenierung von „Schneewittchen“ (Fotos: Robert Jentzsch) in diesem Jahr die Vorweihnachtszeit – und beschert zwei rundum unbeschwerte Theaterstunden für Groß und Klein.

Er erzählt das Märchen der Gebrüder Grimm nach dem Buch von Kenny Friedemann, bedient sich optischer Anleihen aus der berühmten Walt-Disney-Trickfilmversion, würzt das Ganze zudem kräftig mit eigenen Ideen und einer großen Portion Märchenglimmer, die selbst den Erwachsenen im Saal immer wieder ein verzücktes Glitzern in die Augen treibt. Wie so oft setzt der Regisseur auf pompös-märchenhafte Bilder und die eingängigen Musikarrangements von Andreas Goldmann, der dem Stück mit flotten Songs teils musicalhafte Züge verleiht.

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Stefanie Bock ist ein bezaubernd unschuldiges „Schneewittchen“ und stellt sich mit ihrem Lied vom „Winterkind“ gleich musikalisch vor. Das plätschert zunächst noch ein wenig dahin. Doch spätestens mit dem Eintreffen der egoistischen Königin, der Katharina Eirich glänzende Eitelkeit und den herrlich russischen Akzent schenkt, nimmt das Stück richtig Fahrt auf. Im Spiegel der bösen Königin blitzt das verzerrte Gesicht von Tom Pauls auf, der mit röhrender Stimme verkündet, wer hier die Schönste im Land sei. Grund genug für die eitle, geldsüchtige Russin, die Stieftochter mit dem Jäger in den Wald zu jagen, wo dieser sie in die ewigen Jagdgründe schicken möge.

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Natürlich kommt es anders, so wie im Märchenbuch beschrieben: Schneewittchen wird verschont und landet zusammen mit dem verzauberten Freund bei den sieben Zwergen, die auch alle weiteren Giftanschläge der garstigen Königin auf die Schöne vereiteln. Stefanie Bock gibt die bescheidene Prinzessin als Mädchen mit Herz und entzückend naivem Charme. Katharina Eirich ist im schwarz-glänzenden Königinnenkleid (Kostüm: Michael Wolf) die perfekte Antifigur dazu. Michael Kuhn muss als König, Koch, Jäger oder Bambi von einer Rolle in die nächste schlüpfen und meistert dies durchaus märchenhaft, während der Küchenjunge Peter (Volkmar Leif Gilbert) sich als kluger, treuer Freund von Schneewittchen sowohl in Menschen- als auch in Hasengestalt bewährt.

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Die Größten aber sind in dieser Inszenierung die sieben Zwerge, wenn sie fröhlich singend aus ihrem Bergwerk heimkehren – bald begleitet vom enthusiastischen Klatschen im Saal. Mit Peter Brownbill, Frank Ramirez, Peter Gatzweiler, Edwin Alofs, Mick Morris Mehnert und Mirko Mike Schreiber hat das Theater kleinwüchsige Schauspieler aus dem ganzen Land nach Dresden geholt, die als lebhafte Zwergenbande mit Zipfelmützen und Trompete große Freude ins Spiel streuen.

Wie in jedem ordentlichen Märchen siegt am Ende natürlich das Gute. Und eines ist schon jetzt gewiss: Das Stück wird nicht nur in der Adventszeit leuchtende Kinderaugen bescheren. Die ganz großen Klamaukkracher sind hier obendrein gar nicht nötig, um auch den Erwachsenen zwei Stunden lang einmal wieder die Tür zur verzauberten Märchenwelt zu eröffnen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie auch weiter …


„Schneewittchen“ am Boulevardtheater, wieder am 12.12., 13.12., 18.12. bis 23.12. usf.

 

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