Hommage an Venedigs Meistermusiker

Hörtipp des Monats: „Concerti di Venezia“

Was verbindet Jan Vogler mit Antonio Vivaldi? Das Cello! Und was verbindet beide mit Dresden? Die Musik! So soll es beispielsweise auch Antonio Vivaldi zu verdanken sein, dass das Cello sich im 18. Jahrhundert vom Generalbass- zum Soloinstrument emanzipierte. Die Geschichte von eben jener Entwicklung des Cellos zum Melodieinstrument in Venedig erzählt Jan Vogler auf seiner neusten CD nun zusammen mit dem La Folia Barockorchester – musikalisch, versteht sich.

Im Sommer 2014 lud Vogler das renommierte Orchester im Rahmen der Musikfestspiele nach Dresden ein. In der Gläsernen Manufaktur konnte sich Publikum mit Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ dabei bereits von der Brillanz des Klangkörpers überzeugen. Auf dem Album vereinen Vogler und La Folia nun einen klug arrangierten Querschnitt der „Concerti di Venezia“ verschiedener Komponisten. Vivaldi rückt hier drei Werken in die Mitte seiner venezianischen Kollegen Benedetto Marcello (1686–1739), Antonio Caldara (1670–1736), Nicola Porpora (1686–1768) und Antonio Vandini (1690–1778).

Die Concerti D minor von Marcello und Caldara, das Concerto G major von Porpora und Vandinis Concerto D major erklingen eher selten in den Konzertsälen – und sind doch lohnende Entdeckungen der venezianischen Musiktradition. Zu Recht werden sie auf dieser CD neben Vivaldis Doppelkonzert in B-Dur, seinem Cellokonzert in b-Moll und der Instrumentalfassung der Arie „Gelido in ogni vena“ aus Vivaldis Oper „Farnace“ wieder ins Bewusstsein gerückt. Das Cellokonzert von Vandini wurde nach über 200 Jahren gar zum ersten Mal auf solch ein Silberscheibchen gebannt.

Das Cello bekommt in all den Stücken großen, klanglichen Raum. Sein geerdeter, im Vergleich zur Violine auch rauer, Klang verschmilzt in spannungsvoller Balance mit dem des Orchesters. Jan Vogler spürt mit seinem Barockbogen mit Darmsaiten dem alten venezianischen Klang des Cellos nach und bringt es tatsächlich zum Singen, ohne mit den Traditionen dieser Werke zu brechen. La Folia spielt, wie gewohnt, auf Originalinstrumenten, der italienische Geiger Guiliano Carmignola – dem Musikfestspielpublikum ebenso bekannt – bestreitet den Violinpart in Vivaldis Doppelkonzert.

So ist diese Einspielung ist eine gelungene wie hochwertige Hommage an die venezianische Musik zu Zeiten Antonio Vivaldis, deren Ruhm damals schon bis nach Dresden schwappte. Hier schließt sich auch der Kreis: In Elbflorenz, wo August der Starke einst eine Uferlandschaft nach venezianischem Vorbild konstruieren ließ, wo die Hofmusiker mit Noten aus der Lagunenstadt für Furore sorgten und wo sich bis heute die größte außeritalienische Vivaldi-Sammlung befindet, wurde die CD eingespielt – im barocken Palais im Großen Garten.


Du magst vielleicht auch

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.