Melancholie und Unsterblichkeit

Heute ist Erich Kästners 40. Todestag

Am 29. Juli jährt sich Erich Kästners Todestag zum 40. Mal. Sein Erbe in Dresden ist unverkennbar: Das Denkmal (Foto: Josefine Gottwald) sitzt auf der Mauer am Albertplatz, wo Kästner oft gehockt haben soll, als er „ein kleiner Junge war“; die ehemalige Villa von Kästners Onkel Franz Augustin beherbergt heute das Literaturbüro und das Erich Kästner Museum und ist in Dresden einer der zentralen Punkte für literarische Veranstaltungen.

Seine geliebte Stadt, in der er von 1899 bis 1919 lebte, verewigte Erich Kästner auch in seinen Büchern. Der autobiografisch geprägte Roman „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ entstand in derselben Zeit wie der beliebte „Emil und die Detektive“ und spielt ebenfalls an den Schauplätzen Berlin und Dresden. Unter dem von Kästner eigentlich vorgesehen Titel „Der Gang vor die Hunde“ erschien der Roman um den überqualifizierten Werbetexter Jakob Fabian im letzten Jahr in einer erstmals unzensierten Fassung im schweizer Atrium Verlag.

Erich Kästners bedeutendstes Werk wurde in seiner politischen Szenerie und erotischen Eskalation jahrzehntelang beschnitten und galt im Nationalsozialismus als „entartet“. In der ursprünglichen Fassung beschreibt Kästner die Gesellschaft um 1930 in kurzen Kapiteln und lädt den Leser am „Vorabend“ der Machtergreifung in Clubs und Bordelle, zu Tanzpartys und einsamen Witwen. Mit der Neuerscheinung kann wahrscheinlich jeder Leser stärker nachempfinden, was das politische Schreibverbot bedeutete – in einer Zeit, als Kästner auf den Höhepunkt seiner Karriere zusteuerte.

Seit dem Geburtstag im Februar zeigt das Erich Kästner Museum zusätzlich die Kabinettausstellung „Vom letzten Kapitel“, die sich vor dem Hintergrund des Dritten Reichs mit dem Thema „Kästner und der Tod“ befasst. Das Programm, das Geschäftsführerin Andrea O’Brien am Todestag organisiert, passt dazu gut: In den 50er Jahren veröffentlichte Kästner seinen Gedichtband um „Die 13 Monate“, der sich neben der idyllischen Natur auch mit der Vergänglichkeit der Zeit, dem Tod und der Unsterblichkeit befasst, die in dem idealisierten 13. Monat Ausdruck findet. Zum Gedenken am 29. Juli inszenieren die beiden Künstler Uta Hauthal und Derek Henderson in der Villa Augustin die Aufführung einer literarisch-musikalischen Interpretation des Gedichtzyklus. Die Vertonung durch Manfred Schmitz stammt schon von 1979 und wurde damals mit Gisela May uraufgeführt. Andrea O’Brien erklärt: „In einem Museum versucht man ja eigentlich immer, Dinge zu bewahren und unsterblich zu machen, daher passt das Werk sehr gut dazu.“

Für Sängerin Uta Hauthal hat das Thema Vergänglichkeit auch einen gesellschaftlichen Bezug: „Es ist insofern wirklich ein Zeitthema, als dass wir mit dem Tod heute nicht umgehen und versuchen, den Gedanken daran zu verdrängen. Es gibt nicht viele Menschen, die Melancholie lieben.“ Zur musikalischen Umsetzung verrät sie, dass man Schmitz‘ Chansons generell anmerkt, dass er ein Jazz-Musiker ist. Er vertont die Gedichte so, dass zwischen der Musik und den Worten eine enge Verbindung entsteht. Vergleicht Kästner beispielsweise den Monat Mai mit Mozart, wird man auch bei dem Lied dazu irgendwie an klassische Musik erinnert. Nach der Premiere planen die Künstler noch mehrere Aufführungen des Zyklus. Uta Hauthal ist von der Musik und Kästners Worten begeistert: „Das Werk ist einfach viel zu schön, um es nicht ständig zu singen!“

Die Premiere des musikalischen Programms „13 Monate“ findet am 29. Juli, 19 Uhr im Erich Kästner Museum statt. Um Voranmeldung wird gebeten.

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