Figaros Hochzeit im futuristischen Ufo

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„Die Hochzeit des Figaro“ an den Landesbühnen

Ein bisschen Eifersucht, viel Leidenschaft und eine Prise Aufmüpf sind das Geheimrezept, mit dem Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ (1786) das Publikum bis heute in ihren Bann zieht. Die Geschichte vom gräflichen Diener Figaro, der seine Susanna heiraten will, auf die wiederum auch Graf Almaviva ein zwinkerndes Auge geworfen hat, erobert in einer optisch unkonventionellen Inszenierung von Anja Sündermann nun auch die Landesbühnen Sachsen.

Sündermann bewegt sich inhaltlich nah am Original der Oper, die damals die erste von drei gemeinsamen Arbeiten Mozarts mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte war. Sie versetzt die Handlung auf der Bühne in einen von Ausstatterin Olga von Wahl geschaffenen, futuristischen und sehr technisch anmutenden Glitzerraum, der im Wesentlichen aus einer großen Metallwelle und einem liebesroten, ufoartigen Ring besteht, mit dem der Graf – hier Herr über die Fernsteuerung – Susanna einfangen möchte.

Diese ist, wie auch die anderen Figuren im Spiel, von Emotionen und Leidenschaften getrieben, hin und hergerissen zwischen dem mächtigen, erfahrenen Grafen und ihrem lässigen Jungspund Figaro. Miriam Sabba (Foto: PR/Robert Jentzsch) verleiht ihrer Susanna dabei wahrhaft kämpferische Züge und meistert die Partie, die der größte Gesangspart in der Oper überhaupt ist, souverän und vielgestaltig. Die Inszenierung stellt ihr zudem noch zwei weitere Bräute zur Seite. Denn auch Marcellina, die ebenfalls gern mit Figaro verheiratet werden möchte, wird hier von Silke Richter in silbernen Stiefeln und mit weißer Korsage als mondänes Vollweib im Brautkleid gezeigt.

Die dritte Braut im Bunde ist schließlich die Gräfin. Stephanie Krone singt diese Partie so wunderbar gefühlvoll und berührend, dass man ihr den Kampf der langjährigen Ehefrau um ihren Gatten gern abnimmt. Doch auch sie ist gegen die Verführung des Fremden nicht ganz immun. Vor allem der lebenslustige Page Cherubino hat es ihr angetan. In der beliebten Hosenrolle gehört Patrizia Häusermann gewiss zu den großen Stimmen des Abends. Sie ist der sorglose Fixpunkt der Inszenierung, springt selbst in Stöckelschuhen unbeschwert über die Bühne und lässt sich von keiner Regel fangen.

Obwohl die Herren – allen voran Kazuhisa Kurumada als Graf und Paul G. Song als Figaro – sowohl musikalisch als auch darstellerisch keine Wünsche offen lassen, scheint die Bühne hier eher den Damen zu gehören. Sie treiben das Spiel an, kontern die Intrigen des Grafen und Figaros schließlich mit ihrer eigenen und sind auch optisch irgendwie stets im Fokus. Hinzu kommt ein mit lustigen Kappen begleiteter Chor, der wie ein Spähtrupp des Grafen immer dann beobachtend zur Stelle ist, wenn der Hausherr mal nicht an seinem blinkenden Steuerrad steht.

Überhaupt bietet die mit vielen neckischen Ideen garnierte Inszenierung jede Menge zum Schauen. Das sonst häufig im „Figaro“ gezeigte Türengeklapper – zum Zimmer rein, zum Zimmer raus, ins Versteck und wieder zurück – wird hier durch einen aufgeweckten allgemeinen Trubel ersetzt, der nicht nur Kurzweil, sondern bisweilen auch viel Komik erzeugt. Einziges Manko des quirligen Spiels: Der eine oder andere Handlungsfaden kann dem Zuschauer in diesem bunten Treiben schon mal verloren gehen.

Doch das ist im Strudel der Aufführung schnell wieder vergessen. Gelungen ist diese auch deswegen, weil die langen Rezitative der Oper im Vorfeld massiv gekürzt wurden. Der musikalische Leiter Jan Michael Horstmann hat dazu flüssige Anschlüsse gefunden und führt die Elbland Philharmonie Sachsen sowie das Ensemble am Premierenabend werkgetreu durch die Oper. Musik und Bühne gehen dabei trotz des ungewöhnlichen Bildaufbaus erstaunlich gut Hand in Hand, sodass dieser „Figaro“ als pfiffige und lebhafte Interpretation in bester Erinnerung bleibt.

Nicole Czerwinka

Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ an den Landesbühnen Sachsen, wieder am 18.10., 17.11. und 29.11. im Stammhaus Radebeul

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Mörderjagd auf Erich Kästners Spuren

Herbstauslese: „Weltverloren“

Herbstzeit ist auch Lesezeit. Unter dem Motto „Herbstauslese“ startet auf elbmargarita.de eine neue Serie, in der wir ausgewählte Romane und Erzählungen rezensieren, die in Dresden spielen. Heute: Beate Baum: „Weltverloren“

Dresden ist gemeinhin als Kunst- und Kulturstadt bekannt. Die Autorin Beate Baum hat Elbflorenz mit ihren Büchern jedoch auch zur Krimistadt erkoren. „Weltverloren“ (2010) heißt der sechste Teil ihrer Reihe um die Journalistin Kirsten Bertram – es ist bereits der fünfte Band, der in Dresden spielt. Nach einer Fehlgeburt wacht die Hauptfigur im Krankenhaus auf und lernt dort ein junges, etwas seltsames Mädchen namens Ännchen kennen. Wie sich herausstellt, ist Ännchen eine Nachfahrin des Dresdner Autors Erich Kästner, die allerdings erstaunlich wenig über den Schriftsteller und sein Leben weiß.

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Zeitgenössisches aus Polen und Tschechien

Valentina Marcenaro in ihrem Büro. Sie ist die neue Festival-Lei

17. Jüdische Musik- und Theaterwoche

Inmitten des herbstlichen Blätterrauschens lädt die Jüdische Musik- und Theaterwoche in Dresden alljährlich zum kulturübergreifenden Kunstgenuss ein. Einst als jiddische Woche ins Leben gerufen, haben sich Organisatoren und Gastgeberinstitutionen inzwischen als Verein formiert und holen vom 13. bis zum 27. Oktober bereits in der 17. Auflage wieder jüdische Künstler in die Stadt. Erstmals hat die Woche – eigentlich sind es ja zwei – mit Valentina Marcenaro (Foto: PR/Amac Garbe) dieses Jahr eine waschechte Jüdin als Festivalleiterin bekommen – und wird unter dem Motto „Nachbarn im Osten“ mitten in Dresden ein Stück jüdische Kultur aus Tschechien und Polen präsentieren.

„Es soll um zeitgenössische Sichtweisen der Künstler auf ihre Kultur gehen“, erzählt Valentina Marcenaro. Das Spektrum der insgesamt 35 Veranstaltungen in diesen 14 Tagen reicht von Lesungen, über Konzerte, Filme, Theater, Ausstellungen bis hin zu Vorträgen, Gesprächen und Habräischkursen. Erstmals wird es in diesem Jahr eine Nacht der Synagoge geben (19. Oktober), sie wird von der Jüdischen Gemeinde Dresden gestaltet und stellt verschiedene Themenorte in der Synagoge vor.

Eine Neuauflage erfährt auch die Jüdische Ballnacht (18. Oktober), die im Jahr 2010 mit rund 120 Besuchern im Gemeindesaal der Synagoge erfolgreich Premiere feierte. Dieses Mal wird im Hygienemuseum getanzt, wo die Besucher unter Anleitung typisch jiddische (Volks-)Tänze zelebrieren können. „Das hat nichts mit einem steifen Ballabend in Abendkleid und Smoking gemein, sondern ist eher eine lockere Atmosphäre, wo alle gemeinsam tanzen“, sagt Marcenaro.

Doch auch Film- und Theaterfans kommen beim Festival auf ihre Kosten. Ein Höhepunkt wird sicher die Deutschlandpremiere „Ein Stück über Mutter- und Vaterland“ in einer Inszenierung des polnischen Regisseurs Jan Klata am Staatsschauspiel Dresden (24. Oktober) sein. Klata, der  den Dresdnern bereits durch seine deutsch-polnische Version von Shakespeares „Titus Andronicus“ bekannt sein dürfte, die fast genau ein Jahr zuvor am Kleinen Haus Premiere feierte, habe dieses Stück selbst für das Festival ausgesucht.

Ein ebenfalls spannender Import aus Polen ist der Film „Pok?osie – Nachlese“ von W?adys?aw Pasikowski aus dem Jahr 2012 (14. Oktober), der heftige Diskussionen im Heimatland entfesselte. Regisseur Pasikowski rüttelt in seinem Werk am Selbstverständnis der Polen, in dem er sie nicht als Kriegsopfer, sondern als Komplizen des Judenmords während der Naziherrschaft zeigt. Der Abend im Thalia wird mit einer Gesprächsrunde zum Thema ausklingen.

Eher historisch ausgerichtet sind auch zwei tschechische Beiträge zum Festival. Ein Schülerprojekt aus Tschechien wird dabei zum Dreh- und Angelpunkt einer Ausstellung im Stadtmuseum, die dort noch bis zum 27. Oktober unter dem Titel „Verschwundene Nachbarn“ zu sehen ist. Sie ist Bestandteil eines langfristigen Bildungsprojektes vom Jüdischen Museum in Prag, wo Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren nach Nachbarn vergangener Generationen forschen, die aufgrund der Nürnberger Rassengesetze einst „verschwunden“ sind.

In Zusammenarbeit mit dem Mitteleuropazentrum der TU Dresden spürt eine Projektgruppe aus Theresienstadt zudem Erinnerungsorte in Dresden und Theresienstadt auf, um daraus eine „Landschaft des Gedenkens“ zu entwerfen. Das grenzübergreifende Projekt will im Rahmen des europäischen Ziel3-Programms bis Mitte 2014 eine multimediale Präsentation zum Thema erstellen: Ein 3D-Modell zur „Landschaft der Gedenkens“ wird die Erinnerungsgeographie der böhmisch-sächsischen Grenzregion im ‚Dritten Reich‘ bis dahin virtuell repräsentieren. Das Projekt wird am 14. Oktober, um 17 Uhr im Museumscafé des Stadtmuseums Dresden vorgestellt.

Über Polen und Tschechien hinaus hat Valentina Marcenaro in diesem Jahr auch die Festivalsäule des „Israelischen Kulturfensters“ präzisiert. „Das Festival hat immer schon Künstler aus Israel eingeladen. Die israelische Kulturlandschaft ist sehr interessant, aber israelisch ist nicht gleich jüdisch“, erklärt sie den Hintergrund – und empfiehlt das israelische Acco Theatre Centre, das im Societaetstheater mit „Um Muhamad“ (16. Oktober) aufspielt, einem Stück, in dem eine jüdische und eine muslimische Israelin über ganz ähnliche Verluste im Leben ins Gespräch kommen.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.juedische-woche-dresden.de

! Achtung Freikartenverlosung: Elbmargarita verlost je zwei Freikarten für das Klezmafour-Konzert (PL) am 17.10. (21.30 Uhr) in der Scheune und das Konzert „Yiddish Evergreens“ mit Sharon Brauner (D) am 19. 10. (22 Uhr) im Jüdischen Gemeindezentrum. Einfach bis zum 15. Oktober eine E-Mail mit dem Stichwort „Elbmargarita“ an presse(at)juedische-woche-dresden.de senden und gewünschtes Konzert sowie den Namen mit angeben. Viel Glück!

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Im Bann der Sinnlichkeit

„Emilia Galotti“ am Staatsschauspiel Dresden

„Verführung ist die wahre Gewalt“, sagt „Emilia Galotti“ in Gotthold Ephraim Lessings gleichnamigem Trauerspiel (1772). Und auch Sandra Strunz verführt mit ihrer Inszenierung des Klassikers, die am Sonnabend (5.10.) im Schauspielhaus Dresden Premiere feierte, die Besucher. Strunz lässt das Stück zu einem sinnlichen, bildstarken Theatererlebnis werden, transportiert den Stoff um Macht, Gewalt, Verführung und Freiheit geschickt auf eine moderne Bühne, ohne dass die Vorlage Schaden nimmt.

Allein die Kulisse (Volker Hintermeier) ist betörend, geheimnisvoll und faszinierend zugleich. Ein großes Metallgerüst erfüllt die Bühne. Türen aus verspiegeltem Glas schwanken auf und wieder zu, werden zum Spiegel, Schaufenster oder tiefem Schlossraum. Das Licht ist mal dämmrig, mal gleißend metallisch. Anfangs können sich die Zuschauer noch selbst im Spiegel sehen, später werden sie von diesem Bühnenbild förmlich hineingezogen in das verhängnisvolle Machtspiel des Prinzen.

Zunächst jedoch betritt Lea Ruckpaul als Emilia die Bühne. Zerbrechlich, fast wie eine Porzellanpuppe wirkt sie am Anfang, entwickelt sich jedoch bald hin zu einem ungestümen Teenager, der dem Werben des Prinzen am liebsten sofort verfallen würde, sich aber dann für ihren Verlobten Appiani (Christian Clauß) entscheidet. Der Prinz jedoch möchte die junge Emilia unbedingt für sich gewinnen und arrangiert mit seinem Kammerherrn Marinelli – Ben Daniel Jöhnk gibt ihn als schleimigen Gehilfen im Ganzkörperanzug – einen Überfall auf die Hochzeitskutsche, um Emilia zu entführen.

Sebastian Wendelin ist ein selbstgefälliger Prinz, eine Art aalglatter und skrupelloser Seelenfänger. Der musikalisch inszenierte Schrei diverser Frauen auf seinem Schoss gehört zu den einprägsamen Momenten der Inszenierung. Rainer Süßmilch hat eine rauschhafte Musik geschaffen, die das Spiel auch an dieser Stelle stimmungsvoll würzt, wobei Luisa Mühl am Schlagzeug gelungene Akzente setzt. Die Spiegelfenstertüren geben nun einen diffusen Blick auf den hinteren Teil der Bühne frei, dort findet eine Art Maskenball statt, tanzen und räkeln sich puppenhafte Frauen mit Federbüschen und langen, transparenten Röcken. In ihrer Mitte der Prinz, in blauem Hemd und einer merkwürdigen, aus schwarzem Spitzenstoff gefertigten Hose (Kostüm: Daniela Selig). „Kann sein, ich habe euch wirklich geliebt“, lamentiert er, doch nun ist Emilia das Objekt seiner Begierde.

Sie scheint sich dem prunkvollen Rausch auf diesem glänzenden Schloss schnell zu ergeben, lässt sich vom Prinzen ihr Hochzeitskleid nehmen und den nackten Körper mit goldener Farbe einpinseln. Anders ist da die Gräfin Orsina (Karina Plachetka) gestrickt, die bisherige Geliebte des Prinzen. Nur sie kann seinen tentakelhaften Anziehungskräften offenbar entfliehen, während Emilia und selbst ihre Eltern machtlos bleiben. Tom Quaas und Christine Hoppe nimmt man das besorgte, auf den Ruf und das Wohl der Tochter bedachte Elternpaar gern ab. Hoppe ist dabei eher die selbstverlorene Lady, während Quaas als polternder, aufbrausender, am Ende aber doch hilfloser Vater auftritt.

In den letzten Szenen ähnelt das Schloss dann plötzlich einer Art Fotomodell-Schmiede, die Spiegel werden kurzzeitig zu Schaufenstern, in denen sich eine eigentlich tote bunte Welt bewegt, gruselig und faszinierend zugleich. Und Lea Ruckpauls Emilia ist jetzt nicht mehr zerbrechlich oder ungestüm, sondern eher verzweifelt. Hin und hergerissen zwischen der Verführungskunst des Prinzen und dem Kampf um Freiheit bittet sie ihren Vater – und hier wird es richtig berührend –, ihr das Leben zu nehmen.

Nach gut zwei Stunden senkt sich der Vorhang über dem tausendfach inszenierten Trauerspiel. Bei aller Sinnesverführung durch die Bühnenspiegelbilder bleibt nach dem aus heutiger Sicht völlig unverständlichen Ende dennoch ein verblüfftes Fragezeichen: Warum tötet ein Vater seine Tochter? Gerade darin liegt aber vielleicht die Stärke dieser Inszenierung, dass sie Andeutungen gibt, die Raum für (auch heutige) Interpretationen lassen, jedoch niemals so konkret wird, dass Lessings Text leidet.

Lessings „Emilia Galotti“ am Schauspielhaus Dresden, wieder am 07.10., 16.10., 14.11., 26.11., 28.12., 08.01. und 15.01., jeweils 19.30 Uhr

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Verführerischer Zigeunertanz

Bizets „Carmen“ erobert die Semperoper

„Die Liebe ist ein wilder Vogel“, singt „Carmen“ in der gleichnamigen Oper (1875) von Georges Bizet und meint damit wohl vor allem sich selbst. Wild und freiheitsliebend ist diese Carmen, die zwei Männer liebt, dabei aber auch ein Inbegriff des Weiblichen ist – verführerisch, leidenschaftlich, emotional, sexy  und durchtrieben. Bizets Werk, das heute zu den am häufigsten aufgeführten Opern des internationalen Repertoires gehört und dessen Melodien jedem irgendwie bekannt sind, erobert nun in einer Inszenierung von Axel Köhler als Neuproduktion (Premiere am 28.9.) die Bühne der Dresdner Semperoper.

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Opernspaß mit der Nanny und Steve Urkel

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Szene12 inszeniert „Così fan tutte“ im Labortheater

Theaterregisseure sind oft bescheidene Menschen. So nahm Toni Burghard Friedrich den tosenden Schlussapplaus für seine Inszenierung von Mozarts „Così fan tutte – oder die Schule der Liebenden“ im Labortheater am Donnerstag (26.9.) auch mit einem stillen, zufriedenen Nicken entgegen. Verdient hat er ihn allemal, denn der Regiestudent aus Wien hat mit dem jungen, durchweg studentischen Ensemble des Dresdner Vereins szene12 in diesem Jahr eine so ungewöhnliche wie beachtliche Aufführung des bekannten Repertoirestücks auf die Beine gestellt.

Das Verwechslungsspiel um den kreuzweisen Pärchentreuetest in Mozarts dritter und letzter Oper, die er zusammen mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte realisierte, wird in Friedrichs Inszenierung als moderner Sitcom-Dreh verpackt. Don Alfonso (Steven Klose) ist hier der Regisseur am Filmset, seine Verbündete Despina (Marie Hänsel) steht ihm als Assistentin zur Seite. Die vier Hauptpersonen Fiordiligi (Johanna Will), Dorabella (Christiane Johanna Gänßler), Ferrando (Sie Hun Park) und Guglielmo (Meinhardt Möbius) treten schließlich als paarweise verbandelte Sitcom-Schauspieler auf, die stets zwischen Bühne und Hinterbühne auf- und abgehen.

Leonore Pilz und Dennis Ennen von der Dresdner Hochschule für Bildende Künste haben für diesen pfiffigen Stückzugang eine typische Sitcom-Kulisse im Wohnzimmerstil (Foto: PR/René Fußhöller) entworfen, in der das Spiel im Spiel stattfindet. Eine Videoleinwand zeigt zudem den Bereich hinter der Bühne. Hier streiten, pausieren und lachen die als Sitcom-Stars auftretenden Hauptcharaktere – vorn müssen sie den Partnertausch glaubhaft vorgaukeln, hinten wissen sie, wer sich hinter der Maskerade verbirgt. Die eigentliche Oper wird so auf geschickte Weise noch um eine Ebene erweitert, die den zumeist unkritischen TV-Konsum der Fernsehzuschauer hinterfragt.

Was hier vielleicht kompliziert klingt, verblüfft auf der Bühne als ungewöhnlich leichtfüßige und spritzige Opernvorstellung, der in Anbetracht von knapp fünf Wochen Probenzeit, die alle Beteiligten neben dem Studium stemmen mussten, höchster Respekt gebührt. Die jungen Darsteller überzeugen sowohl mit ihrer Spielfreude als auch gesanglich, wobei die Partitur des Stückes gerade für junge Stimmen eine große Herausforderung ist. Unter der musikalischen Leitung von Michael Blessing, der passend zum Stück ein reines Frauenorchester dirigiert, gedeiht der Abend zu einem soliden musikalischen Singspielerlebnis.

In Anlehnung an amerikanische Fernsehsitcoms stöckeln und stolpern hier auch einige vom Bildschirm bekannte Typen übers Parkett. So trägt Marie Hänsel als Despina ganz eindeutig Züge der „Nanny“, Guglielmo verwandelt sich dank Verkleidung plötzlich in den „Prinz von Bel Air“ und Ferrando ähnelt verblüffend komisch dem Tollplatsch Steve Urkel aus „Alle unter einem Dach“. Für Lacher sorgt auch immer wieder der von Leonore Pilz zusammengestellte Film-Vorspann zur Sitcom „School of Lovers“, die hier im Gewand von Mozarts Oper gezeigt wird.

So spielt die Inszenierung mit typischen Formen, Abläufen und Charakteren der amerikanischen Fernsehsitcom, doch geschieht dies alles, ohne dass es aufgesetzt oder penetrant wirken würde. Ungeachtet des lockeren Showcharakters bleibt die Oper immer Oper, in der Musik und Handlung wirkungsvoll Hand in Hand gehen. Und dennoch sind die gut zwei Stunden junger Kunst im Laborthater so kurzweilig, dass man am liebsten sitzen bleiben und weiter diesem opernhaften Fernsehspiel (oder war’s umgekehrt?) zuschauen möchte. Als am Ende dann doch die Lichter ausgehen, der Fernseher quasi abgeschaltet ist, kann man dem jungen Projekt für die fünf Vorstellungen in dieser Woche nur noch viele, viele Zuschauer wünschen …

Nicole Czerwinka

Szene12 spielt „Così fan tutte“ im Labortheater, wieder am 28./30.9., 2.10., je 20.15 Uhr, am 3.10., 16 Uhr und am 5.10., 20.15 Uhr

Linktipp: www.szene12.de

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Altenglisches Geburtstagsständchen

King Arthur, Staatsschauspiel Dresden
Tilmann Köhler schenkt dem Dresdner Staatsschauspiel zum 100. ein buntes Stück von Purcell (Foto: PR/David Baltzer).

Staatsschauspiel feiert mit „King Arthur“ Jubiläum

Ausgerechnet mit einem pompösen, barocken Herrscherlob feiert sich das Dresdner Staatsschauspiel zur 100. Spielzeit selbst. Die Semiopera „King Arthur“ von John Dryden und Henry Purcell ward 1691 zur Legitimierung der englischen Monarchie uraufgeführt und soll den Dresdnern anno 2013 wohl zeigen, was sie an ihrem Theater haben. Wie sonst sollte man den Prolog zu diesem Stück verstehen, das nicht ganz Oper, aber auch nicht ganz Schauspiel – insofern also weder Fisch noch Fleisch – ist? Die Engstirnigkeit der Dresdner wird da mal wieder gescholten. Das Theater als Spiegel der Gesellschaft gelobt. Wo Armin Petras hier in den Originaltext Drydens eingriff, ist schnell klar.

Auf der Bühne des Großen Hauses zeigen nun beide Staatstheater, Oper und Schauspielhaus, in Kooperation, was die Dresdner an ihnen haben. Gemeinsam erzählen Schauspieler und Sänger unterstützt vom Orchester Collegium 1704 hier die Geschichte König Arthurs von England, der sein Territorium vor dem Sachsen Oswald, König von Kent, verteidigen muss. Regisseur Tilmann Köhler inszeniert dieses überbordende Werk aus einer längst vergangenen Zeit ganz ohne Pathos, aber mit einem kräftigen Ausgenzwinkern. Nicht die angelsächsische Völkerschlacht von damals, sondern vielmehr der ewig männliche Kampf um die Frauengunst rückt bei ihm in den Fokus. Denn Objekt der Begierde beider Könige ist neben dem englischen Territorium auch die schöne, blinde Emmeline.

Als Kriegs- und Märchenschauplatz hat Karoly Risz die schräge Dreiecksbühne mit zahlreichen gold-orangen Stoffbahnen ausgestattet, die variabel als Baumstämme, Fessel oder Opferbank dienen. Quer herabhängende Metalllatten kommen ab und an als Wolkenwand danieder. Das Licht (Michael Gööck) besorgt den Rest. Mit einem verheißungsvollen Siegesschrei des Ensembles im modernen Ritterkostüm (Susanne Uhl) entfaltet sich sogleich der Zauber dieses Schauspiel-Opern-Konglomerats, in dem es an Geistern, Nymphen und Gottheiten im barocken Übermaß natürlich nicht fehlen darf. Das schönste dieser Fabelwesen ist der leichtfüßig über die Bühne flitzende Luftgeist Philidel, den Sonja Beißwenger im blauen Ballonkleid ganz sympathisch unbefangen gibt und so zum I-Punkt der Inszenierung macht. Vor dem bösen Zauberer Osmond geflohen, hat Philidel sich auf Arthurs Seite geschlagen und verhilft dem Engländer (vorerst) zum Sieg über die Sachsen.

Kaum dass die Briten diesen feiern, raubt Oswald ihnen jedoch Emmeline. Yohanna Schwertfeger, in dieser Spielzeit ganz frisch am Staatsschauspiel engagiert, mimt die junge Blinde zunächst noch kindlich naiv, entwickelt sie später zu einem frechen Mädchen mit spitzbübischen Zügen, der ihre Unerfahrenheit und Unbekümmertheit nach wie vor ins Gesicht geschrieben steht. Nun ist es an Arthur, seine Geliebte zurückzuerobern, zumal auch der böse Zauberer Osmond, dem Benjamin Pauquet mit hässlichem Dickbauch affenhafte Züge verleiht, schon auf sie aufmerksam wird.

Doch König Arthur gelingt es, selbst den mächtigsten Zaubern Osmonds zu trotzen und Emmeline aus dessen Zwängen zu befreien. Matthias Reichwald ist ein smarter, taktisch kämpfender und kluger König Arthur, dem man seine Überlegenheit gegenüber Oswald in dieser Inszenierung deutlich ansieht. Als es schließlich zum alles entscheidenden Zweikampf zwischen Arthur und Oswald kommt, scheint das Ende eigentlich sicher. Christian Erdmann zeigt Oswald als gebeutelten, scheinbar ziel-, ja fast hilflosen Gegenspieler, der ob des plötzlichen (im Original so nicht vorgesehenen) Siegs der Sachsen schließlich eher perplex aus der Wäsche schaut.

Am Ende wird es denn noch einmal richtig komödiantisch: Wenn dieser verwirrte Oswald zusammen mit der verblüfften Emmeline winkend auf der Bühne steht und sich von hinten eine nackte, blonde Venus (Nadja Mchantaf) nähert, der beide kaum widerstehen können, hagelt es Lacher aus dem Publikum. Dem Schlussakkord folgt der – ebenfalls von Armin Petras überarbeitete – Epilog, nicht minder ironisch-selbstbezogen und sozusagen als finaler Geburtstagsgruß des Hauses an sich selbst.

Was nach dem letzten Vorhang haften bleibt, ist die erfrischende Version einer alten Herrscherkamelle, deren barockes Handlungsgemenge sich in dieser Inszenierung überraschend gut verdauen lässt. Einige Längen, besonders im ersten Teil, sind wohl vor allem der Gattung der Semiopera geschuldet, dank des sonst hervorragenden Zusammenspiels von Schauspiel und Musik (musik. Leitung: Felice Venanzoni) jedoch schnell vergessen.

Schauspielhaus Dresden, „King Arthur“, wieder am 29.9., 19 Uhr, 14.10., 17.10., 30.10., 01.11., 07.11., 07.12., 19.30 Uhr

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DDR-Untergang als Dresden-Saga

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Herbstauslese: „Der Turm“

Herbstzeit ist auch Lesezeit. Unter dem Motto „Herbstauslese“ startet auf elbmargarita.de eine neue Serie, in der wir ausgewählte Romane und Erzählungen rezensieren, die in Dresden spielen. Heute: Uwe Tellkamp: „Der Turm“

Viel ist über Uwe Tellkamps Dresden-Roman „Der Turm“ (2008) schon gesagt und geschrieben wurden. Schließlich erhielt der 1968 in Dresden geborene Autor für sein knapp 1000 Seiten umfassendes Werk über die Wende den Deutschen Buchpreis sowie den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Herbst 2010 eroberte eine Theaterfassung (von Jens Groß und Armin Petras) des Romans die Bühne des Dresdner Schauspielhauses, bevor im vergangenen Jahr die zweiteilige Romanverfilmung in der Regie von Christian Schwochow erstmals über die Fernsehbildschirme flimmerte – und noch einmal rund 7,5 Millionen Zuschauer erreichte.

Im Mittelpunkt der als Familiensaga entworfenen Handlung steht die Figur des Christian Hoffmann, aufgewachsen in einem engen Zirkel von Bildungsbürgern in einer verfallenen Villa auf dem Weißen Hirsch – im Roman das „Turmviertel“. Sein Vater, Richard Hoffmann, ist Chirurg an der Medizinischen Akademie Dresden mit geheimen Doppelleben. Der Onkel, Meno Rohde, arbeitet als Lektor in einem renommierten Verlag und prägt das Geistesleben des jungen Protagonisten sehr. Zugespitzt auf diese drei Personen und deren Umfeld erzählt Tellkamp die letzten sieben Jahre der DDR und stellt die Deutsche Wende so inmitten dieser besonderen Dresdner „Turmgesellschaft“ dar.

Den teils ausschweifenden, jedoch nicht bloß idyllischen, Dresden-Beschreibungen sind im Roman die schweren, düsteren Jahre Christian Hoffmanns bei der Nationalen Volksarmee gegenübergestellt. Nach dem Unfalltod eines Kameraden handelt sich Christian durch Äußerungen gegenüber seinen Vorgesetzten einen Aufenthalt im Militärgefängnis Schwedt ein. So entwirft Tellkamp mit seinem Roman nicht nur ein detailliertes Wende-Panorama anhand dieser Familiengeschichte, sondern mythifiziert gleichzeitig den Weißen Hirsch als nahezu geheimen Ort, der alte Werte für eine neue Zeit bewahrt.

Voller Motive, Anspielungen und immer wieder von den verschlungenen Tagebuchaufzeichnungen des Meno Rohde unterbrochen, gehört „Der Turm“ zwar zweifelsohne zu den wenigen großen Dresden-Romanen der Literaturgeschichte, fordert seinen Leser allerdings mit ausschweifenden Beschreibungen, einer Vielzahl von Handlungssträngen und einer zum Ende hin immer rasanteren Erzählweise, die teils in surrealistisch anmutende Szenen mündet, auch arg heraus. So verwundert es wohl kaum, dass viele Dresdner dieses Werk zwar im Bücherregal stehen, es jedoch niemals bis zum Ende durchgelesen haben – und lieber auf Theateraufführungen oder Filme zurückgreifen, obwohl doch gerade der Dresden-Komplex sowohl auf der Bühne als auch im Film stets zu kurz kam.

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Oase der Ruhe im Neustadtdschungel

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Café OSWALDZ vereint Köstliches und Kunst

Kunst, Kaffee und Kommunikation gingen in den großen Kaffeehäusern der Welt seit jeher Hand in Hand. Die Symbiose aus köstlich duftendem Kaffee, zeitgenössischer Kunst und Konversationen im gepflegten Ambiente gehört auch zum Konzept des Café Oswaldz auf der Bautzner Straße 9, das am Freitag (20.9.) Eröffnung feierte.

Die Betreiber Petra van de Loo und Kai Lässig haben mit dem kleinen Café am Rande der Dresdner Neustadt einen lang gehegten Traum wahr gemacht und eine Oase der Ruhe in direkter Nachbarschaft des hektischen Albertplatz geschaffen. Mit der Kunstkennerin Elly Brose-Eiermann (Foto: N. Czerwinka) haben sie zudem eine Partnerin gefunden, die den Duft von köstlichen Kaffeespezialitäten im Oswaldz mit ausgewählten Werken der zeitgenössischen Kunst gekonnt zu ergänzen weiß.

Mit einer vierteljährlich wechselnden Ausstellungsreihe wird sie den Gästen regelmäßig andere Werke der zeitgenössischen Kunst präsentieren und dem ersten Kunstcafé der Stadt somit auch eine Art Galeriecharakter verleihen. Zur Eröffnung hatte Brose-Eiermann die in Berlin lebende Malerin Sophia Schama und den tschechischen Videokünstler Pavel Mrkus nach Dresden geladen.

Sophia Schama, die in Sophia/Bulgarien geboren, in Syrien aufgewachsen ist und an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste studiert hat, stellt derzeit ihr imposantes Ölgemälde „Urban Jungle“ (2008) im Oswaldz aus. Pavel Mrkus zeigte zur Eröffnung an der Wand gegenüber dem Tresen eine vielseitige Live-Video-Performance.

Auch für die nächsten Ausstellungen habe Elly Brose-Eiermann schon einige passende Kunstwerke im Blick. „Ich könnte mir an der Wand auch etwas Skulpturales gut vorstellen“, sagte sie zur Eröffnung. Dabei sei es ihr Bestreben nicht nur Dresdner, sondern auch internationale Künstler in dem Café zu würdigen. „Nicht jeder Künstler ist bereit, in einem Café auszustellen, aber diejenigen, mit denen ich zusammenarbeite, haben großes Vertrauen zu mir“, so Brose-Eiermann, die in Dresden ein Büro für Kunst leitet.

Nicole Czerwinka

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Verträumtes Villenviertel

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Hirschspaziergänge …

Zwischen Romanschauplatz und Großbaustelle, von Lahmanns Erben bis hin zu den schnuckeligen Villen rund um die Standseilbahn gibt es auf dem Weißen Hirsch für Bummler und deren Kameraobjektive zu jeder Jahreszeit etwas zu entdecken. Sogar an vernieselten Herbstsonntagen …

Fotos: Nicole Czerwinka

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