Ausflugstipp: Schloss Seifersdorf bei Radeberg
Goethe war schon hier, Schiller, E.T.A. Hoffmann und viele mehr. Schloss Seifersdorf bei Radeberg hat viele Geschichten zu erzählen. Der Dresdner Hofkomponist Johann Gottlieb Naumann komponierte Lieder für die Hausherrin, der Dichter Zacharias Werner (1768-1823) widmete ihr ein Gedicht und Maler wie Caspar David Friedrich und Ludwig Richter ließen sich von der Landschaft inspirieren. Auch Bier wurde in Seifersdorf schon gebraut, lange bevor 1872 im benachbarten Radeberg die Königliche Exportbierbrauerei in den Dienst ging.

Im Jahr 1530 von der Familie von Haugwitz errichtet, wurde das Schloss von 1818 bis 1822 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel im Stil der Neogotik umgebaut. Die markante, beinahe exotisch wirkende Fassade ist seitdem geblieben. Und auch innen soll das Schloss noch gut erhalten sein. Seit 2023 wird das Ensemble aufwendig saniert, ein rühriger Förderverein kümmert sich darum, das Schloss wieder zu einem kulturellen Anziehungspunkt zu machen. Auch wenn die Bagger noch im Hof stehen, das Hauptgebäude von Bauzäunen umgeben ist, finden im Park regelmäßig Veranstaltungen statt.

Doch nicht nur deretwegen ist der Ausflug nach Seifersdorf die Reise wert. Im Schatten der hohen Bäume im Park, hinter den dicken Mauern der Schinkel-Fassade offenbart sich auch ein Stück Sächsisch-Preußische Kulturgeschichte. Im 18. Jahrhundert gehörte das Schloss zum Grundbesitz des Sächsischen Premierministers Heinrich Graf von Brühl (1700-1763). Jenem Politiker, dessen berühmt berüchtigter Verschwendungssucht Dresden auch die Brühlsche Terrasse verdankt. Insgesamt 18 Anwesen Brühls zählt das Sächsische Schlösserland, darunter auch Palais und Garten in der Dresdner Friedrichstadt und Gut Pesterwitz.

Schloss Seifersdorf vererbte er seinem Sohn Hanns Moritz Graf von Brühl, der gemeinsam mit seiner Frau Christina und Sohn Carl im Herrenhaus auf dem Rittergut lebte. Das Ehepaar lud das Weimarer Who’sWho, darunter Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel, Johann Gottfried Herder und Johann Wolfgang von Goethe nach Seifersdorf. Der Dresdner Hofkomponist Johann Gottlieb Naumann gehörte ebenfalls zum Freundeskreis. Er weilte oft auf dem Schloss, wo er zusammen mit den Hausherren musizierte. Für die Konfirmation des Sohnes Carl Graf von Brühl komponierte er 1790 das Werk „Heilig“, das in der Seifersdorfer Kirche erklang und bei dem er selbst mitwirkte.

Kein Wunder, dass Carl Graf von Brühl später Intendant der Königlichen Theater zu Berlin wurde, wo er auch den Architekten Schinkel kennenlernte. Schinkel kam also 1817 nach Seifersdorf. Genau wie Carl Maria von Weber, dessen „Freischütz“ 1821 im frisch wiedereröffneten Schauspielhaus (dem heutigen Konzerthaus) in Berlin uraufgeführt wurde. Dieses war nach einem Brand ebenfalls nach den Plänen von Schinkel neu errichtet worden. Für die Eröffnung des Schauspielhauses konnte Graf von Brühl Goethe überzeugen einen Prolog zu schreiben. Er unterhielt bis zu Goethes Tod einen Briefwechsel mit dem Dichter.

Karl von Brühl-Renard, der Ururenkel von Heinrich Graf von Brühl, war der letzte Graf in Seifersdorf. Er und seine Frau Else gelten als Mitbegründer des späteren Epilepsiezentrums Kleinwachau. Seine zweite Ehefrau Agnes von Brühl wurde nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet. Sie musste das Schloss verlassen und starb 1952 verarmt in Radebeul. Das Schloss wurde in der Zwischenzeit als Gemeindeamt, Schule und Kindergarten genutzt, 2012 ließ die Gemeinde den großen Saal aufwendig sanieren. Seit 2024 wird das Schloss umfangreich saniert. Die Eröffnung ist für 2026 geplant.