Moderne Märchenträume

Rodgers & Hammersteins CINDERELLA an der Staatsoperette

Wenn Kürbisse sich in Kutschen, Mäuse in weiße Pferde und Lumpen in Ballkleider verwandeln, ist wieder Aschenbrödel-Zeit. An der Staatsoperette Dresden tanzt „Cinderella“ (Fotos: Pawel Sosnowski) vor Weihnachten in einer modernen Fassung des Musicals von Richard Rogers und Oscar Hammerstein über die Bühne. Die Inszenierung von Geertje Boeden entführt nicht nur das junge Publikum ins Märchenreich der Phantasie.

Holzgeister, Musikgeister, Müll- und Garderobengeister, dazu packende Melodien wie im Hollywoodfilm. Wer könnte dem Charme dieser Cinderella nicht erliegen? Olivia Delauré kehrt für die Titelpartie der Ella an ihre langjährige Wirkungsstätte im Kraftwerk Mitte zurück. Umgeben von allerlei Zauberwesen sehen wir sie im Wald, doch wirkt diese Ella alles in allem ziemlich heutig: Ein selbstbewusstes Mädel, das den Hänseleien der Madame Stiefmutter (Ingeborg Schöpf) selbstbewusst trotzt und sich auf seine eigene Welt besinnt. Das Bühnenbild von Philip Rubner teilt diese in ein schlichtes „Oben“ und „Unten“ ein. Ein schneckenförmiges Gebilde, das sich öffnet und ineinanderschiebt, lässt den Prinzen zunächst nur aus der Ferne auf sein Volk herabsehen.

Erst die Begegnung mit Cinderella ist es, die ihm die Augen zu öffnen vermag. Wie im Märchen eben, das hier von zartem politischem Kampfgeist gewürzt ist. Gero Wendorff gibt den Prinzen Christopher als eleganten Staatsmann in Uniform. Bunt kitschiger Comicstyle bestimmt die Optik der königlichen Garde. Vor allem Thronverwalter Sebastian erscheint als verkappter Bösewicht und Repräsentant einer alten Welt, in der absolutistische Herrscher das Sagen haben. Bryan Rothfuss verleiht dem höfischen Strippenzieher humoristische Klasse. Natürlich versucht er den Prinzen standesgemäß zu verkuppeln. Der jedoch hadert gewaltig mit den Erwartungen des Hofes – kein Wunder also, dass Cinderella sein Herz im Sturm erobern kann.

Zwischen gläsernem Schuh und glänzenden Ballroben kommt im Musical mit der Figur des Jean-Michel (Timo Schnabel) noch ein Aktivist ins Spiel. Keiner, der sich irgendwo festklebt, sondern einer der sympathischen Sorte. Die Bedürfnisse des Volkes gelangen so via Mundpropaganda über Cinderella in den Palast, wo sich die feine Gesellschaft in alter Tradition übers Parkett dreht, bevor zur Geisterstunde das Ende einer Ära eingeläutet wird. Für den entscheidenden Zauber zum Erfolg sorgt Silke Fröde in der Rolle der Marie, einer Art guter Fee, die beherzt die Kraft der Magie glaubhaft werden lässt.

Oliva Delauré und Gero Wendorff geben ein märchenhaftes Paar. Umgarnt von all den Geistern, den guten und den bösen, gelingt es den beiden, sich aus der Enge ihrer Welten zu befreien. Das Orchester der Staatsoperette Dresden schwelgt unter der Leitung von Christian Garbosnik in den schönsten Farben, die musikalischen Nummern schimmern zwischen Musicaldrive und romantischen Operettenmelodien. Hinreißende Ballett- und Chorszenen (Choreografie: Winfried Schneider, Chor: Thomas Runge) nehmen die kleinen und großen Zuschauer in eine Welt, in der alles Gute möglich scheint. Natürlich mit Happy End!

Rodgers & Hammersteins Cinderella an der Staatsoperette Dresden, wieder am 16., 20., 25., 26. Dezember 2022 sowie am 4. und 5. Februar 2023

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.