Ein Essay über die ewige Rivalität der Städte Dresden und Leipzig

Dresden oder Leipzig? Wer ist besser? Die beiden Städte verbindet eine Jahrhunderte lange Rivalität. Das ist fast wie mit dem Karneval in Köln und Düsseldorf – nur, dass Fasching in Sachsen das ganze Jahr über ist. Auf der einen Seite die gestrige Residenz an der Elbe: Dresden, die Schöne mit den Schätzen, den Kunstsammlungen, der Musik, den barocken Fassaden. Im Kontrast dazu Leipzig: Die Stadt an der Pleiße, moderne Messestadt mit süßen Gässchen im Zentrum, dafür ohne Umland, mit tollen Kneipen, einer regen Bloggerszene, der Nikolaikirche und dem Gewandhaus.

Der verbissene Wettkampf zwischen Dresden und Leipzig weht einem immer wieder rau ins Gesicht. Der Komponist Robert Schumann beschreibt die Kontraste bereits im 18. Jahrhundert in seinen Briefen und Tagebüchern. Schon damals war der alte Zopf in Dresden so lang, dass mancher über ihn stolperte. Während es zum Beispiel in Leipzig längst Abonnementkonzerte für alle gab, brodelte an der Elbe noch spießige Höfigkeit. In Dresden hatten es Neuerungen schwer. So ist Dresden halt – und Leipzig ist anders!

Leipzig, Innenstadt

Das wahre Problem ist aber nicht diese Andersartigkeit. Das Problem ist der Mangel an Akzeptanz des anderen. Ja, ich gebe zu, dass mich der Kommentar einer Freundin einmal schwer getroffen hat. Sie (eine bekennende Dresden-Liebhaberin) sagte eines Tages zu mir, der Leipziger Weihnachtsmarkt sei viel schöner als der Striezelmarkt in Dresden. Eine Meinung, die ich nur zähneknirschend und mit einem empörten Kopfschütteln quittieren konnte. Schöner als unser Striezelmarkt!? Pah! Heute zeigt mir dieses Gespräch von damals nur, wie gut es uns geht: Wir stritten über ein paar Buden mit Lichterketten und Glühweinkesseln! Ganz abgesehen davon finde ich die Konkurrenz beider Städte einfach nur lästig.

Dresden, Innenstadt

Wer hat die meisten Babys? Wer hat die schöneren Hausfassaden? Wo leben vielleicht die besseren Menschen? Na? In Dresden oder in Leipzig? Ist es nicht auch eine Form von Pauschalisierung, die in solchen Fragen mitschwingt? Leipzig ist weltoffen, Dresden ist konservativ. Da ist was dran. Dresden ist aber deswegen nicht schlechter als Leipzig und Leipzig nicht schlechter als Dresden! Es ist halt, wie vieles auf der Welt, Geschmackssache, ob ich mich in der einen oder in der anderen Stadt wohler fühle – und ob ich nun lieber in Leipzig oder in Dresden meinen Glühwein an mit Lichtern geschmückten Buden trinke. Wien ist mir persönlich auch lieber als Berlin. Mancher hippe Berliner wird es genau anders sehen. Na, und?

Leipzig, Gewandhaus

Was Dresden und Leipzig betrifft, so haben beide ihre Stärken. Ich spaziere gern in Dresden um die Frauenkirche – und trotzdem gehört die Leipziger Buchmesse zu meinen absoluten Jahreshöhepunkten. In Dresden gibt es Pegida, Leipzig hat dafür hin und wieder Probleme mit der linken Szene. Tolle, florierende Städte sind dennoch beide. Ist es nicht vielmehr so, dass Dresden und Leipzig sich in ihrer ganzen Verschiedenheit ergänzen? Die historische Kulturstadt und die weltoffene Verlagsstadt werden erst im gegenseitigen Wechselspiel interessant. Sie sind zwei Seiten einer Medaille und beide glänzen auf ihre Weise. Es wäre daher viel gewonnen, wenn das gegenseitige Gestichel aufhören würde. Genaugenommen könnte das sogar der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein. Welche von beiden die schönere oder bessere ist, kann am Ende jeder für sich entscheiden, aber bitte, ohne dabei auf die jeweils andere herabzusehen!

2 Gedanken zu “Zwei Seiten einer Medaille

  1. Ich habe viele Jahre in Dresden gelebt, wohne jetzt in Leipzig. Eine Rivalität zwischen beiden Städt habe ich nie gespürt – weder von den Dresdnern noch von den Leipzigern. Zu unterschiedlich sind die Städte als dass sie vergleichbar wären. Was mir auffällt ist: Das Thema „Rivalität“ wird von Nicht-Sachsen gerne abgefragt. „Das ist doch so wie zwischen Köln und Düsseldorf.“ Nein, ist es nicht. Beide Städte sind wunderschön, lebenswert und mit unglaublich tollen Menschen. Für mich sind es die Leuchttürme des Ostens mit einem einzigartigen Flair und an diesem Punkt sind sich dann wieder alle einig 🙂

  2. Rivalität zwischen Dresden und Leipzig kenne ich eigentlich gar nicht. Da bin ich eher mit dem ewigen Zwist zwischen Dresden und Berlin aufgewachsen.
    „So ist Dresden halt“ – das hieße Stillstand auf ewig. Ich hoffe sehr, dass die junge Generation etwas offener und experimenteller mit ihrer Stadt umgehen wird. Mein Sohn sagt immer, für die Jugend hat man in DD nicht viel übrig. Man ruht sich einfach aus auf dem alten Glanz.
    Liebe Grüße

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