Die Orchesterwerkstatt in den Flugzeugwerken weckt Lust auf das 25. Moritzburg Festival

Die Kombination ist ungewöhnlich wie faszinierend: Ein junges Orchester platziert sich neben einem eingerüsteten Airbus im Flugzeughangar und präsentiert musikalische Kosthäppchen von Mozart, Schumann und Schostakowitsch. Mit der Orchesterwerkstatt feiert das Moritzburg Festival seit einigen Jahren in den Elbe-Flugzeugwerken seine kleine (Vor-)Eröffnung.

Im 25. Jahrgang des Kammermusikfestivals begeistern die jungen Musiker unter der Leitung von Josep Caballé Domenech mit einem warmen Klang zum Auftakt. Die diesjährigen Teilnehmer der Festival Akademie trotzen mit frischen Interpretationen von Mozarts Sinfonia concertante, Schumanns Ouvertüre op. 52 und Schostakowitschs Sinfonie Nr. 9 dabei auch dem röhrenden Start einiger Flugzeuge am benachbarten Dresdner Flughafen. Fast wie im Science-Fiction-Film sieht man die Flieger durch die geöffnete Hangar-Tür in den Himmel schweben, während drinnen längst die Musik das Steuer übernimmt.

Nur knapp vier Tage hatte das Orchester, um das Programm einzustudieren. Die Teilnehmer der Akademie sind am vergangenen Sonntag (30.7.) erst in Moritzburg angereist. Sie kommen aus fast allen Teilen der Welt – insgesamt 500 Bewerbungen sind für die Akademie dieses Jahr eingegangen. Dass auf den rund 50 Plätzen im Orchester nun die besten der besten Musikstudenten Platz nehmen und ein Vollstipendium in der seit 2006 existierenden Festival Akademie genießen dürfen, ist auch ein Ergebnis von Mund zu Mund Propaganda: „Das spricht sich herum, frühere Teilnehmer erzählen Freunden davon und teilen die Bilder auf Facebook“, sagt Jan Vogler, der Künstlerische Leiter des Moritzburg Festivals.

Seine Frau, die Geigerin Mira Wang ist die Direktorin der Moritzburg Festival Akademie und steht dieses Mal in der Orchesterwerkstatt auch selbst mit ihren Schützlingen auf der Bühne. Zusammen mit Ruth Killius an der Bratsche beschert sie wundervolle Momente mit Ausschnitten aus Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur – sacht begleitet von dem jungen Orchester, das den Solistinnen das Terrain überlässt, ohne dabei zu verblassen. Die Präzision und klangliche Frische, die man hier spürt, ist nicht selbstverständlich für ein Werkstattorchester. Im Gespräch mit Jan Vogler erklärt Dirigent Josep Caballé Domenech, dass er bei den Proben einen gemeinsamen Klang anstrebt, das Zusammenspiel und gegenseitige Hören der Orchestermitglieder fordert.

Behutsam und doch zielsicher tasten sich die jungen Musiker an die Akustik der Halle heran, lassen die Flugzeuge bald unbeachtet dahingleiten und rücken im enthusiastischen Spiel die Werke von Schumann, Mozart und Schostakowitsch facettenreich ins Rampenlicht. Als Zugabe streut Johann Strauß‘ Ouvertüre zu „Die Fledermaus“ noch Operettenfeuer in den Abendhimmel – unterbrochen vom erneuten Start eines Flugzeugs draußen auf der Landebahn, gerade als sollte es so sein.

Info: Die Künstler der Moritzburg Festival Akademie eröffnen am 5.8. das Moritzburg Festival in der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden, zu erleben sind sie außerdem beim Picknick auf Schloss Proschwitz, am 6.8., 11 Uhr sowie bei der Langen Nacht der Kammermusik in der evangelischen Kirche Moritzburg, am 10.8.

Ein Gedanke zu „Festivalstart am Flughafen

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