Bildhafter Querschnitt durch 40 Jahre

Hörtipp des Monats: Sächsisches Vocalensemble ehrt Petr Eben

Das Sächsische Vocalensemble ist in erster Linie für die Interpretation von Werken aus der mitteldeutschen Musikgeschichte bekannt. Mit seinem Album „Salve Regina“ überwindet der renommierte Klangkörper nun die Landesgrenze gen Osten und setzt dem Chorschaffen des tschechischen Komponisten Petr Eben (1926–2007) ein Denkmal.

Die Aufnahme ist eine sorgsam konzipierte Zusammenstellung von 16 eher kurzen, geistlichen Chorwerken Ebens, die alle innerhalb von 40 Jahren, vor und nach der Wende 1989, entstanden sind. Dazu gehört die sechsstimmige Motette „Ubi caritas et amor“ aus dem Jahr 1964 ebenso, wie zwei Chor-Tryptichen von 1991 und 1994 oder der aus vier Psalmen bestehende Chorzyklus „Psalmi peregrini“, der 2001 als Auftragswerk für ein Chorfestival entstand.

Unter der Leitung von Matthias Jung gelingt es dem Ensemble, diese A-cappella-Chöre mit meist lateinischen Texten aus dem alten Testament sowie geistlichen Dichtungen der Kirchenväter auf der CD ähnlich einem musikalischen Gedichtband zu arrangieren – so als ob jedes Stück mit dem jeweils vorherigen oder nachfolgenden im Dialog stünde. In seinen Kompositionen schöpft Eben aus Klangmustern des Gregorianischen Chorals, Harmonien böhmischer Hymnen oder dem mährischen Volksliedgut und kombiniert diese alten Traditionen mit zeitgenössischen musikalischen Techniken. Das Sächsische Vocalensemble überzeugt in der Interpretation dieser anspruchsvollen Werke mit gewohnter Präzision.

Ebens ältere Chorstücke verblüffen dabei mit einer geradezu bildhaften, hellen Strahlraft. Ihre scheinbare Leichtigkeit wird aber immer wieder von Harmoniesprüngen und starken Akzenten durchbrochen. Einen vorläufigen Höhe- sowie Umschlagpunkt bildet das dritte „Verba sapientae“ mit dem Titel „Zur rechten Zeit“, welches – knapp vorm Zenit der Aufnahme – das unaufhörliche Ticken der Uhr förmlich hörbar macht, das Verrinnen von Zeit abwechselnd begrüßt und beweint. Zum Ende hin wird es noch ein wenig bedächtiger, etwa wenn ein Zwölftonmotiv im letzten Stück „Abba-amen“ die Unabwendbarkeit der göttlichen Bestimmung beschließt – ein Werktitel, mit dem Eben, schon schwer erkrankt, einst selbst den „Schlussakt“ seines Lebens überschrieb.

Info: Sächsisches Vocalensemble „Salve Regina“, geistliche A-cappella-Chöre von Petr Eben, cpo

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