Die Sache mit der Liebe …

Neue Revue an der Staatsoperette widmet sich den Melodien von Franz Lehár und Oscar Straus

Ach, könnte das Leben doch immer so einfach sein: Der Vorhang öffnet sich und mit einem Fingerschnipp spielt das Orchester schmachtend auf, als hätte Johannes Pell, der Chefdirigent der Staatsoperette Dresden, nur auf das Zeichen gewartet. In der Revue „So verliebt in die Liebe“ (Foto: Pawel Sosnowski) fackeln er und seine Musiker nicht lange. Schwelgend erklingt zum Auftakt die Ouvertüre zu Oscar Straus‘ Operette „Rund um die Liebe“ und stimmt schwungvoll auf eine gut zweistündige Entdeckungsreise ein, die die schönste und herausforderndste Emotion der Welt ins Zentrum stellt.

Nein, an Leidenschaft mangelt es wahrlich nicht an diesem Abend. Nicht beim Ensemble und schon gar nicht beim Orchester, das in Corona-Aufstellung auf der Bühne ein beachtliches Farbspektrum offenbart. Mal verheißungsvoll knisternd, mal melancholisch schluchzend, dann wieder lebhaft bebend verleiht der Klangkörper der Staatsoperette Dresden den schönsten Operettenmelodien von Oscar Straus und Franz Lehár musikalisches Leben. Mit Silke Richter und Andreas Sauerzapf als Conférenciers geht es dabei zwischen drei weißen Türen schnell und weitgehend unbeschwert zur Sache. Ist Liebe süße Freude oder verhängnisvolle Verpflichtung? Im Plauderton wird das Gefühl aller Gefühle verhandelt, das die Menschheit vor Rätsel stellt und zugleich zu Höhenflügen anregt.

In der Dramaturgie von Judith Wiemers schunkelt diese Revue im Spannungsfeld zwischen Mann und Frau, den Kompositionen von Franz Lehár und Oscar Straus, Berliner und Wiener Operettentradition zwischen Jahrhundertwende und Zweitem Weltkrieg. Sie bleibt dabei niemals nur schwarz oder weiß, sucht subtile Zwischentöne, Gemeinsamkeiten und Reibungspunkte. Das Repertoire vereint Klassiker wie das Wolgalied aus dem „Zarewitsch“ von Lehár (Matthias Koziorowski) mit eher selten gehörten Stücken von Oscar Straus. Ein erster Höhepunkt ist etwa Christina Maria Ferchers Interpretation von „Wie schön ist dieses Männerbild“ aus Straus‘ „Der tapfere Soldat“. Ingeborg Schöpf legt wenig später mit „Rosen, die wir nicht erreichten“ aus Straus‘ „Der letzte Walzer“ einen glanzvollen Auftritt nach. Für ein bittersüßes Augenzwinkern sorgen zudem Elmar Andree, Nikolaus Nitzsche und Gerd Wiemer mit Lehárs „Verrauscht sind längst der Jugend Zeiten“ aus „Die blaue Mazur“.

Dank der pfiffigen Ausstattung von Thorsten Fietze, der mit Luftballons, Federfächer und drei großen leuchtenden Herzen über der Bühne auch ohne große Ensembleszenen Glamour zaubert, macht die Theaterillusion hier durchaus manche Corona bedingte Einschränkung vergessen. Allerdings fehlt es vor allem dem ersten Teil ein wenig an inhaltlicher Stringenz, ironischem Witz in den Dialogen und Varianz. So bleiben etwa Ballette zunächst rar, obgleich die Tänzer Olena Andryeyeva, Eliton da Silva de Barros, Zabela Tonevitska und Vladislav Vlasov in der Choreografie von Mandy Garbrecht gleich zum Auftakt für zauberhafte Momente sorgen.

Auch erklärt sich die Konzentration auf allein zwei Komponisten – wo doch die Liebe in nahezu allen Operetten eine Hauptrolle spielt – allenfalls im Programmheft. Nach der Pause wendet sich jedoch das Blatt und die Revue nimmt noch einmal Fahrt auf. Die Perspektiven wechseln. Silke Richter wird mit „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ zu einer mitreißenden „Frau, die weiß, was sie will“. Steffi Lehmann und Timo Schabel verführen mit „Du bist der Traum“ aus „Ein Walzertraum“ (beides von Oscar Straus). Die Schlusssequenz obliegt schließlich wieder Franz Lehár: Matthias Koziorowski und Steffi Lehmann lassen „Kosende Wellen“ aus „Der Zarewitsch“ wogen, bevor Silke Richter und Andreas Sauerzapf den Abend „In der kleinen Bar“ aus „Schön ist die Welt“ beschließen. Die Liebe kriegt sie am Ende eben doch alle, auch wenn das ganz große Kribbeln ausbleibt.

 Info: „So verliebt in die Liebe“, Revue an der Staatsoperette Dresden, wieder am 30.6. und 1.7., jeweils 19.30 Uhr

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