Ein Spaziergang durch den Schlosspark Pillnitz verbindet Welten und Stile

Bei einem Spaziergang im Schlosspark Pillnitz wird man leicht zum Wanderer zwischen den Welten. Malerisch an der Elbe gelegen, war Pillnitz nicht nur Ort üppiger Feste und höfischer Spiele, sondern über Generationen beliebter Sommersitz der Sächsischen Kurfürsten. Zu entdecken gibt es heute hier mehr als höfischen Prunk: Das Schlossensemble aus Wasser-, Berg- und Neuem Palais verbindet barocken Stil mit asiatischer Exotik. Der Park ist als Sammelstätte für Pflanzen aus aller Welt gleichsam ein botanisches Museum auf 28 Hektar.

Schloss Pillnitz: Bergpalais und Seitengebäude

August der Starke erwarb das ehemalige Rittergut im Jahr 1706 von seinen Verwandten und schenkte das Schloss Pillnitz sogleich seiner berühmten Mätresse Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel. Als die sich allzu stark in die Politik am Hofe einmischte, schickte der Kurfürst sie kurzerhand nach Pillnitz, wo sie von 1713 bis 1715 lebte, noch bevor er sie endgültig auf die Burg Stolpen verbannte. Als „Witwensitz“ der Gräfin Cosel sah das Schloss freilich anders aus als heute. An die Mätresse erinnern noch immer die Heckengärten, welche sie um 1712 im Park anlegen ließ.

Bergpalais von der Gartenseite aus

Die Sachsen liebten nicht nur das Feiern und Lustwandeln, sondern auch das Exotische. Besonders die asiatischen Stilformen hatten es August dem Starken angetan. Im Barock war die „Chinoiserie“ in europäischen Adelshäusern eine verbreitete Mode. Beim Umbau des alten Schlosses ab 1720 verwendeten die Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune daher die an chinesische Pagodendächer erinnernden „Chinoiserien“.

Neues Palais in Pillnitz

Die auffällig geschwungenen Dächer von Berg- und Wasserpalais sind ein Zeugnis dieses Stils. Die Chinaliebe des Kurfürsten gipfelte zudem in der aufwendigen Ausstattung des chinesischen Teezimmers im Schloss. Im Park spiegeln der Chinesische Garten und Pavillon die Chinarezeption der Zeit wider. Der Pavillon wurde 1804 von Christian Friedrich Schuricht erbaut und gilt als die beste Nachbildung eines geschlossenen ostasiatischen Bauwerks in Europa.

Doch fernöstliche Architekturen sind nicht das einzige, was es im Schlosspark zu entdecken gibt. Der barocke Lustgarten mit Springbrunnen zwischen dem Berg- und Wasserpalais ist sicherlich das beliebteste Fotomotiv bei Pillnitz-Touristen. Wandelt man von hier aus durch den Park oberhalb des Bergpalais mit seinen zwölf Baumreihen, so gelangt man zum Englischen Garten.

Englischer Pavillon

In dieser 1778 künstlich geschaffenen Idylle gelangt man am Ufer eines kleinen Teiches bald an den Englischen Pavillon. Johann Daniel Schade entwarf diesen Rundtempel 1780 nach dem Vorbild des Tempietto in Rom. Wer die Augen offen hält, wird am Wegesrand Eichhörnchen und bunten Vögeln begegnen. Markant ist zudem die riesige Büste der Juno Ludovisi, ein bronzener Abguss des antiken Frauenkopfs im römischen Thermenmuseum, auf der Insel im Teich.

aufmerksame Beobachter im Englischen Garten
Exotische Pflanzen im Palmenhaus

Von England und China bis nach Australien und Südafrika gelangt man im Schlosspark Pillnitz in nur wenigen Schritten. Das 1859 bis 1861 errichtete Palmenhaus ist heute eines der ältesten erhaltenen Stahlguss-Glasbauten Europas und beherbergt Pflanzen aus Australien und Südafrika.

Kamelie im Gläsernen Haus

Die botanische Sehenswürdigkeit schlechthin ist die Pillnitzer Kamelie. Die über 230 Jahre alte Pflanze zählt zu den ältesten japanischen Kamelien in Europa und wird in den kalten Monaten von einem 13 Meter hohen Glashaus geschützt.

Tritonengondel von Kurfürst Friedrich August III.

Zum Abschluss des Rundgangs bringt uns die prachtvolle Tritonengondel des Kurfürsten Friedrich August III., dem Urenkel Augusts des Starken zurück an den Dresdner Hof. Die Elbgondel wurde um 1800 von Johann Christoph Pätzold gebaut und diente dem höfischen Verkehr zwischen Pillnitz und Dresden. Heute steht sie unter einem chinoisierende Formen nachahmenden Schutzbau versteckt im Heckengarten der Gräfin Cosel.

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