Offenheit als Leitprinzip

Hörtipp im Mai: „Der Fremde und der Alte“

„Die machen, was sie wollen“, so der Kommentar einer Siebenjährigen zu der Aufführung von „Der Fremde und der Alte“, einer musikalischen Performance in der Dresdner Musikhochschule. Und genau diese Einschätzung ist Programm. Die Aufnahme von Thomas Zoller, Ludger Rémy, Halym Kim und Steffen Roth – alle samt Absolventen oder Professoren des Bereichs „Jazz, Rock, Pop“ an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden – mixt zeitgenössische Kompositionen mit Sounddesign und gesprochenen (koreanischen) Texten.

Was daraus entsteht, ist ein kunstvoller Dialog von verstörender Intensität in flirrender Atmosphäre. Fremdländisch und teils doch vertraut klingen die verschiedenen Sounds auf dem Album, das unter dem vollständigen Titel „Der Fremde und der Alte – unter dankenswerter Teilnahme des Jungen und des Wanderers“ im Sommer 2016 an der hiesigen Hochschule (Dirk Homann) aufgenommen wurde.

Dies lässt die Vermutung zu: Titel und Kompositionen sollen bewusst in die Irre führen, den Hörer dazu bringen, sich auf etwas komplett Fremdes, Eigenwilliges einzulassen. Einfach mal in den Player einlegen und nebenbei hören? Keine Chance! Denn diese Aufnahme ist die Dokumentation eines Gesamtkunstwerks, das wie ein Hörspiel oder Theater einer musikalisch-klanglichen Dramaturgie folgt. Die Kompositionen und Einrichtungen dramaturgischer Art stammen von Thomas Zoller, der auch Werke von Jan Pieterson Sweelinck und Antonio de Cabezòn eingebunden hat. Zoller wirkt als „Der Fremde“, Ludger Rémy ist „Der Alte vom Niederrhein“, Halym Kim „Der Wanderer“ und Steffen Roth „Der Junge vom Niederrhein“. Neben Schlagzeug, Cembalo und großen Trommeln melden sich auch Burma Gongs, China Becken, Kuh- und Muschelhorn, Harmonium sowie Sound Designs zu Wort – unter anderem.

Das beste Rezept für Neugierige: offen sein, reinhören, sich ein wenig in den Klangwelten treiben lassen – die Geschichte erklärt sich dann (fast) von selbst, blättert sich auf wie in einem Buch. Ihre Interpretation bleibt schließlich ganz dem Hörer überlassen.

Die CD ist erhältlich über die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber sowie dort auch online bestellbar. 

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