Ode an die Weihnachtstanne

Hofgeflüster – die Stadtkolumne

Nanu, was ist denn das? Ein trüber Novembervormittag und am Wettiner Platz fahren in regelmäßigen Abständen Blockhüttchen auf Autoanhängern vorbei, in Richtung Innenstadt. Einige Hundert Schritte weiter wird sofort klar, wohin sie wollen. Denn auch die Riesen-Pyramide, die Tanne und das Pfefferkuchenhaus haben schon ihren angestammten Platz auf dem Altmarkt gefunden. Und bei ihrem Anblick beschwören sie beim Passanten urplötzlich Erinnerungen an wohlige Zimtaromen und beißende Schneekälte inmitten des bunt-lauten Touristentrubels auf dem Dresdner Striezelmarkt.

Im Gegensatz zu den schon herbstzeitig prall gefüllten Stollenregalen im Supermarkt sind das doch noch immer die schönsten (und wahrhaftesten) Boten der nahenden Vorweihnachtszeit. Beschwören sie doch etwa drei Wochen bevor diese dann endgültig in der Stadt ihre Ankunft feiert, selbst in den Augen ehemaliger Kinder so etwas wie latenten Endjahreszauber. Auch, wenn doch eigentich gerade noch Sommer war …

  

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Baracke statt Backsteinbau

Oder: Geschichten aus der Exzellenzuni I

Eigentlich könnte alles so schön sein. Die Bauarbeiten am Fritz-Foerster-Bau auf dem Campus der Technischen Universität Dresden (TUD) sollten just in diesen Tagen beginnen. Komfortable Studienbedingungen für die Fakultät Architektur waren hier vorgesehen – mitten auf dem Campus mit Studios, großzügigen Hörsälen und Computerräumen ausgestattet. Wie es sich für eine Exzellenzuniversität eben gehört. Schon seit den 90er Jahren schlummerten diese Pläne im Schubkasten der Universitätsleitung. Noch im Frühjahr wurden die Räume im Fritz-Foerster-Bau für dekontaminiert, weil hier früher Chemielabore untergebracht waren. Doch dann kam im Juni dieses Jahres die Exzellenzentscheidung – und mit ihr wurde eine neuerliche Neustrukturierung des Campus notwendig, die den Traum von altehrwürdigem Backstein für die Architekten wie eine Seifenblase zerplatzen ließ.

Die bittere Realität traf Anfang September via Brief von der Unileitung im Bürogebäude auf dem Zelleschen Weg ein, das die Fakultät Architektur derzeit am Campus (noch) ihre Heimat nennt. Im Zuge des Zukunftskonzeptes „Synergetische Universität“ werde statt der Fakultät die TU-Verwaltung im Fritz-Foerster-Bau Einzug halten. Die Architekten sollen stattdessen zukünftig vor den Toren des Kerncampus auf der August-Bebel-Straße ihre Bauwerke kreieren. In jenen abgewetzten Räumlichkeiten also, die von der TUD in den 90er Jahren eigentlich nur als Interimslösung während verschiedener Baumaßnahmen angemietet wurden, und mit denen sich seither einige Institute der Philosophischen Fakultät begnügen müssen. Letztere wiederum darf künftig auf den Zelleschen Weg ziehen, wo sie direkt gegenüber der Universitätsbibliothek gebündelt wird, damit sie nicht mehr so zersplittert ist.

Dies bedeutet zumindest für die Philosophen zwar eine exorbitante Verbesserung der Studienbedingungen – für die Architekten aber zeitgleich einen enormen Verlust von schon jetzt kaum vorhandenen Raumvorteilen. Denn großzügige Studios, so viel steht jetzt schon fest, werden in der August-Bebel-Straße selbst mit massiven Umbaumaßnahmen kaum realisierbar sein und auch die vorhandenen Hörsäle sind für die rund 1200 Studenten zählende Fakultät viel zu klein. Was das heißt, das können etwa die Geschichtsstudenten sicher in so mancher Anekdote bitterironisch, also sprichwörtlich hautnah, erläutern.

Die Universitätsleitung – das ist spätestens seit einer fakultätsinternen Diskussion (ohne Presse) Ende Oktober klar – wird von ihrem Plan jedoch so schnell nicht abrücken. Der Fritz-Foerster-Bau ist seit September fest für die exzellente Verwaltung reserviert. In der August-Bebel-Straße prüft man indes, wie exzellent die Studienbedingungen dort für die Architekten wirklich ausgebaut werden können. Die Studenten derweil sehen nicht nur rot, sondern sogar schwarz – und tragen derzeit wöchentlich Protest-Kreuze oder gar -Särge über den Campus. „Wir begraben das Vertrauen in die Unileitung“, ist darauf zu lesen.

In Dekanat und Fachschaftsrat gibt man sich indes optimistisch. Die Fronten seien nicht verhärtet, weitere Gespräche mit dem Rektor stünden bevor. Ihr Ausgang wird wohl auch den Schluss für eines der ersten spannenden Kapitel im goldenen Buch unserer neuen Dresdner Exzellenzuniversität prägen.

Nicole Czerwinka

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Literatur- in der Barock-Stadt

Erste Schriftgutmesse bietet Lesestoff

Die Bücher halten am Wochenende Einzug auf der Messe in Dresden. Am Freitag (9.11.) beginnt die 1. Literaturmesse „Schriftgut“. „Wir sind sehr gespannt“, meint Ulrich Finger, Geschäftsführer der Messe bei der Pressekonferenz am Dienstag. „Nicht nur wie sie angenommen wird, sondern auch wie alles laufen wird.“

Schließlich ist das in gewisser Weise Neuland für die Messe, die auf beinahe 18-monatige Planungsarbeit für das Literaturereignis zurückblickt. „Vor gut anderthalben Jahren kam Gerd Sperhacke (Anm. d.R. Projektleiter Eigenmessen) auf mich zu und meinte, ‚ich habe da zwei Damen, die haben da so eine Idee. Wir müssen reden.’“ Die beiden erwähnten Damen sind Patricia Eichler und Peggy Salomo vom Verein Dresdner Gesellschaft für Literatur e. V., der bei der Schriftgut als Co-Veranstalter agiert. „Die Idee war, den Menschen Bücher näher zu bringen“, so Salomo. Aber die Gäste sollen nicht nur durch eine Ansammlung von Ausstellern tingeln, sondern sie  sollen mitmachen. „Sie sollen erleben, was es heißt, Seiten zu setzen oder Papier zu schöpfen“, erklärt Salomo.

Etwa 78 Aussteller rund um Bücher, Schrift, Lesen, Schreiben und Verlage werden sich in der Börse (Foto: PR) und der Halle 3 präsentieren. „Obwohl die Aussteller am Anfang skeptisch waren, sind wir froh, dass es doch so viele sind. Und wir nicht nur die Börse voll bekommen haben, sondern das wir auf die Halle 3 erweitern durften.“, so die stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Verein hat ein vollgestopftes Programm hervorgebracht. Neben Workshops, Lesungen gibt es sogar einen Poetry Slam. Am Freitag wird die Messe ihre Pforten bis 21 Uhr öffnen und am Samstag zur „Langen Dresdner Lesenacht“ bis 24 Uhr.

„Die „Schriftgut“, könnte richtungsweisend sein – wohin es für die Messe Dresden in den nächsten Jahren gehen kann“, meint Finger abschließend.

Janine Kallenbach

Linktipp: www.schriftgut-messe.de

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Deutsche Jazzjugend wetteifert in Dresden

Elf Bigbands jazzen beim Škoda-Jazzpreis

Irgendetwas muss der graue November wohl haben, dass er in Dresden gerade zur Hochzeit geballter Jazz(vor)freude mutiert. Erst haben die Dresdner Jazztage ihren Auftakt gefeiert und der Vorverkauf fürs 43. Internationale Dixielandfestival hat just begonnen, da beehrt vom 9. bis zum 11. November nun auch Deutschlands begabtester Bigband-Nachwuchs die Stadt.

Insgesamt 250 junge Musiker aus elf Bundesländern (Foto: Bigband Berenbostel) werden an diesen Tagen bei der „Bundesbegegnung Jugend jazzt“ in der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ (HfM) aufeinandertreffen und um den Škoda-Jazzpreis spielen. Dieser besteht im Wesentlichen aus Workshops und gemeinsamen Konzerten mit renommierten Jazzmusikern wie Till Brönner – ist allerdings, wenn man den Initiatoren vom Deutschen Musikrat glauben darf, nicht das wichtigste Anliegen der Veranstaltung. „Für uns steht nicht der Wettbewerbscharakter, sondern die Begegnung im Vordergrund. Die jungen Musiker sollen sich austauschen, ihre Erfahrungen mit Gleichgesinnten teilen“, sagt Dominik Seidler, der die Projektleitung für Jugend jazzt beim Deutschen Musikrat innehat. Neben dem Wertungsspiel sind daher auch Workshops und gemeinsame Sessions für die Teilnehmer geplant.

Ernst zu nehmen ist der Wettbewerb aber dennoch. Bedenkt man, dass es sich bei den jungen Musikern zwischen 12 und 18 Jahren um Laien handelt, die ausschließlich in ihrer Freizeit musizieren. Alle Bigbands haben zudem im vergangenen Jahr schon die jeweiligen Landeswettbewerbe für sich entschieden. Im Wertungsspiel müssen sie sich nun in Dresden jeweils 20 Minuten lang der Jury aus fünf renommierten Jazzmusikern stellen. In zwei öffentlichen Wertungsrunden am 9. und 10. November wird die Jury drei Sieger küren. Publikum ist an diesen beiden Tagen ab 9 Uhr in der HfM gern gesehen. Sicher lustig, aber dennoch kein Faschingsscherz wird auch das anschließende Abschlusskonzert am 11.11. um 11 Uhr im Konzertsaal der HfM werden.

Dass die Wahl für den diesjährigen Austragungsort der Bigband-Bundesbegegnung nach Bingen im Jahr 2010 nun ausgerechnet auf Dresden und seine Musikhochschule fiel, ist durchaus passend. So nämlich kann die Jazzabteilung der HfM gemeinsam mit den besten Nachwuchs-Bigbands Deutschlands ihr 50. Jubiläum, also ein halbes Jahrhundert Jazzmusikerschmiede mitten in der Barockstadt, feiern. Die Vertreter der HfM-Fachrichtung Jazz/Rock/Pop werden im Anschluss an die Wertungsspiele am 10. November (19.30 Uhr) denn auch direkt zu ihrem (leider längst ausverkauften) Jubiläumskonzert aufspielen. Die Dresdner indes bekommen dank der Kombination aus Jugend jazzt und HfM-Jubiläum noch ein paar Möglichkeiten mehr, dem Novembergrau einmal(ig) mittels jugendlich-frischer Jazzmusik zu entfliehen – und das ganze drei Tage lang bei meist freiem Eintritt.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.jugend-jazzt.de

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DDR-Opern wachgeküsst

Neue Reihe enrkundet alte Werke

Auf den ersten Blick verbindet den Sänger Guido Hackhausen (Foto: PR) eigentlich nicht viel mit der DDR. 1971 in Wuppertal geboren, studierte er Gesang sowie Musik- und Theaterwissenschaften in Berlin, bevor es ihn 2001 dann als Sänger nach Sachsen verschlug. Seit 2007 ist er als Tenor an den Landesbühnen Sachsen engagiert, und weil er die Arbeit auf der Bühne gern mit ein wenig Wissenschaft würzen wollte, begann er schließlich 2010 die Arbeit an seiner Promotion. „Ich wollte mich dabei auf einen Bereich beschränken, mit dem ich durch das Musiktheater auch praktisch schon in Berührung gekommen bin“, sagt Guido Hackhausen.

Und so kam es, dass der Sänger die Opern der DDR in den 70er und 80er Jahren neu entdeckte. „Zunächst dachte ich, dass ich eine Art Semiotik des Widerstands in den Werken, die in der DDR uraufgeführt wurden, finden müsste“, erzählt er, „doch das ist der falsche Ansatz. Man muss diese Opern aus sich selbst heraus betrachten.“ Etwa zehn bis 15 DDR-Opern habe er inzwischen eingehend analysiert. Es seien nicht immer große Meisterwerke, allerdings sind sie wesentlich rezipierbarer als die Musik, die zur gleichen Zeit in der Bundesrepublik entstand. „Und einige sind es durchaus wert, wieder einmal gespielt zu werden“, findet der Landesbühnen-Tenor. Ebenso wie die Opern selbst – etwa „Bill Brook“ von Rainer Kunad – sind jedoch auch deren Komponisten bei Theatern und Publikum nach 1989 weitgehend in Vergessenheit geraten. „Ich dachte, man müsste diese zeitgeschichtlich sehr interessanten Werke wieder auf ein Konzertpodium bringen“, sagt Hackhausen.

In Zusammenarbeit mit der Dresdner Hochschule für Musik „Car Maria von Weber“ (HfM) hat er daher unter dem Titel „MUSIKzonenMUSIK“ eine neue Konzertreihe an den Landesbühnen ins Leben gerufen. „Das soll gar nicht nostalgisch sein, sondern eher zeigen: Welche Musik hatte diese Zeit. Es geht uns darum, die Opernmusik der DDR vorurteilsfrei zur Diskussion zu stellen“, sagt er. Schließlich sind gerade an dem Radebeuler Theater einst zahlreiche Uraufführungen gespielt worden. Eine davon war die Oper „Reise mit Joujou“ von Robert Hanell. Sie hatte 1976 Premiere in Radebeul – und Regie führte damals Andreas Baumann, der heute die Opernklasse an der HfM leitet. So schließt sich denn beim Auftakt zur neuen Konzertreihe am 27. Oktober auch einmal mehr der Kreis, wenn heutige Musikstudenten der Dresdner Hochschule zusammen mit den Sängern der Landesbühnen und der Elbland Philharmonie Sachsen in Radebeul die längst vergessenen Opernschlager aus der DDR konzertant wieder zum Leben erwecken.

Nicole Czerwinka

„MUSIKzonenMUSIK“ an den Landesbühnen Sachsen, Stammhaus Radebeul, Auftakt am 27.10., 19 Uhr, öffentliche Probe am 26. Oktober

 

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Ungezwungene Tragödie

„Jungfrau von Orleans“ am Kleinen Haus

Was hat sie nur an sich, diese Johanna von Orleans, Schillers romantische Tragödie einer französischen Jungfrau, die auf Liebe verzichtete und stattdessen einer göttlichen Stimme folgend gegen die Engländer in den Kampf zog, um ihr Vaterland zu retten? Was macht diese Geschichte so interessant, dass sie bis heute die Theaterbühnen erobert?

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Dresden im Herbstgoldschimmer

Innenstadtspaziergänge …

Noch einmal richtig warm, dafür aber schon reichlich golden lockte der Herbst am Wochenende wieder ins Freie. Nicht nur die Teilnehmer des Dresden Marathons freuten sich über diese kleine Pause vom Schmuddelwinterwetter …

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Meisterliche Musik im Kronensaal

Meisterkonzerte starten in neue Saison

Die „Meisterkonzerte“ auf Schloss Albrechtsberg laden seit 1993 zu einem anspruchsvollen Kammermusikgenuss im prachtvollen Kronsaal (Foto: PR) ein. Seit 2007 gehören sie zudem als fünfteilige winterliche Konzerreihe vor beziehungsweise nach dem Moritzburgfestival zum Dresdner Musikleben.

Unter der künstlerischen Leitung von Jan Vogler werden sie am 19. Oktober (20 Uhr)  mit einem Kammermusikkonzert auf Schloss Albrechtsberg nun in die Saison 2012/2013 starten. Musikalisch wird in dieser Jubiläumsspielzeit nicht nur die 20. Saison der „Meisterkonzerte“, sondern auch das bevorstehende 20-jährige Jubiläum des Moritzburg Festivals gefeiert. Im Gegensatz zu den vorherigen Konzertjahren, hat Jan Vogler die künstlerische Konzeption für die Jubiläumskonzerte am 19.10.12 und am 7.12.12. dieses Mal zurück an die Gründungsmitglieder des Moritzburg Festivals, Kai Vogler und Peter Bruns, übergeben.

So sind mit den Jubiläumskonzerten auch drei typische Moritzburg-Programme entstanden in denen auch langjährige Kollegen und Festival Künstler mitwirken.In drei farbigen Konzerten werden dabei typische Moritzburg-Programme präsentiert, die von jeweils einem Mitbegründer des Festivals  konzipiert wurden. Den Anfang macht Kai Vogler (Violine), der mit den Festivalkollegen Ulrich Eichenauer (Viola), Henri Demarquette (Violoncello) und Alfredo Perl (Klavier) am 19. Oktober 2012 Klavierquartette von Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms und das Streitrio op. 45 von Arnold Schönberg interpretiert.

Neben den drei Jubiläumskonzerten werden weiterhin die junge Saxophonistin Asya Fateyeva sowie die renommierte Pianistin Mari Kodama im Rahmen der „Meisterkonzerte“-Saison 2012/2013 in Dresden zu Gast sein. (NC)

 

 

 

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Faszinierende Filmwelt aus Fernost

Die 10. Asiatischen Filmtage im Kino in der Fabrik

Es hat schon etwas von einem Kampf gegen Windmühlen, den Conny und Frank Apel vom Kino in der Fabrik da austragen. Doch unterkriegen lassen wollen sie sich nicht. Dafür sind sie einfach mit zu viel Herzblut bei ihrem kleinen Filmfestival dabei, auch wenn es so nicht mehr heißt.  Vor zehn Jahren riefen die beiden das „Asiatische Filmfestival“ ins Leben. Damals noch im Metropolis, einer Festivalzeit von drei Wochen und vielen Retroperspektiven. Doch die Zeiten ändern sich, nicht nur mussten die Apels das Metropolis aufgeben, sondern auch der deutsche Markt wendet sich in den letzten Jahren zunehmend vom asiatischen Film ab.  „Wir werden nicht um die Filme betteln“, sagt Frank Apel trotzig, „doch unsere Filmtage aufgeben werden wir auch nicht.“ Die asiatischen Filmfans dürften hier aufatmen. Und so haben sie allen Widerständen zum Trotz auch dieses Jahr ein interessantes Programm zusammengestellt.

Sie haben ihr Festival in Filmtage umbenannt und dürfen dieses Jahr das erste Mal eine Regisseurin zu ihrem Filmtagen begrüßen. Das birgt schon etwas Ironie. Die chinesische Regisseurin Xiaolu Guo wird am Samstag (20.10., 20 Uhr) bei der Dresdner Erstaufführung ihres in China verbotenen Filmes „Ufo in her Eyes“ anwesend sein. Ein kleiner Erfolg und große Bereicherung für die Filmtage. Schließlich setzt sich der Film auf interessante Art und Weise mit der Planwirtschaft, sozialistischen Ortsvorstehern und verstecktem Kapitalismus auseinander.

Doch Fakt bleibt, dass immer weniger Filme von den Kinoverleihen für die große Leinwand zur Verfügung gestellt werden. Deswegen arbeitet das KiF vermehrt mit Video- und DVD-Verleihen zusammen, um auch weiterhin den Dresdnern die Vielfalt des asiatischen Films zu präsentieren. Vor der eigentlichen Filmtage-Eröffnung zeigt das KiF den neuesten Bollywoodstreifen aus Indien „Joker“ (17.10., 20.15, 19.10., 17 Uhr) bevor es am Donnerstag offiziell mit einer „Kleinen Filmakademie“ (18.10., 20 Uhr) über den asiatischen Film und mit kulinarischen Genüssen los geht.

Fans sei die Hass-Trilogie, „Love Exposure“ (19.10., 19.30 Uhr), „Cold Fish“ (22.10., 19.30, 24.10., 19.30) und „Guilty of Romance“ (18.10., 17.00, 23.10., 21.45) des japanischen Regisseurs Sion Sono ans Herz gelegt. Oder das gelungene und sehr elegante Remake des 1962er Klassikers „Hara-Kiri – Tod eines Samurais“ (19.10, 21.45, 22.10, 21.45). Nicht zu vergessen sind die Filme von Kim Ki-Duk („Bin Jip“) oder Na Hong Li („The Chaser“). Bei über zwanzig Filmen in sieben Tagen fällt auch dieses Jahr die Wahl schwer. Zum Glück. Und so dreht sich nicht nur alles um „Bollywood – the greatest love story ever told“, Samuraii-Filme, südkoreanische Thriller, packende Dokus über chinesische Künstler, sondern am Ende einfach um eine faszinierende Filmewelt aus Fernost.

Janine Kallenbach

Linktipp: www.kif-dresden.de

Foto: REM aus „Bollywood-the greatest love story ever told“

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Fernsehturm ohne Geheimgesellschaft

Tellkamp-Buch: Vom Roman zum ARD-Zweiteiler

Mit furioser Eigenwerbung der öffentlich-rechtlichen Sender angekündigt, flimmerte der lang erwartete Zweiteiler zu Uwe Tellkamps Dresden-Roman „Der Turm“ (2008) am Tag der Einheit und dem Nacheinheitstag über die deutschen Bildschirme. Die Einschaltquoten von rund 7,5 Millionen (Marktanteil 21 Prozent) für den ersten und 6,3 Millionen (Marktanteil 19,7 Prozent) für den zweiten Teil rechtfertigen wohl auch für den Film die Bezeichnung als Bestseller.

Wie im Roman führt Regisseur Christian Schwochow die Zuschauer dabei zunächst per Standseilbahnfahrt hinauf in jenes Dresdner Viertel, das Tellkamp in seinem Roman zum gutbürgerlich abgegrenzten „Turm“ (Foto: N. Czerwinka) stilisiert. Mit flotten Schnitten haben die Filmemacher die Handlung des Wälzers auf zwei abendfüllende Filmeteile zusammengerafft, ohne die Vorlage dabei zu verhunzen. Die Abweichungen von der Romanhandlung sind nur gering und die paar eingefügten Szenen wirken eher erklärend, als störend. So wähnt sich Deutschlands Fernsehpublikum nach den gut 180 Filmminuten wohl glücklich, dass es sich die Lektüre der fast 1000 sprachlich teils zäh mäandernden Buchseiten über den DDR-Alltag in Dresdens Nobelviertel dank gesamtdeutschem Bildungsfernsehen nun ersparen konnte. Der Film erfüllt damit genau jene Hoffnung, die vor fast genau zwei Jahren bereits die gleichnamige Theaterinszenierung am Staatsschauspiel Dresden weckte – die mittels Schauspiel jedoch Lektüre nicht gänzlich ersetzen konnte, was Dresden und seine Gäste wiederum enttäuschte.

Der Handlungsort Dresden und sein Hirsch-Viertel aber – und das ist der eben große Unterschied zum Buch – spielen im Film allenfalls eine periphere Rolle. Die besagte Standseilbahnfahrt, ein Spaziergang auf den Straßen, eine Villa. Das ist neben den immer wieder eingeblendeten Panoramabildern auch schon alles, was von der Stadt im Film gezeigt wird. Im Gegensatz zum eigentlichen „Turm“ bekommt hier vielmehr das bei Tellkamp gegenüber angelegte (fiktive) „Bonzenviertel“ Ostrom mit roten Fahnen und Peter Sodann (als Barsano) ein Film-Gesicht. So rückt der sozialistische Staatsapparat vor einer Art türmerischer Geheimgesellschaft auf dem Bildschirm über weite Strecken in den Vordergrund.

Denn anders als im Roman steigen die Figuren in Thomas Kirchners Drehbuch von Anfang an von diesem Turm hinunter. Zwar sind die Hoffmanns, Rohdes und Tietzes (der Film wirft für Buchunkundige blitzschnell mit unzähligen Namen um sich) ebenfalls Intellektuelle und Ärzte, jedoch hat der Nischencharakter von Tellkamps „Turmgesellschaft“ (die es übrigens auch schon bei Goethe gab) auf dem Hirsch über den Dächern von Dresden im Film-„Turm“ kaum noch Bedeutung. Im Gegenteil: Die im Buch so bildhaft beschriebene Hermetik des Stadtviertels wird bei Schwachow zugunsten der Handlung und präziser Charakterdarstellungen (zumindest der Hauptpersonen) zurückgedrängt. Auch die Tellkamp‘sche Walpurgisnacht, in der sich Turmgesellschaft und Oströmer am Ende des Romans rauschhaft begegnen, wird eliminiert. Die bröckelige Umgebung der mit Antiquitäten und Kunst vollgestopften Villenstuben ist damit nur mehr Kulisse für das nackte Handlungsgerüst. Und dass dieses auf den heimischen Bildschirmen auch ohne den literarischen Schnickschnack drum herum funktioniert, ist wohl vor allem der Verdienst der grandiosen Darsteller sowie eines ausgefeilten Gestaltungskonzeptes, das immerhin Raum für kleine Anspielungen auf einige der literarischen Leitmotive der Romanvorlage (etwa Umweltverschmutzung und Naturbilder) lässt. Was man freilich nur dann erkennt, wenn man sie denn gelesen hat.

Das ist für Dresden und die (Primetime ARD-) Fernsehzuschauer, auch für Buchleser und offenbar sogar für den Autor selbst zu verschmerzen. Denn letztlich wirft der Film ja nur eine andere Perspektive auf das Buch, eine Perspektive, die der Roman aber durchaus in sich selbst widerspiegelt – obwohl man sich bei manch schnellem Szenenwechsel doch fragt, ob Nicht-Roman-Kenner alle Handlungsstränge noch nachvollziehen können. Was allein an dieser Perspektive stört, ist nicht dem Film und schon gar nicht dem detailreichen Roman geschuldet. Es ist allein der Anspruch, der in allen Ankündigungsinterviews und Filmvorschauen – sie sind bis heute in einer umfassenden Mediathek im Internet nachzulesen – an diesen Stoff gestellt wird. Zwischen den Zeilen nämlich erweckt dieses öffentlich-rechtliche Bonusmaterial einmal mehr den Eindruck, Tellkamps buchpreisgekröntes Werk solle nun, 22 Jahre nach der Wende, einem Massenpublikum via Filmabend vor der Flimmerkiste dazu verhelfen, die DDR und ihren Alltag posthum zu verstehen, ohne ihn dabei zu gleich wieder zu verklären. Dafür gab es auch schon andere, hochgelobte Beispiele. Erfüllt wurde diese Erwartung aber dennoch nie. Wer den „Turm“ allerdings ohne die Sehnsucht nach derlei historischen Erklärungen sieht, wird in ihm nicht nur eine geglückte Romanzusammenfassung, sondern auch einen packenden Film, eben eine „Geschichte aus einem längst versunkenen Land“ entdecken.

Nicole Czerwinka

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