Shakespeare für Hartgesottene

Titus Andronicus, Staatsschauspiel Dresden
Titus Andronicus poltert in einer deutsch-polnischen Kooperation am Kleinen Haus Dresden (Foto: PR/Natalia Kabanow).

„Titus Andronicus“ am Kleinen Haus

Shakespeares „Titus Andronicus“ ist ein vulgäres Stück über Rache und Krieg. Es gilt als Shakespeares blutigstes Drama ohne Moral und ist vermutlich auch deswegen vom Theater der Neuzeit über Jahrhunderte hinweg an den Rand der Vergessenheit gedrängt worden. Eine Kooperationsarbeit des Staatsschauspiels Dresden und des Teatr Polski Wroclaw holt es von dort zurück auf die Bühne. Und wie. Der polnische Regisseur Jan Klata – in seiner Heimat kein Unbekannter – serviert mit seiner Inszenierung in Wroclaw und Dresden eine wuchtig-schonungslose Theaterproduktion, an der sich die Geister scheiden – weil sie nicht schön, aber anders ist und Shakespeares Vorlage dabei trotzdem durchaus gerecht zu werden scheint.

Es ist ein theatrales Feuerwerk mit grellem Blitz und lautem Donner, das hier zweieinhalb Stunden lang auf das Publikum niederprasselt. Ein wahrhaft vulgäres und abstoßend gewalttätiges Stück, skurril, schräg, bösartig und kompromisslos, brutal und dennoch gelungen zweisprachig inszeniert. Der Kampf zwischen Römern (Titus Andronicus) und Goten wird hier auf einer düsteren Bühne ausgetragen. 21 Sargkisten fallen zu Beginn laut krachend unter militärischem Marschgeklapper auf die Bühne, sie stehen für die 21 Söhne, die Titus der Sieg über die Goten gekostet hat. Als er anschließend den Sohn der Gotenkönigin Tamora als Brandopfer tötet und diese dann auch noch den neu ernannten Römischen Kaiser ehelicht, nimmt das blutige Rachedrama seinen Lauf.

Barbarische Gewaltszenen, verpackt in einen schrillen Diskosound, der ab und an mit militärischen Stechschritten kombiniert wird, um das Ganze auf allen Sinnesebenen ja noch wuchtiger zu gestalten, zeigen hier den verbitterten Rachefeldzug zwischen Goten und Römern. An dessen Ende steht das kannibalische Fressen des Gegners, ohne Moral. Auch bei Shakespeare. Nur dass sich hier anstatt der Römer, Deutsche in mit Wehrmachtstechnik bedruckten Shirts und Polen als barbarische Goten in Hawaiihemden gegenübertreten und gegenseitig niedermetzeln – wobei die Derbheit des Stückes auf die gestalterische Spitze getrieben wird. Da fliegen abgehackte Hände über die Bühne und Babys werden verspeist, die stumme Lavinia kehrt blutig vergewaltigt aus den Klauen der Goten zurück. Dazwischen lugt nur ab und zu ein Stück vergnügliche Ironie hervor, meist in Zweisprachigkeit verpackt, die zur Abwechslung ein paar müde Lacher provoziert.

Wirklich menschlich ist keine dieser Figuren auf Bühne, alle handeln brachial und übertrieben, offenbar von niederschmetternden Emotionen geleitet, die an Amokläufer aus dem Fernsehen erinnern. Das zweisprachig mit wirkungsvoll auf weißer Leinwand arrangierten Übertiteln angelegte Stück kommt dabei über lange Strecken nahezu ohne Text aus. Nur das Wichtigste wird gesagt, der Rest ist grell lautstarkes Effekttheater. So ist es am Ende denn auch egal, ob sich Römer und Goten oder Deutsche und Polen auf der Bühne gegenüberstehen, werden hier doch schließlich ohnehin bloß Extreme ohne Graustufen gezeigt, die jeder Hoffnung auf Besserung oder gar Läuterung entbehren.

Die schauspielerische Leistung ist dabei durchweg grandios, schade nur, dass das Publikum in der Wucht der Inszenierung davon größtenteils unberührt bleibt. So wartet etwa Torsten Ranft als Titus-Bruder Marcus Andronicus immer wieder mit keckem Lautklamauk auf und erscheint wie ein in die Handlung verwobener Erzähler, zu dem Wolfgang Michalek als Titus eher in den Hintergrund rückt – wenn er nicht gerade mal wieder lauthals brüllend Rache übt. Und während Paulina Chapko als geschundene Titus-Tochter Lavina in ihrer stummen Opferrolle physisch und psychisch gefesselt auf der Bühne steht, tigert Ewa Skibinska als hinterlistige, erotisch laszive Verführerin und fahrig-gedankenversunkene Rache-Kaiserin über die Bühne.

Die wiederum ist mit den 21 Holz-Sarg-Kisten und der weißen Leinwand im Hintergrund so einfach wie wirkungsvoll gestaltet. Das Bühnenbild von Justyna Lagowska-Klata wird von den kunstvoll arrangierten Übertiteln regiert und gibt trotz oder dank seiner Kargheit viel Raum für Bilder, die die Handlung um Krieg, Rache und Politik eben heraufbeschwört. Die größte Rolle in diesem Reigen aus kriegerischen Grausamkeiten nimmt jedoch immer wieder die Musik ein, die mal laut wummernd, dann wieder ironisch stimmungsvoll („Flames of Love“), immer aber überlaut tönend Raum greift, sodass der krude Machtkampf ähnlich einem Krieg auf der Diskotanzfläche erscheint.

Bei all dem bleibt die Inszenierung dennoch schockierend, abstoßend, grell überzogen und grausam laut, auf ihre Weise jedoch faszinierend zugleich werden diese zweieinhalb Stunden keine Minute langweilig. Dem gern vergessenen Bastard unter Shakespeares Stücken mag das vielleicht gerecht werden, ob es in aller Wuchtigkeit und Brutalität jedermanns Sache ist und so wie zu Shakespeares Zeit auch heute ein großes Publikum begeistern kann, ist dagegen fraglich.

„Titus Andronicus“ am Kleinen Haus Dresden, wieder am 06.10., 19.30 Uhr; 07.10., 19 Uhr; 10.11., 19.30 Uhr und 11.11., 19 Uhr

Weiterlesen

Drei Gesichter der Johanna

„Eine Reise zu Jeanne d’Arc“ in Radebeul

Vor 600 Jahren in Lothringen geboren, befreite Jeanne d’Arc ihre Heimat Frankreich im Hundertjährigen Krieg von den Engländern, wurde von selbigen später auf dem Scheiterhaufen verbrannt und noch einmal rund 450 Jahre danach posthum selig gesprochen. Seit Jahrhunderten schon schillert der Mythos dieser historischen Figur nun in den verschiedensten Farben. Drei Facetten der Legende Jeanne d’Arcs, nämlich drei Theateradaptionen ihres Mythos, hat Regisseur Arne Retzlaff an den Landesbühnen Sachsen nun mit „Johanna – Stimmen, eine Reise zu Jeanne d‘Arc“ im sakralen Raum der Radebeuler Lutherkirche zu einem neuen Stück vereint.

Mit Schillers „Jungfrau von Orleans“ (1801), Jean Anouilhs „Jeanne oder die Lerche“ (1953) und Felix Mitterers „Johanna oder die Erfindung der Nation“ (2002) stehen hier drei Dramenausschnitte aus drei Zeiten mit drei unterschiedlichen Sichtweisen auf Johanna im Mittelpunkt. Sandra Maria Huimann mimt Schillers jungfräuliche Kämpferin mit der nötigen Unerbittlichkeit und stellt so zu einen klaren Kontrast zu Anouilhs Heldin (Dörte Dreger) dar, die ein beherztes Plädoyer für die Menschlichkeit hält, anstatt das Schwert zu ziehen. Die verheerendste Zuspitzung der Johanna-Figur ist jedoch die des Österreichers Mitterer. Julia Vincze verleiht diesem traurigen Spiegelbild der körperlich und geistig geschwächten Kämpferin die nötige Mischung aus Willen und Verzweiflung.

Im Hintergrund wechseln dabei in flottem Tempo, trotzdem stets gut nachvollziehbar, die Nebenrollen auf der an schlichte Puppentheaterkulissen erinnernden Bühne (Stefan Wiel). Der Vordergrund bleibt stets ganz den Johannen vorbehalten. Die Drittelung des Stoffes indes ist deutlich herausgearbeitet, in sich aber trotz der Zeit- und Handlungssprünge überraschend stimmig – und regt gewiss zur weiteren Reflexion dieses Mythos an.

Nicole Czerwinka

„Johanna – Stimmen, eine Reise zu Jeanna d’Arc“ an den Landesbühnen Sachsen, wieder am 30. September, 11. und 13. Oktober, jeweils 19.30 Uhr in der Lutherkirche Radebeul

Weiterlesen

Die Türkei zu Gast in Dresden

Societaetstheater lädt zu Europa-OFF-Fest

Theater- und Musikkünstler aus der Türkei sind dieser Tage mit einem vielseitigen Programm in Dresden und Leipzig zu Gast. Unter dem Titel „Off Europa: Türkei urban“ haben sich das Societaetstheater Dresden und das LOFFT in Leipzig zu einem Deutsch-Türkischen Theaterfestival mitten in Sachsen zusammengetan. Bis zum 21. September ist in beiden Städten eine Auswahl von jungen türkischen Theateraufführungen, Performances, Tanzdarbietungen, Filmen und Musik zu erleben, die den Facettenreichtum aus der freien Tanz- und Theaterszene der Türkei, insbesondere Istanbuls an hiesige Theater (Foto: PR) bringt.

Diese Inszenierungen stammen größtenteils aus Istanbul, sie handeln von Aufbrüchen, Emanzipationsschritten und Momenten der Befreiung. Insbesondere junge Künstlerinnen befragen ihre noch immer fragile Stellung in der türkischen Gesellschaft darin selbstbewusst und bezwingend (z.B. in „Aptal, Siridan, Ve Suclu“/„Dumm, Gewöhnlich und Schuldig“). Doch auch ihre männlichen Kollegen zeigen sich reflektierend und sensibel, beispielsweise in Performances, die sich einer Dialogbereitschaft mit dem Publikum verschrieben haben („Sen Balik Degilsin Ki“/„You Are Not A Fish After All“).

Zudem haben die deutschen Theaterleute auch ganz bewusst Künstlerinnen und Künstler mit türkischen Wurzeln eingeladen, die in Städten wie Amsterdam, Berlin oder Hamburg leben und arbeiten sowie in manchen Fällen auch schon außerhalb der Türkei geboren wurden. Der Hip-Hop-Rapper Volkan T. und der Tänzer, Performer und Choreograf Melih Gencboyaci sind nur zwei Beispiele dafür. (NC)

Linktipp & Programm: www.offeuropa.de

Weiterlesen

„Turm“-Film zum Einheitstag

Tellkamps Dresden-Saga in der ARD

Die Figuren aus Uwe Tellkamps Dresden-Roman „Der Turm“ (2008) werden am 3. und 4. Oktober im Fernsen zu Leben erwachen. Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit wird das in der Wende-Zeit angesiedelte Familienepos des Dresdner Autors als Zweiteiler in der ARD ausgestrahlt (jeweils 20.15 Uhr). Der von der Firma teamWorx produzierte Film ist rund 180 Minuten lang und folgt im Wesentlichen der Romanhandlung, die das Leben des Dresdner Bildungsbürgertums zwischen 1982 und 1989 behandelt und vor allem im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch (Foto: NC) spielt.

Die Dreharbeiten zu dem Film fanden 2011 auch in Dresden und Umgebung sowie in Görlitz, Bad Düben, Pilsen (CZ) und Berlin statt. Als Hauptdarsteller standen dabei Jan Josef Liefers und Claudia Michelsen vor der Kamera. Zusammen mit Roman-Autor Uwe Tellkamp und Regisseur Christian Schwochow feiern sie bereits am 24. September im Parkhotel am Weißen Hirsch in Dresden Gala-Premiere des Films. Am 28. September wird „Der Turm“ dann auch in Berlin vorgestellt. Zwei Jahre zuvor feierte „Der Turm“ bereits als Theateradaption in zwei Versionen am Staatsschauspiel Dresden sowie in Wiesbaden Premiere. (NC)

Linktipp: www.mdr.de/der-turm/index.html

MDR-Interview zum Film: www.mdr.de/mdr1-radio-sachsen/audio350440.html

Weiterlesen

Junger Mut zur Andersartigkeit

„Apollo und Hyacinthus“ im Labortheater

Am Anfang war es nur eine Schnapsidee. Eine A-cappella-Oper für Dresden sollte es werden, ein neues, wagemutiges Projekt, das sich Regiestudent Toni Burghard Friedrich zusammen mit seinem Freund Michael Blessing, Student für Musikpädagogik und Leiter des Jazzchores Dresden, eines weinseligen Abends vornahm. „Das war so eine Idee unter befreundeten Künstlern, weil Michael einen Chor leitet“, sagt Toni Burghard Friedrich. Der gebürtige Zittauer ist 22 Jahre alt, hat sein Abitur in Dresden gemacht und studiert derzeit Regie für Oper und Schauspiel in Wien. Gemeinsam mit Blessing begann er flugs, ein geeignetes Team für das mutige Vorhaben zusammenzusuchen. Sie bemühten Kontakte zu den Dresdner und Leipziger Musikhochschulen sowie zur Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden und fanden dort rund 25 junge Leute – allesamt Studenten, zwischen 20 und 27 Jahren alt – die seit März einen Verein namens „szene12“ bilden.

Allein das Vorhaben einer A-cappella-Oper entpuppte sich schnell als zu komplex für eine zeitnahe Aufführung, sodass die abendliche Schnapsidee unter der szene12-Flagge binnen eines Jahres schließlich zu einem sorgfältig geplanten, langfristig angelegten Musiktheaterprojekt für Dresden heranwuchs. Einmal im Jahr wollen die Studenten nun jeweils in den Semesterferien ein ebenso junges wie unkonventionelles Musiktheaterprojekt für die Stadt auf die Beine stellen.

Die Uraufführung der A-cappella-Oper „Serpentina“ nach E.T.A. Hoffmanns „Der goldene Topf“ vertagten sie also kurzerhand auf 2014 – wobei sie fortlaufend daran weiterkomponieren. Statt Hoffmanns Romantiknovelle wird szene12 am Donnerstag (13.9.) nun zunächst Mozarts ersten, sonst kaum gespielten Opernstreich „Apollo und Hyacinthus“ (1764) in einer jugendlich-ausprobierfreudigen Version mit neuem Leben erfüllen. Dank ihren Mitstreitern, den HfBK-Studenten Leonore Pilz und Dennis Ennen, die für Bühne und Kostüm verantwortlich zeichnen, war mit dem Labortheater der HfBK denn auch schnell ein geeigneter Aufführungsort gefunden.

In singspielhafter Weise haben die Studenten Mozarts Oper mit dem eher unbekannten Lustspiel „Der vermeinte Prinz“ (1674) von Kasper Stieler gepaart. Die Idee dazu kam Toni Burghard Friedrich in einem Theaterseminar in Wien. „Thema des Lustspiels ist ein König, der seine Tochter als männlichen Thronfolger erziehen lässt. Bei uns werden beide Werke auf Mozarts musikalischer Grundlage zu einem neuen Stück vereint“, sagt er. Solch ungewöhnliche Perspektiven auf kaum gespielte Stücke sowie besondere Aufführungsorte und experimentelle Ideen sind das Anliegen des Vereins. Szene12 will anders sein als die etablierten Hochschulinszenierungen in Dresden, freier, auch mutiger. „In jedem anderen Theater würde man vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn wir alle Rezitative einer Oper kürzen. Aber das ist eben das Schöne an unserem Verein, dass wir hier ganz frei mit unseren Mitteln spielen dürfen“, sagt er.

Die Zielgruppe für dieses Musiktheaterexperiment kann der junge Regisseur dagegen nur schwer bestimmen. Seine Inszenierung wird nur vom Klavier begleitet und stellt den Gesang in den Mittelpunkt. Sie sei nicht kitschig, aber schon verspielt, sagt Friedrich – und ergänzt: „Ich denke trotzdem, dass unser Mozart auch eine Oper für Einsteiger ist.“

Seit August laufen die Proben im Labortheater (Foto: PR). Doch damit nicht genug. Denn auch über die aktuelle Mozart-Aufführung und das A-cappella-Projekt von 2014 hinaus gebe es im Verein schon zahlreiche Ideen für weitere Inszenierungen, für deren Realisierung Mozart allenfalls den Auftakt bildet.

Damit dieser gelingt, feilen die Studenten mit viel Herzblut und Liebe zum Detail an der Inszenierung ihrer Minioper, die mit einem Minibudget von rund 400 Euro und von allen Beteiligten neben dem Studium unentgeltlich realisiert wurde. „Jeder hat für das Projekt so viel er kann in den Topf geschmissen“, sagt Friedrich. Das musste für Kostüme, Bühnenbild, den Druck von 2000 Flyern und Plakaten sowie die Verpflegung des Ensembles reichen. Die Webseite mit Probentagebuch erwuchs in Eigenregie des Regisseurs, das Labortheater stand dem jungen Team zudem in allen technischen Fragen zur Seite. Auch wird das szene12-Projekt für viele der Mitstreiter als Studienleistung für den bevorstehenden Master-Abschluss anerkannt. Für die kommenden Projekte wollen sie dennoch nach und nach Sponsoren finden.

Zunächst gilt es jedoch erst einmal, das Pilotprojekt erfolgreich über die Bühne zu bringen. Zur Premiere am Donnerstag sind die rund 120 Plätze im Labortheater – wohl auch dank eines lokalen Fernsehbeitrages – bereits ausverkauft. Für die beiden Folgevorstellungen am 14. und 15. September gibt es noch Karten zum Preis von neun Euro (ermäßigt sechs Euro). Nach den drei Aufführungen in dieser Woche soll „Apollon und Hyacinthus“ zudem auch im Mai 2013 noch einmal in Dresden zu sehen sein. Außerdem sind im kommenden Jahr Gastspiele in Berlin, Wien und Flensburg geplant. Anschließend beginnen dann nahtlos schon wieder die Proben für das nächste szene12-Stück. Ein Kantatentriptychon soll es werden, das steht bereits fest. – Und da sage noch einer, Schnapsideen seien unfruchtbare Stammtischgewächse.

 (erschienen in DNN vom 11.09.2012)

„Apollo und Hyacinthus“, am 13., 14., 15.9.2012, 20 Uhr im Labortheater, Karten zu 9 (ermäßigt 6) Euro unter Tickets@szene12.de sowie an der Abendkasse

Linktipp: www.szene12.de

Weiterlesen

Norwegische Autoren lesen in Dresden

Lange Nacht der nordischen Literatur

Nordische Autoren werden am 31. August (19 Uhr) in Dresden zu Gast sein und aus ihren Werken lesen. Die Lesung im Literaturhaus Villa Augustin findet im Rahmen einer Lesungsreihe namens „Schriftproben – lange Nacht der nordischen Literatur“ statt, bei der vom 30.8. bis 7.9. deutschsprachige und nordische Autoren in Berlin, Stuttgart und Dresden zusammentreffen. Initiiert wird das Ganze unter der künstlerischen Leitung von Susan Bindermann, Literaturagentin, und Moritz Malsch, Leiter der Lettrétage Berlin.

„Das Literaturhaus Villa Augustin pflegt schon seit Längerem engen Kontakt mit dem Berliner Literaturhaus Lettrétage. Dieses hat uns nun als Kooperationspartner für Schriftproben hinzugeholt“, sagt Jan Göthlich vom Dresdner Literaturhaus.

Insgesamt 15 Prosa-Autorinnen und Autoren zwischen 25 und 40 Jahren, die aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Österreich und Deutschland kommen und sich in den literarischen Szenen ihrer Länder bereits einen Namen gemacht haben, stehen bei Schriftproben im Mittelpunkt. Sie sprechen über individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedingungen des Schreibens, diskutieren untereinander ihre jeweiligen poetologischen Positionen und stellen erstmals übersetzte literarische Texte öffentlich vor. Daneben erhalten die nordeuropäischen Teilnehmer über die vielfältigen Termine des Rahmenprogramms die Gelegenheit, wichtige Institutionen der deutschen Literaturlandschaft kennenzulernen.

In Dresden werden dabei zehn Autoren aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Island und Finnland ihre Werke vorstellen. Unter anderem werden die norwegischen Autoren Dan Aleksander Andersen und Benedicte Meyer Kronberg über ihre Werke reden. Aus Schweden sind Eiríkur Örn Norddahl und Haukur Már Helgason mit von der Partie. Die Lesungen finden in Originalsprache durch die Autoren und in deutscher Übersetzung durch Schauspieler statt.

Alle Lesungen können anschließend als Podcast heruntergeladen und per Livestream mitverfolgt werden. Geplant ist zudem, im Anschluss an die Konferenz die Texte in Übersetzung als Anthologie zu veröffentlichen.

Nicole Czerwinka

Weiterlesen

7000 Enten paddeln die Elbe hinunter

5. Dresdner Entencup erfolgreich gestartet

Ja, was schwimmt denn da? Das war ein Bild für die Götter: 7000 Quietscheenten paddelten beim 5. Dresdner Entencup am Nachmittag (19.8.) zwischen Carola- und Augustusbrücke wieder die Elbe hinunter. Die von den Dresdner Lions und Leo Clubs zum fünften Mal initiierte Spendenaktion lockte auch dieses Jahr Hunderte Stadtfestbesucher ans Elbufer. Schon Wochen zuvor hatten die Enten für jeweils fünf Euro treue Adoptiveltern gesucht – dank zahlreicher Sponsoren konnten diese dann – je nach Starteinlauf ihrer Ente – verschiedenste Preise gewinnen. Der Reinerlös der Veranstaltung kommt wie immer einem guten Zweck zugute. Dieses Mal wird das Geld der Interessengemeinschaft Sternwarte Gönnsdorf zur Verfügung gestellt. (NC)

Weiterlesen

Doppelte Ironie in der Ruine

„Purcells Traum von König Artus“ in der St. Pauli Ruine

König Artus steht auf dem Abstellgleis. Noch während er innbrünstig seine Arien schmettert – liebevoll bewundert von der blinden Emmeline –, fegt eine Horde geldgieriger Investoren durch das alte Opernhaus. In Tankred Dorsts bissiger Satire „Purchells Traum von König Artus“, die just am Freitag (27. Juli) in der St. Pauli Ruine Premiere feierte (Foto: PR), wollen sie die Opernruine zu einem profitträchtigen Kaufhaus umgestalten. Mit Bauhelmen auf den glatt frisierten Köpfen rücken sie an, entfalten Baupläne und beratschlagen vor folienverhängten Wänden (Bühne & Kostüm: André Thiemig), was aus dem Gemäuer am besten zu machen wäre. Schon vor dem eigentlichen Beginn des Stückes stolzieren sie wild diskutierend durch die Publikumsreihen – und lassen die Zuschauer so quasi selbstironisch an der Präsenz des Stoffes teilhaben. In den folgenden gut zwei Aufführungsstunden liefern sie sich mit einigen merkwürdigen Gestalten, die sich in dem alten Gemäuer treffen sowie mit Figuren aus Henry Purchells „King Arthur“ einen ironischen Kampf von Künstleridealismus und Kommerzgier. In diesem ist es einzig die blinde Emmeline, gekonnt gespielt von Ingrid Schütze, die das wahre Gute im Menschen zu erkennen vermag – jedenfalls solange sie blind ist.

Basierend auf Purchells (1659-1695) Semi-Opera „King Arthur“ (1691) – in der sich der britische König Artus mit den Sachsen einen erbitterten Kampf um die blinde Prinzessin Emmeline liefert –, versuchen König Artus, dessen Ritter, Merlin und eine Horde merkwürdiger Alltags-Enthusiasten in Tankred Dorsts hintersinnigem Stück, die Opernruine gegen die Profithungrigen zu verteidigen. Der deutsche Dramatiker Dorst (geboren 1925 in Thüringen) ist bekannt für seine zeitkritisch-ironischen Theatersatiren und beschäftigte sich mit dem Artus-Stoff als Utopie einer besseren Welt bereits 1981 in seinem Werk „Merlin oder Das wüste Land“. Im Jahr 2004 wurde sein Stück „Purchells Traum von König Artus“ in Wiesbaden uraufgeführt.

Anstelle von Purchells kriegerischen Angelsachsen setzt Dorst die Investoren als feindliche Eindringlinge in den idealistischen Kulturbetrieb, indem Artus so etwas wie die Leitfigur einnimmt. Mit Umhang und Krone markiert er die von den alten edlen Ritter-Idealen beseelte Welt der Kunst und Fantasie, in der kein Platz für die Berechnung der Moderne ist. Frank Weiland gestaltet die Artus-Figur so gutherzig wie naiv und verleiht ihm so wahrhaft märchenhafte Züge, die dem verbissen-kühlen Konsumwillen des Geschäftsführers Collani (Björn Schröder) nicht nur optisch gegenüberstehen. So trifft der ahnungslose Edelmut des Königs in ironischer Weise gleichsam als „schöner Gedanke der Menschheit“ auf die Gier der Investorengruppe.

Als es in der St. Pauli Ruine dämmert, scheint der Sieg der Investoren jedoch zunächst besiegelt, ihre kühle Profitgier hat die Szene in Anlehnung an Purchells berühmte „Frost-Szene“ eine düstere Eislandschaft verwandelt. Doch „die Liebenden kommen immer zusammen am Ende“, sagt Artus und gewinnt den Kampf um Emmeline und gegen die Investoren, wenn auch knapp.

Das alte Opernhaus bei Dorst wird in der St. Pauli Ruine dabei zum sprichwörtlich bedrohten Theater. Schließlich stand auch die Existenz der seit 13 Jahren von einem gemeinnützigen Verein von Theaterenthusiasten bespielten Kirchruine im Herzen des Dresdner Hechtviertels schon mehrfach zur Disposition. Dank Ausbau und Neueröffnung im Frühjahr 2012 konnte das Ensemble dem eigentlich mit der Abrissbirne endenden Dorst-Stück nun ein versöhnliches Ende setzen. Ob dies auch im Sinne des zeitkritischen Dramatikers Dorst steht, ist fraglich. Abgesehen davon gerät die Pauli-Inszenierung von Regisseur Jörg Berger vor atmosphärischer Kulisse und immer wieder spannungsvoll ergänzt durch Gesänge und die Musik von Henry Purcell und dem amerikanischen Filmkomponisten Basil Poledouris (musikalische Leitung: Yvonne Dominik), jedoch zu einem kunterbunten, ideenreichen, mit schelmischem Witz gespickten Theaterabend, der allein von der teils schlechten Akustik bei den Sprechrollen getrübt wird.

Nicole Czerwinka

„Purcells Traum von König Artus“ in der St. Pauli Ruine Dresden, wieder am 30. und 31.7.; 7./8./9./10. und 11.8. … jeweils um 19.30 Uhr

Weiterlesen

Generation grenzenlos

Dresdnerin liest „Weiblich, jung, flexibel“

Carlynn und Ellen sind zwischen Mitte und Ende 20, mit dem (Germanistik-)Studium gerade fertig und auf dem Weg der beruflichen Selbstfindung. Die beiden Hauptfiguren in Felicitas Pommerenings Roman „Weiblich, jung, flexibel“ sind junge Frauen, wie wir ihnen auf der Straße im Jahr 2012 tagtäglich begegnen könnten, ohne es eigentlich zu merken. Zwei Mädels von nebenan, die das Schicksal der Generation grenzenlos teilen: Am Ende eines praktikumsreichen, nebenjobgeplagten und prüfungsintensiven Studiums stehen sie vor der Qual der Wahl oder der Herausforderung beruflicher Profilierung und befinden sich so mitten im Strudel unterbezahlter Full-Time-Jobs. Die Vorstellungen der beiden Protagonistinnen könnten dabei verschiedener nicht sein – ihre Probleme freilich bleiben dennoch dieselben. Während Carlynn sich nach einem geplatzen Vorstellungsgespräch bei einem versnobbten Fernsehsenderfuzzi erst einmal in Indien auf die Suche nach sich selbst begibt (ein Versuch, aus ihrem stringenten Lebenslauf einmal auszubrechen), beginnt Ellen eine Arbeit in einer Agentur für Kommunikationsdesign – mit dem utopischen Ziel, ihre 50-Stunden-Woche nach einem Jahr Befristung endlich in eine Teilzeitstelle umwandeln zu können.

Auf witzige Art erzählt Felicitas Pommerening, die ihre Jugend in Dresden verbrachte, in ihrem Debütroman anhand dieser beiden Figuren die Geschichte einer Generation, der nahezu alle Möglichkeiten offenstehen und die gleichzeitig an der Unbestimmbarkeit konkreter Ziele in einer von ständigem Wandel geprägten Zeit, in der Flexibilität zum vermeintlichen Allheilmittel wird, die Orientierung verlieren. Die eigentlichen Wünsche und Ziele der jungen Frauen – sei es die Erfüllung im Beruf, etwas „Sinnvolles“ zu tun oder auch nur der Wunsch nach Familie und Kindern – drohen in da schnell auf der Strecke zu bleiben.

Pommerening hat die Geschichten ihrer beiden Protagonistinnen aus vielen Berichten, persönlichen Eindrücken und diversen Lektüren zusammengestellt. Trotzdem bleibt ihr Roman immer Erzählung und stellt keine bierernste Dokumentation des Status quo da. Mit ihrer lockeren Schreibart spiegelt die Autorin auf humorvolle Weise die Konflikte junger Frauen – hin- und hergeworfen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, Generationskonflikten mit den Eltern und eigenen Wünschen sowie Ansprüchen an sich selbst – wider. Erfrischend ehrlich erzählt dieses Buch vom Leben zweier Freundinnen, die nicht primär nach Karriere und dem großen Geld streben, sondern vielmehr ihr eigenes kleines Glück in einer global geprägten Welt finden wollen. Anhängerinnen dieser Generation werden sich bei der Lektüre dieser 176 herzerfrischenden Seiten ganz sicher ab und an wiedererkennen und das eine oder andere Mal von herzhaften Lachen geschüttelt werden. – Mehr kann man nicht wollen.

Nicole Czerwinka

Termintipp: Felicitas Pommerening liest am Freitag (20.7.) in Dresden aus ihrem Roman „Weiblich, jung, flexibel“, 20 Uhr im Kinderladen Bambini am Blauen Wunder (Brucknerstr. 1)

Weiterlesen

6000 wandeln übern Elbhang

Impressionen von der 4. Schlössernacht

Die Dresdner Schlössernacht zog am Sonnabend (14.7.) wieder rund 6000 Menschen in ihren Bann. Das Spektakel verwandelte das Gelände um Saloppe, Schloss Albrechtsberg, Lingnerschloss und Schloss Eckberg zum 4. Mal in eine märchenhafte Kulisse. Auf 15 Bühnen traten dabei rund 250 Künstler auf. Einige Wermutstropfen mussten die Gäste dieses Jahr dennoch verkraften. So war nicht nur das große Feuerwerk wegen des brütenden Wachtelkönigs und einer seltenen Fledermauspopulation am Elbhang abgesagt worden, auch ein Teil des Parks von Schloss Eckberg war den Abend über wegen einer geschlossenen Veranstaltung gesperrt, was die Freude am Lustwandeln bei einigen Gästen durchaus trübte. (NC)

Weiterlesen