Ein (neues) Literaturfest für Dresden

1. Poesie- und Literaturfestival liest prominent

Literarische Werke von Klassik bis Gegenwart, Musik und prominente Stimmen, das sollen die Zutaten für das erste Dresdner Poesie und Literaturfestival sein. Das Rezept erfreut sich schon in Bad Homburg großer Beliebtheit. Nun will Initiator Hermjo Klein unter der künstlerischen Leitung von Bernd Hoffmann mit einem ähnlichen Programm auch das Dresdner Publikum in den Bann ziehen.

Vom 4. bis zum 8. September stehen an verschiedenen Orten in der Stadt insgesamt acht Lesungen auf dem Festivalprogramm. Zur prominenten Auslese auf den Bühnen gehören Schauspieler wie Peter Lohmeyer, Gudrun Landgrebe, Andreas Schmidt-Schaller, Sebastian Koch und Rufus Beck, die fürs Publikum selbst die Bücher aufschlagen. Mit einem Musik- und Tanzprogramm untermalt, lesen sie dabei Auszüge aus Werken wie Kleists „Marquise von O“ (gelesen von Gudrun Landgrebe), Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“, besser bekannt in Stanley Kubricks Filmversion „Eyes Wide Shut“ (gelesen von Sebastian Koch, Foto: PR), oder Arno Geigers Demenzroman „Der alte König in seinem Exil“ (gelesen von Matthias Brandt).

Nach dem gelungenen Start des Poesie- und Literaturfestivals in Bad Homburg, wo das Ganze dieses Jahr bereits zum vierten Mal stattfindet, ist Hermjo Klein davon überzeugt, dass dieses Format auch in der „kulturvollen Stadt Dresden“ gut aufgenommen wird. In Bad Homburg sei das Publikum mit dem Festival bereits mitgewachsen – und es sei zu wünschen, dass auch die Dresdner Premiere keine einmalige Veranstaltung bleibe, so Klein in einer Pressekonferenz.

Veranstaltungsorte wie das Erlweincapitol, die Christuskirche, die Festungsmauern oder der Alte Schlachthof fassen jeweils zwischen 200 und 1000 Personen. Die Veranstalter sind optimistisch, dass diese Platzkapazitäten auch in Dresden größtenteils ausgefüllt werden können. „Literaturfest, das klingt immer erst mal ein bisschen eingestaubt, aber genau das ist hierbei eben nicht der Fall“, erzählt Schauspieler Sebastian Koch – bekannt unter anderem aus „Das Leben der Anderen“ –, der die musikalische Konzeption zu seiner Lesung von Schnitzlers „Traumnovelle“ selbst erstellt hat.

Wie sehr Dresden sich dank solch prominenter Unterstützung tatsächlich als Literaturstadt outet, wird sich schlussendlich wohl erst an den sechs Festtagen im September zeigen. Der Vorverkauf für die Lesungen (Karten ab 18 Euro) ist aber bereits gestartet.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.dresdner-poesie-und-literaturfestival.de  

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Von Künstlern, Gauklern und Phantasten

16. Schaubudensommer in der Neustadt

Es ist ein buntes Festival der Kulturen fernab der Dresdner Touritempel, das den Scheunehof seit nunmehr 16 Jahren jeweils elf Tage lang im Juli in ein kleines Wunderland verwandelt. Mit viel Liebe zur skurrilen Kleinkunst haben die künstlerischen Leiter des Schaubudensommers, Helmut Raeder und Heiki Ikkola, dieses Kleinod der Phantasie inzwischen zu einem Anziehungspunkt für Publikum aus allen Dresdner Stadtteilen gemacht.

Ihr internationales Sommerfestival für Theater, Vergnügen und Musik lockt dieses Mal vom 4. bis zum 14. Juli mit einer Vielzahl von komischen, zauberhaften, skurrilen und hintersinnigen Vorstellungen (Foto: em.-Archiv/2010). Neustädter Urgesteine wie „Annamateur“ und die „Compagnie Freaks und Fremde“ behaupten dabei ebenso wie international renommierte Gruppen ihren Platz im Programmheft. So werden auch Künstler aus Russland, Spanien, Chile, Frankreich, den Niederlanden, USA, dem Iran, Großbritannien und Australien das Dresdner Publikum in diesen elf Tagen verzaubern.

Ihre halbstündigen Auftritte überwinden Ländergrenzen dabei meist ganz ohne Sprache, mit den viel wirkungsvolleren Mitteln der Kunst. So lassen etwa Anton Adassinsky und Pavel Semchenko, die beiden Gründer der legendären St. Petersburger Theater „Derevo“ und „Akhe“, in ihrer Show den Harlekin spielen, tanzen und verweilen, bis ein ewiger Zweifler seine leichtfüßigen Träume durchkreuzt. Ganz ohne Worte erzählen sie über Höhenflüge, Tränen, die Liebe und über die Verlegenheit, direkt zu sagen, was man denkt – und zeigen dabei 1000 Gründe auf, warum es nicht jetzt … nicht so … und besser ist, überhaupt nicht zu tun (4./5. Juli, ab 20 Uhr).

Chaotische Konzerte für Kontrabass, Trompete und Maracas hat dagegen das französische Duo „Les Happy Day“ im Gepäck. Getreu dem Motto „Don’t worry, everything is worse“, strotzt ihr Auftritt derart vor Tollpatschigkeit, dass beim Publikum wohl einige Lachtränen kullern werden (10.-14. Juli). Aus Dresdner Schrottfundstücken recycelte Klanglandschaften bringt das Musikduo Jan Heinke (Stahlcellist) und Demian Kappenstein (Trommler) zu Gehör (4.-7. Juli), während „The Fuck Hornisschen Orchestra“ mit infantiler Freude auf billigen Spielzeuginstrumenten musiziert (4./5. Juli).

Wie in den vergangenen 15 Jahren verbirgt sich auch anno 2013 in schönster Schaubudenmanier in jedem Zelt und hinter jedem Vorhang eine andere Kuriosität, verpackt in pantomimische, figürliche, tänzerische oder musikalische Darstellungsweisen. Die wahre Weite dieses Wunderlandes im vergleichsweise kleinen Scheunehof ist wohl kaum auf diesen Zeilen zu beschreiben. Sie eröffnet sich nur dem, der eintritt, um sich einen Abend (oder mehrere) lang davon verzaubern zu lassen.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.schaubudensommer.de

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Die Musketiere kämpfen im Bärenzwinger

Sommertheater-Company startet 10. Saison

Eine spanische Königin, ein französischer Kardinal, der Herzog von Buckingham und drei Musketiere – oder waren es doch vier? –, das sind die Zutaten, mit denen Peter Förster und seine Sommertheater-Company das nunmehr zehnte Theater im Bärenzwinger anrichten. Das neue Stück „Eine für alle – ein Shakespeare von den Musketieren“ feiert am 12. Juli Premiere (20 Uhr) und mixt Romane von Alexandre Dumas mit einer Prise Gegenwartsbezug zu einer bärenzwingertauglichen Försterfassung.

Um Lust und Leidenschaft geht es, ebenso wie um das Streben nach Ehre, verspricht der Dresdner Stückeschreiber Peter Förster. Es ist das allzu Menschliche, das bei ihm ganz im Stile Shakespeares die Handlung vorantreibt. Und obwohl der englische Dramatiker dieses Mal nur als Zitat die Bühne betritt, steckt auch in „Eine für alle“ viel vom Geiste des alten William. „Shakespeare hat Theater für die Leute gemacht. Das versuchen wir auch. Wenn wir das Publikum gut unterhalten wollen, müssen wir hart arbeiten, damit unsere Zuschauer glauben: das geht denen aber leicht von der Hand“, erklärt Förster. Er schreibt und inszeniert seine Stücke stets mit einem Augenzwinkern – witzig und intelligent, aber nicht intellektuell sollen sie sein. „Die Leute schenken uns ihre Zeit und bezahlen dafür, dass wir ihnen einen tollen Abend bieten. Das ist der Deal, den hatte auch Shakespeare mit seinen Zuschauern“, bringt Förster seine Theaterphilosophie auf den Punkt.

Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt der Erfolg des Sommertheaters (Foto: PR) in den vergangenen Jahren. Fünf von sechs Vorstellungen in der Woche waren anno 2012 ausverkauft. Seit fünf Jahren liefert Förster mit den Kammerspielen Dresden zudem ein nicht minder erfolgreiches, winterliches Pendant zum Sommertheater im Bärenzwinger. Jeweils ein Theaterstück im Sommer und im Winter, daraus ergeben sich rund 100 Vorstellungen seiner Company im Jahr – und das nicht nur in Dresden. Noch bevor die Proben zu „Eine für alle“ begannen, erfreute das Kammerspiel-Stück „Adam und Eva im Reihenhaus“ bereits im Theater Putbus auf Rügen als sommerliches Ostseegastspiel – bis zum 27. August ist es dort noch zu erleben.

„Ohne ein professionelles Ensemble wäre das alles gar nicht möglich“, betont Peter Förster gern. Alle seine Schauspieler sind Vollblutprofis. Mit Laien wären allein 42 Sommertheatervorstellungen in acht Wochen nicht zu stemmen. In „Eine für alle“ stehen mit Felicitas Schreier, Katrin Ingendoh, Robert Martin, Florian Kaufmann und Tobias Wollschläger überwiegend erfahrene Bärenzwingerdarsteller auf der Bühne. Die meisten von ihnen sind schon seit zwei oder gar drei Jahren mit dabei. „Nur durch dieses eingespielte Team können wir die bewährte Spielweise von Jahr zu Jahr weitergeben“, so Förster.

Seine Stücke schreibt er nicht nur der rustikalen Kulisse des Bärenzwingers, sondern auch den Schauspielern auf den Leib. „Funktioniert eine Szene in den Proben nicht, schreibe ich sie über Nacht um, so oft bis sie funktioniert“, sagt er. Wie jedes Jahr ist Förster beim Dresdner Sommertheater jedoch nicht nur Autor und Regisseur, sondern auch Kartenverkäufer und Abräumer in einer Person. Vielleicht ist diese Nähe zum Publikum auch eines der Geheimrezepte seiner bunten Inszenierungen im Bärenzwinger. „Es gibt bei uns kein Vorder- und kein Hinterhaus, alle packen mit an“, so Förster. Dass sein Sommertheater nach der allerersten Premiere 2004 nun schon in die zehnte Saison geht, kann er selbst kaum fassen. „Es zeigt aber, dass es ja irgendwie funktioniert hat“, meint er stolz, „wir haben offenbar eine Handschrift gefunden, die uns unterscheidet.“

Nicole Czerwinka

www.sommertheaterdresden.de

Info: das Dresdner Sommertheater spielt täglich von Dienstag bis Sonntag,
jeweils 20.00 Uhr und zwar vom 12. Juli bis 15. August und vom 20. August bis 1. September 2013

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Ergänzung zur Sommerfilmflimmerschau …

… aus aktuellem Anlass

Die Filmnächte und die Elbe: Bereits in der Nacht von Dienstag (25.6.) auf Mittwoch mussten die Filmnächte am Elbufer ihre Bildwand- und Bühnenkonstruktion abbauen. Der steigende Elbpegel macht dies erforderlich. Gestern Vormittag wurden dann auch noch die Eingangsanlagen, Besuchertoiletten und Bierwagen zurückgebaut.

Bei einem Pegelstand von 5,34 Metern (Stand: 27.06., 8:45 Uhr) ist an Filmeschauen an der Elbe nicht zu denken, weswegen sich der Start der Filmnächte um eine Woche nach hinten verschiebt und das Kino am Königsufer nun vom 4. Juli bis 8. September stattfinden wird.

Das Peter Maffay Konzert seiner „Extratour“ vom Freitag (28.6.) wurde in die Messe Dresden verlegt. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit. Allerdings macht die Messe darauf aufmerksam, dass es ein reines Stehkonzert sein wird und keine Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Besucher des Konzertes sollten nach Möglichkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, denn die Flutrinne steht nach dem Hochwasser als Parkfläche noch nicht wieder zur Verfügung. Als Ausweichparkplätze werden das Parkhaus Dresden Mitte und Parkflächen Volksfestgelände Pieschener Allee und die Tiefgarage am Hauptbahnhof (dann mit Linie 10 zur Messe) angeboten.

Janine Kallenbach

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Sommerfilmflimmerschau …

… wo Kino auch im Freien fetzt

Die Dresdner Freiluftkinos servieren in diesem Jahr einen heißen Filmsommer. Vom Klassiker bis zur Premiere, vom Programmkinofilm bis zum Blockbuster steht hier alles auf dem Programm. Die elbmargarita-Sommerkinoliste zeigt auf einen Blick, wann es wo losgeht und wer welche Filme spielt. Hier gibts die Daten, Fakten und Linktipps – das passende Wetter ist Glückssache.

(1) Filmnächte am Elbufer

Dresdens größtes und Deutschlands wohl schönstes Sommerkino zaubert vom 27. Juni bis 25. August ein sattes Film- und Konzertprogramm ans Königsufer. Neben alten DDR-Klassikern wie „Die Legende von Paul und Paula“ (29.6.) laufen hier die großen Produktionen der Saison, wie „Cloudatlas“ (5.7.) und „Kontiki“ (18.8.). Am 8. August lockt zudem die Kurzfilmnacht an die Elbe. – Aktuelles zu den Filmnächten gibt’s hier.

Filmnächte-Linktipp: www.filmnaechte-am-elbufer.de

(2) Kino hinterm Zentralgasthof Weinböhla

Das Freiluftkino Weinböhla flimmert dieses Jahr vom 12. Juli bis 3. August über die Leinwand hinter dem Zetralgasthof. Jeweils freitags und samstags sind dort in diesem Zeitraum ausgewählte cineastische Filmperlen wie „Sushi in Suhl“ (12.7.), „Der Sommer der Gaukler“ (19.7.) oder „Drive“ (2.8.) zu sehen.

Kino-Linktipp: https://www.facebook.com/freiluftkino

(3) Schauburg Hirsch-Kino in der Muschel

Auf dem Konzertplatz am Weißen Hirsch bietet die Dresdner Heide eine kühlschattige Kulisse für filmischen, theatralen und musikalischen Hochgenuss unter freiem Himmel. Zum Programm, das hier vom 7. Juli bis 31. August unterhält, gehören neben Theater, Kabarett und Konzerten auch acht Filmabende. Diese werden von der Schauburg organisiert – um welche Filme es sich handelt, steht noch nicht fest.

Hirsch-Kino-Linktipp: www.dresdner-sommer.de

(4) Sommerkino in der Zschoner Mühle

Nicht unter freiem Himmel, aber dennoch idyllisch in der Scheune ist das Sommerkino in der Zschoner Mühler. Dieses geht anno 2013 seine 19. Saison, die dank dem verantwortlichen Cinema Paradiso schon am 2. Juni begann und noch bis zum 28. August mit Filmen wie „The broken circle“ (30.6.-3.7.), „Das hält kein Jahr“ (7.7.-10.7.). oder „Oh Boy“ (28.7.-31.7.)  als einziges Sommerkino der Stadt auch bei Regen erfreut.

Film-Mühlen-Linktipp: www.zschoner-muehle.de

(5) Hofkino in der Schauburg

Freiluftflimmern mit über zehnjähriger Tradition ist im Hofkino der Schauburg Programm. Von Arpil bis Ende September laufen hier die aktuellen Filme nach Sonnenuntergang auch draußen. So können Cineasten noch in ganz entspannt in der Sonne die wöchentlichen Kinokritiken studieren, bevor sie sich unter freiem Himmel im Hof des Lichtspieltheaters ganz dem Kinospaß hingeben.

Hofkino-Linktipp: www.schauburg-dresden.de

Ihr kennt noch ein anderes Sommerkino, das hier unbedingt erwähnt werden sollte? Dann schreibt eine Mail an: elbmargarita[at]freenet.de !

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Die Macht der Weiblichkeit

Bühnamit spielt „Selbstbefriedung“

Sechs Paare, sechs Beziehungen – die bald ganz ohne Sex stattfinden. Kaum zu glauben, aber genau das ist das Thema der gut 2000 Jahre alten griechischen Komödie „Lysistrata“ von Aristophanes. Die freie Dresdner Theatergruppe „Bühnamit“ hat aus diesem Stück, bei dem Die Frauen per Sexentzug letztlich vor allem den Krieg stoppen wollen, nun mit „Selbstbefriedung“ – nicht Selbstbefriedigung! – ihre ganz eigene, moderne Lesart entworfen und auf die Bühne (Fotomontage: PR) gebracht.

So sind diese sechs Paare in der Inszenierung von Moritz Greifzu und Vivien Woltersdorf zunächst in ganz alltäglichen Situationen zu sehen: Beim Schachspiel, beim Hausputz, nach dem Sex oder beim leidenschaftlichen Wiedersehenskuss. Sie sind erstaunlich heutig diese Pärchen – der Krieg, der die Männer früher band und für jede Beziehung ungreifbar machte, hat hier nun ganz verschiedene Gesichter. Da ist ein ständig arbeitender Macho, dort ein Ehemann, dem schnell mal die Hand ausrutscht, da der Gatte, der seiner Frau nur über den Rand der Frühstückszeitung beim Putzen zusieht, oder der wilde Liebhaber.

Sie alle trifft die plötzliche Abstinenz ihrer Damen wie ein unerwarteter Blitzschlag. Machtlos wie sie sind, drohen die Männer zu verzweifeln, sie diskutieren, tun laut hämmernd ihren Unmut kund, versuchen zu verführen und beißen bei der holden Weiblichkeit doch auf Granit. Ganz allmählich wird so aus dem früheren Staats- ein handfester Ehestreit, der jeweils in den unterschiedlichen Farben dieser verschiedenen Beziehungskonstellationen gemalt ist. Dabei tun die Frauen hier eigentlich nichts anderes als die Männer: Sie führen Krieg, nur eben mit den Waffen einer Frau – der später auch zum Zickenkrieg ausufert.

Der Sexentzug, so zeigt sich bald im Wechsel von streitenden, schmollenden, verzweifelten und verbissenen Gesten, macht auch heute sicher nichts besser, aber alles anders. Zu schwach sind beide Geschlechter, die am Ende schließlich noch weniger ohne als miteinander leben können. Aus dem antiken Stück wird so auf amüsante, kurzweilige und doch auch tiefsinnige Weise eine moderne Parabel auf die Emanzipation der Frau – mit allen ihren Vor- und Nachteilen. Denn selbst die mitbestimmende, selbstbewusste Frau bleibt im Herzen doch immer auch Weib.

So ist das Experiment Sexentzug am Ende vor allem für jene geglückt, die es mutig auf die Bühnen der Stadt holten: Das Ensemble von Bühnamit übersetzt die Vorlage von Aristophanes in seiner achten Inszenierung keck ironisch in die Gegenwart, sodass sich jeder mit einem Schmunzeln im Gesicht auch ein Stück weit selbst darin wiederfinden kann. Man kennt sie ja irgendwie diese Beziehungskisten. Vielfältig und mit Liebe sind diese Stereotypen gestaltet – doch genau das macht sie hier so lebendig und wunderbar komisch in ihren Handlungsweisen.

Nicole Czerwinka

Bühnamit: „Selbstbefriedung“, wieder am 19.06. und 20.06., 20 Uhr im Projekttheater sowie am  21.06. und 25.06., 19 Uhr im Kreuzgymnasium

Linktipp: www.bühnamit.de

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Russische Sehnsucht an der Manufaktur

„Klassik Picknickt“ zum Sechsten

Das ist Dresden wie es leibt und lebt: Die Sächsische Staatskapelle Dresden lädt zusammen mit der Gläsernen Manufaktur im Herzen von Elbflorenz zur russischen Nacht (15.6.) unter freiem Himmel ein – und alle kommen. Mit Decken und Picknickkörben strömen sie zur sechsten Auflage von „Klassik Picknickt“ herbei. Hier trifft Kenner auf Genießer, Klassikliebhaber auf Junggesellenabschied. Dass 3500 verkaufte Karten auf dem Gelände der Automobilfabrik da nicht ausreichen, kann kaum verwundern – tatsächlich sind auch die 300 Abendkassenkarten schon 19.30 ratzeputz ausverkauft.

Heim geht deswegen aber niemand, schnell entfalten die klassikinteressierten Picknicker stattdessen ihre Decken auch auf der Wiese gegenüber, zaubern Sekt, Brote oder Süßigkeiten aus ihren Körben, schlagen Campingstühle auf dem Fußweg vor der Manufaktur auf oder platzieren sich etwas abseits auf den angrenzenden Rasenflächen im Großen Garten. Denn ab 21 Uhr servieren die Gläserne Manufaktur und die Staatskappelle unter sommerlichem Himmel ein auserlesenes Musikprogramm. Hier steht dieses Mal kein geringerer als Schostakowitsch-Kenner Michail Jurowski am Pult, als Solist betritt später Sergei Nakariakov, auch als Paganini der Trompete bezeichnet, die Bühne.

Bei solch großer Kunst für wenig (fünf Euro Eintritt!) oder gar kein Geld stört nicht einmal die in kurzen Abständen sachte vorbeisäuselnde Straßenbahn – die Verkehrsbetriebe haben ihre Fahrer in Höhe der Manufaktur während des Konzerts zum Langsamfahren angehalten – den Musikgenuss. Das zuvor an alle, auch die Außenpicknicker, verteilte Programmheft informiert neben Moderatorin Bettina Volksdorf über diesen Abend, an dem sehnsuchtsvolle Melodien von Schostakowitsch, Mussorgsky, Arutjunjan, Böhme, Glinka und Tschaikowski durch die Sommerluft flattern und in reinem Ton auch jenseits der Lennéstraße ankommen. Sogar die Getränkeverkäufer finden den Weg bis dahin, sodass es diesem gediegenen Klassikpicknick an nichts fehlt – außer vielleicht an einer guten Platzlösung bei weiterer Publikumszunahme in den nächsten sechs Jahren.

Fotos & Text: Nicole Czerwinka

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Aufwühlend persönliche Akteneinsicht

„Meine Akte und ich“ am Kleinen Haus

Meter von Aktenordnern und vergilbten Papier, kleine weiße Wolken geschredderter Vergangenheit am Boden, ein Holztisch, zahlreiche Regale – diese Kulisse ist statisch und doch so lebendig. Matthias Schaller hat mit seiner atmosphärischen Bühnengestaltung am Kleinen Haus 3 ein symbolhaftes Bild für das Stasi-Stück „Meine Akte und ich“ der Dresdner Bürgerbühne gefunden, das den neun Darstellern dennoch genug Raum für Individualität lässt.

Denn Künstlichkeit und Schauspielerei sind ganz sicher nicht das Anliegen, das Regisseur Clemens Bechtel mit seiner Inszenierung verfolgt. Vielmehr geht es hier um die unbedingte Authentizität der neun Dresdner, die sehr persönlich von ihren Erfahrungen mit der Staatssicherheit, schwarz auf weiß festgehalten im Inhalt ihrer Stasiakten, erzählen. Diese neun Geschichten verweben sich zu einem gut recherchierten, behutsam präsentierten Teil der DDR-Geschichte – und sind so unterschiedlich wie ihre Protagonisten selbst.

Da ist zum Beispiel Ex-EOS-Lehrer Max Fischer, der zwar nicht unterschrieb, dafür aber bei der Akteneinsicht später feststellte, dass er von jenem Kollegen, den er einst bespitzeln sollte, selbst verraten wurde. Oder Catharina Laube, die als Studentin einer politisch interessierten Gruppe angehörte und nach der Verhaftung eines Kommilitonen stundenlang von der Staatssicherheit verhört wurde. Auch Michael Schlosser, der „Dresdner Ikarus“, der einst mit einem selbst gebauten Flugzeug aus der DDR flüchten wollte, aber vorher von der Stasi geschnappt wurde, gehört zum Ensemble dieses berührend-authentischen Dokumentationstheaters.

Bechtel hüllt diese neun Schicksale in eine bühnentaugliche Dramaturgie und erarbeitet mit den individuellen Erfahrungen der Protagonisten eine Art Rückschau, ohne zu verurteilen, anzuklagen oder zu bewerten. Hier geht es nicht um Opfer und Täter – beide Seiten stehen sich auf der Bühne sogar gegenüber –, sondern vielmehr um die Funktionsweise des DDR-Geheimdienstes, die anhand der Akteneinsicht exemplarisch ein Stück weit offengelegt werden kann. Am aufwühlendsten ist dabei die Szene, in der Jürgen Gottschalk (Foto: PR/Matthias Horn), Michael Schlosser und Gottfried Dutschke sich an den Häftlingsalltag in der DDR erinnern. Doch auch an anderen Stellen sind die Ängste der Vergangenheit dank der Nähe aller Darsteller zum Thema nahezu greifbar.

Dennoch wird der Versuch, bei der nachträglichen Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Diktatur Ursache und Wirkung in ihrem Zusammenhang darzustellen, immer Versuch bleiben – zu komplex ist das Thema, das sich der Nachvollziehbarkeit aus heutiger Sicht allzu gern entzieht. Es gehört zu den Stärken der Inszenierung, dass Bechtel auch das gar nicht zu verschleiern versucht, sondern die Protagonisten ganz für sich sprechen lässt. So ist das Stück mit Sicherheit eines der spannendsten, aber auch berührendsten im Spielplan der Dresdner Bürgerbühne.

Nicole Czerwinka

„Meine Akte“ am Kleinen Haus Dresden, wieder am 08.06., 18.06. und 30.06., jeweils 20 Uhr

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Schelmisches Puppenspiel vom Menschsein

Werkschau der Compagnie Freaks und Fremde

Ein bisschen anders, ein bisschen verrückt, dabei gleichzeitig berührend, schelmisch, derb und weise – das ist Theater der „Compagnie Freaks und Fremde“. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich das ganz und gar nicht spießige Puppenspielerduo Heiki Ikkola und Sabine Köhler aus Dresden. Wie in einem „künstlerischen Labor“ denken sich die beiden seit 1997 Theaterprogramme aus und forschen dabei bis heute an sich selbst, wie sie sagen. Ihre Geschichten entstehen auf Reisen, im Dialog mit verschiedenen Theatermaterialien oder purzeln ihnen ganz schlicht im Alltag über den Weg. Nur eines haben sie alle gemeinsam: Sie erzählen von den großen und kleinen Unmöglichkeiten des Menschseins, loten Normen aus und bezaubern die Zuschauer mit einem Übermaß an Phantasie (Foto aus MASCARA: PR/Max Messer).

„Wir machen grenzenloses Theater, es ist aber kein Gemüsegarten. Es ist nicht beliebig, sondern frei in der Wahl der Mittel“, erzählt Heiki Ikkola über die Arbeit der Compagnie. Zusammen mit Sabine Köhler will er seinen Zuschauern keinen belehrenden Zeigefinger entgegenstrecken, sondern mit seinen Stücken viel lieber berühren. „Die Zuschauer sind Voyeure, leben ihre Faszination mit dem Abnormen aus. Mit Puppen ist es möglich, so etwas zu zeigen und auch darüber zu lachen“, ergänzt Sabine Köhler. So widmet sich das Stück „Freakshow“ beispielsweise der Frage: Was ist normal? – und stellt dabei Sonderlinge mit ihren merkwürdigen Fratzen in den Mittelpunkt. Die „Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor“ dagegen erklärt auf spielerische Weise, wie das Leben funktioniert und dass der Tod ein natürlicher Teil davon ist.

In der Vorbereitung dieser Programme steckt so manche mühevolle Nachtschicht. Freizeit und Arbeit gehen für die beiden Künstler, die unter anderem auch vom Dresdner Schaubudensommer bekannt sind, Hand in Hand. So sind zum Beispiel die Puppen der Compagnie alle samt von Sabine Köhler selbst angefertigt. Von Dresden aus reisen diese dann mit ihren beiden Compagnie-Eltern nicht selten quer durch die Welt. „Das Reisen passt für mich super zum Theatermachen. Das gibt mit Wellen von Spannung und Entspannung. Und wenn man zurückkommt, sieht man Dinge, die man vorher gar nicht mehr gesehen hat, wieder ganz neu“, meint Heiki Ikkola.

Doch auch für die Zuschauer ist jede Aufführung der „Compagnie Freaks und Fremde“ so etwas wie eine kleine individuelle Reise für sich. Wer Lust bekommen hat, sich darauf einzulassen, der kann schon mal die Phantasie-Koffer packen. Denn unter dem Motto „Acht Stücke in vier Tagen: Ein langes Wochenende voller Chaos und Liebe, echtem Mut und falschen Hörnern“, versprechen die beiden bei einer Werkschau im Rahmen des OFF-Theaterfestivals vom 6. bis zum 9. Juni am Dresdner Societaetstheater einen bunten Querschnitt durch ihr Programm. Neben eigenen Inszenierungen sind hier auch Koproduktionen und künstlerische Begegnungen der beiden mit anderen Theatern und Compagnien zu erleben. Vom bissig interpretierten Märchen bis hin nachdenklichen Fabel übers Altern ist alles dabei.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.freaksundfremde.blogspot.de

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