Inspiration im Zauberwald

Entdeckungen entlang des Malerwegs (1): Liebethaler Grund

Felsgesichter und Vogelstimmen im verwunschenen Wald, bizarre Felsformationen und ein heller Sonnenstrahl, der sich nach einem kurzen Regenschauer tief hinab durch dichtes Grün kämpft: Es ist wahrlich kein Wunder, dass Musiker, Literaten und Maler der Deutschen Romantik in der Sächsischen Schweiz Inspiration suchten – und fanden.

Entlang des Malerwegs liegen die beliebten Ausflugsziele von Caspar David Friedrich, Richard Wagner oder Hans Christian Andersen wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Eigentlich muss man an den acht Etappen einfach nur loslaufen, hinein in den Zauberwald.

Felsgesicht im Liebethaler Grund

Der beginnt gleich hinter Pirna im Liebthaler Grund. Das romantische Tal entlang der Wesenitz haben bereits Adrian Zingg, Johann Christian Clausen Dahl und Ludwig Richter in ihren Bildern festgehalten. Auch der Komponist Richard Wagner und der dänische Dichter Hans Christian Andersen wanderten durch den Grund und ließen sich von der mystischen Landschaft inspirieren.

„Je länger wir gingen, desto enger wurde das Thal, die Felswände rückten näher zusammen, und wir konnten nur noch hintereinander auf dem schmalen Steg gehen. (…) Nur vereinzelte Sonnenstrahlen fielen zwischen die Felsen. (…) Wir kehrten wieder um und suchten uns an der Mühle einen Führer, nun wollten wir von oben in den stillen, romantischen Liebethaler Grund gehen, den wir alle in seinem tiefsten Heiligtum kennengelernt hatten“,

schrieb Hans Christian Andersen in „Umrisse einer Reise von Copenhagen nach dem Harze, der Sächsischen Schweiz und über Berlin zurück, 1831.

Bis heute entführt die einmalige Kombination aus Bachlauf, Farnen, himmelshohen Bäumen und Felsgestein im Liebethaler Grund den Wanderer in phantastische Welten. Nach ein paar Schritten nur kann man hier den Alltag hinter sich lassen und ausgiebig in Natureindrücken schwelgen.

Der schmale Weg führt vorbei an der Ruine des alten Elektrizitätswerks Pirna-Copitz, das mit Hilfe von Wasserkraft bereits ab 1894 die Umgebung erleuchtete. Heute hat sich die Natur das Gebäude zurückerobert. Ein schöner Platz für wildromantische Fotomotive.

Nur wenige Schritte weiter dringt Musik an unsere Ohren. Den Komponisten Richard Wagner haben das Rauschen des Baches, das Rascheln der Blätter im säuselnden Wind und der zarte Gesang der Vögel im Liebethaler Grund zu großen Opern inspiriert. Im Sommer 1846 weilte er mehrmals in der Lochmühle, die heute nurmehr als Ruine erhalten geblieben ist.

Richard-Wagner-Denkmal im Liebethaler Grund

In dieser idyllischen Umgebung komponierte Wagner Teile seines „Lohengrin“, der heute am Eingang der Mühle durch den Grund schallt. Im Jahr 1933 wurde hier anlässlich des 50. Todestages Wagners das weltgrößte Richard-Wagner-Denkmal enthüllt. Die über vier Meter hohe Bronzestatue zeigt den Komponisten als Gralshüter und wurde vom Dresdner Maler und Bildhauer Richard Guhr entworfen.

Lohmen

Hinter der Lochmühle geht es über den Fluss und an zerklüfteten Felsen vorbei bis zur Daubemühle. Zu Trinken gibt es inzwischen auch hier nichts mehr, weshalb wir dem Malerweg direkt weiter aufwärts nach Daube und von dort nach Lohmen folgen. Das malerische Städtchen ist für seine schmucke Kirche bekannt und belohnt im Mai mit schönen Ausblicken auf das Schloss und goldene Rapsfelder.

Tourenbeschreibung:
Autofahrt von Dresden bis nach Pirna/Liebethal, von dort entlang der ersten Etappe des Malerwegs durch den Liebethaler Grund. Die beschriebene Tour (hin und zurück) dauert ca. 2 Stunden, 10.000 Schritte.

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