Ein poetischer Spaziergang durch Dresden

Der Wind weht kühl. Er hat die Blätter an den Bäumen schon gelb angemalt, lässt sie, eines nach dem anderen, sanft zu Boden tanzen. So viel Farbe in Dresden, ein wehmütiges Leuchten. Der Sommer hat Abschied genommen, vorbei die Tage im heißen Sonnenschein, vorbei die schönen Stunden im kühlen Gras an der Elbe.

Herbstspuren. Das Licht scheint golden auf die Kuppeln der Stadt. Der Regen wäscht die Erinnerung an die letzten Sommertage vom Sandstein. In warme Stiefel und Strickjacken gehüllt stapfen wir durch die Straßen, den Wolken hinterher, als könnten wir längst vergangene Tage einholen, zurücktragen im Huckepack.

Doch das Leben läuft niemals rückwärts, geht immer voran. So wie der Fluss, der nur eine Richtung kennt. Und wir schwimmen mit, lassen uns mitreißen von der Strömung, hinein ins Abenteuer. Das Jahr ist fast am Ziel. So viel passiert. Könnten die bunten Blätter reden, sie hätten unzählige Geschichten zu erzählen. Sie haben viel gesehen. Sind reich an Erinnerung – wie wir.

Nun tragen wir die Früchte heim, die Ernte eines Jahres, das uns fortgeführt hat auf dem Strom des Lebens. Wie weit sind wir geschwommen? Wie viel Zeit haben wir uns genommen, um uns einfach mal treiben zu lassen mit dem Wind im Strom der Zeit? Was ist passiert? Lasst uns kurz innehalten, Erinnerungen einsammeln wie die Früchte des Herbstes.

Lasst sie uns bewahren für kalte Zeiten – und dann weitergehen. Denn es ist noch nicht vorbei. Im Strudel der tanzenden Blätter scheint das Licht nur umso goldener, und schon sehen wir, wie sich neue Knospen bilden, wie bald neue Früchte heranwachsen. Immer fort. Genießen wir den Moment, das goldene Treiben, das Leuchten des Herbstes. Jetzt.

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