Klangmalereien in Sandsteinformationen

Sandstein und Musik

Festival „Sandstein und Musik“ geht ins 22. Jahr

Einst waren es die Künstler der Romantik, die die einmalige Landschaft der Sächsischen Schweiz für ihre Gemälde entdeckten und das Elbsandsteingebirge somit auch zum Kulturraum erkoren. Dabei lässt sich zwischen markanten Sandsteinformationen und in idyllischen Tälern nicht nur gut malen, sondern auch wunderbar musizieren, wie das Festival „Sandstein und Musik“ seit 1993 beweist.

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Verschwunden im Eismeer

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„Das Kind der Seehundfrau“ an den Landesbühnen

Sphärischer Gesang erklingt auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen. Eine Melodie wie aus einem fernen Land kündet – ähnlich einer Ouvertüre – von dem, was hier gleich erzählt werden soll. In der Regie von Klaus-Peter Fischer erwacht das alte Inuit-Märchen „Das Kind der Seehundfrau“ als musikalisches Theater für Kinder (ab 8 Jahren) nun zu neuem Leben.

Die Geschichte (Foto: PR/Hagen König) handelt von dem Eskimojungen Oruk, der bis zu seinem siebten Lebensjahr unbeschwert mit Vater und Mutter in einer kleinen Fischer-Hütte am Eismeer lebt. Als seine Mutter plötzlich krank wird, lüftet sich jedoch schon bald ein lang gehütetes Geheimnis seiner Eltern. Denn Oruks Mutter ist eigentlich ein Seehund. Vor der Hochzeit musste sein Vater versprechen, ihr das Seehundfell nach sieben Jahren zurückzugeben, damit sie wieder ins Meer zu den Seehunden gehen kann. Fischers Inszenierung erzählt diese nachdenkliche Geschichte von Liebe und Trennung auf behutsame Weise und hält gekonnt die Waage zwischen traurigen und humorvollen Momenten.

Dies gelingt nicht zuletzt aufgrund der Kompositionen, die der Musiker Jan Heinke für diese Aufführung schuf, so hervorragend. Das Orchester, das er zusammen mit Thomas Tuchscheerer (Celesta) und Demian Kappenstein (Percussion) bildet, vereint teils ungewöhnliche Instrumente aus Schrott, die ein wenig wie ein Sammelsurium in einem Kuriositätenladen wirken – ein Sammelsurium mit 1000 Klangfarben, versteht sich. Da funktioniert ein seltsamer Schlauch als Flöte, ein paar Regenrohre werden zu einer Art Didgeridoo verschraubt und Bürsten dienen als Geräuschmacher auf der Pauke. Nicht zu vergessen Heinkes Stahlcello aus unterschiedlich langen Edelstahlstäben, einem metallischen Resonator, gespielt mit einem Bogen aus Bambus und Angelschnur.

Die Töne, die aus diesem exotischen Orchester strömen, machen zwar das ganze Spektrum arktischer Kälte hörbar, sind dabei aber weit harmonischer und weicher, als die optische Beschreibung der Instrumente vielleicht ahnen lässt. Die Musik wirkt wie eine zweite Erzählebene in dem Stück. Fast schon filmmusikalisch unterstützt sie die Handlung mit Klängen, Geräuschen oder einzelnen Liedern. Sie fängt traurige Momente mit hellen Tönen auf, erzeugt Spannung mit Klängen und verschafft dem Erzählten dank ihres großen Geräuschspektrums eine zusätzliche Tiefe. So wird es auch den kleinen Zuschauern im Saal nie langweilig.

Raffiniert ist auch das Bühnenbild (Ausstattung: Irina Steiner): Drei Stühle symbolisieren Kanus und Eskimohütte. Ein großes blaues Tuch auf dem Boden dient als kuscheliges Bett oder wogendes Meer. Auch dank geschickter Lichtregie (Beleuchtung: Elke Häse) sorgt diese reduzierte Ausstattung für einprägsame Bilder. In der kleinen, gemütlichen Kammerkulisse wechseln Sängerin Stephanie Krone und Schauspieler Grian Duesberg die Rollen von Mutter, Vater, Oruk und dessen Freundin. Krone überzeugt hier nicht nur stimmlich als reife Seehundfrau und junger Backfisch, während Duesberg die brennende Verzweiflung des Vaters und die kindliche Unbeschwertheit Oruks mitreißend transportiert.

So entstehen wirklich berührende Momente, in denen die Weite der arktischen Eiswelt tatsächlich aufzutauchen scheint – und mit der ganzen Poesie dieses nachdenklichen, hierzulande bislang eher unbekannten Märchens aus der Arktis die Herzen der Zuschauer im Nu erobert und wärmt.

Nicole Czerwinka

„Das Kind der Seehundfrau“ an den Landesbühnen Sachsen, wieder am 16.12., 10 Uhr; 18.12., 10 Uhr; 22.12., 15 Uhr; 23.12., 15 Uhr in Radebeul u. am 12.2.14, 10 Uhr im Theater Meißen

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Arktische Eislandschaft aus Musik

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Jan Heinke vertont „Das Kind der Seehundfrau“

Es ist ein altes Inuit-Märchen über Liebe und Verlust, das die Landesbühnen Sachsen am Nikolaustag als Musiktheater für Kinder (ab acht Jahren) erstmals auf die Bühne bringen. „Das Kind der Seehundfrau“ erzählt poetisch von einer Mutter, die ihre Familie nach sieben Jahren verlassen muss, um zu den Seehunden im Meer zurückzukehren. Jan Heinke, Musiker und Komponist aus Dresden, schrieb die Musik für diese nachdenklich schöne Geschichte.

Der 45-Jährige findet mit seinen selbstgebauten Stahlcelli ganz eigene Töne, um die Atmosphäre der Eskimolandschaft klanglich zu beschreiben. „Das Stahlcello besteht aus unterschiedlich langen Edelstahlstäben und einer Metallplatte als Resonator. Es wird mit einem Bogen aus Bambus und Angelschnur gestrichen und hat einen metallischen Klang, der lange nachhallt“, erzählt der Musiker. So kann er die Weite der Eiswelt in Grönland und dem arktischen Kanada förmlich hörbar machen, die Musik wird dabei zu einer weiteren Erzählebene in dem Theaterstück.

Doch das Stahlcello ist nicht das einzige Instrument Marke Eigenbau, das in „Das Kind der Seehundfrau“ mitspielt. Zusammen mit dem Dresdner Schlagzeuger Demian Kappenstein sei Jan Heinke im Vorfeld der Proben über die Schrottplätze der Stadt spaziert und habe passende Teile für ein ganz besonderes Percussions-Instrument zusammengesammelt. „Das waren alte Sägeblätter oder Gastanks, wir haben dabei unsere Phantasie spielen lassen“, sagt Heinke. Die blechernen Schrott-Instrumente werden auf der Bühne noch von der glockenspielartigen Celesta, gespielt von Thomas Tuchscheerer, unterstützt, denn ganz ohne Harmonieinstrument geht es nicht.

Zusammen ist dieses kleine Orchester im Stück fast immer auf der Bühne präsent (Foto: PR/Hagen König). Es untermalt die Geschichte mit atmosphärischen Tönen, bringt live arktisches Meeresrauschen, bitterkalte Windböen oder klirrenden Frost ins Theater – und unterstreicht die Poesie des Stückes so auch akustisch. Zwischendurch wird in dem alten Inuit-Märchen aber auch gesungen, gerappt und sogar einen Obertongesang, der die Ohren wahrlich in eskimoartige Iglu-Gefilde entführt, hat Jan Heinke für das musikalische Theaterstück komponiert.

Die alte Geschichte aus einem fernen Land wird so vor den Augen und Ohren der Zuschauer von heute wiederauferstehen. Die Seehundfrau – so viel sei schon jetzt verraten – bekommt ihr Fell und damit ihr Leben am Ende von ihrem Sohn Oruk zurück. Ob dieser allerdings anschließend mit ihr in die Fluten des Meeres abtaucht oder sich für ein Fischerleben mit seinem Vater entscheidet, werden die Besucher in einer der vielen Vorstellungen vor Weihnachten sehen.

Nicole Czerwinka

„Das Kind der Seehundfrau“ an den Landesbühnen Sachsen: Premiere am 6.12., 10 Uhr in Weinböhla, weitere Vorstellungen in Radebeul am 7.12., 15 Uhr; 8.12., 17 Uhr; 13.12., 10 Uhr; 14.12., 11 Uhr; 16.12., 17.12. und 18.12., 10 Uhr; sowie am 10.12. im Großenhainer Schloss und am 11. und 12.12. im Klostersaal Riesa

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