Die Stacheln der Demokratie

Das freie Ensemble Bühnamit zeigt Juli Zehs „Der Kaktus“ als packendes Kammerstück

Ein kleiner, grüner Kaktus ist das Corpus Delicti, um das sich die Sondereinheit GSG 9 und drei junge Polizeibeamte in Juli Zehs satirischem Theaterstück „Der Kaktus“ wie im Wahn drehen. Der stachelige Geselle ist nämlich gar nicht so harmlos, wie es scheint, wird er doch verdächtigt, einen terroristischen Großangriff auf den Frankfurter Flughafen geplant zu haben. Doch – natürlich – der Kaktus schweigt, während sich die Welt um ihn herum in hintersinnigen Diskussionen auf Messers Schneide zwischen Recht und Macht bewegt. Die freie Theatergruppe Bühnamit hat das Stück für ihre aktuelle Produktion auserkoren und regt mit einem starken Abend zum Diskutieren und Nachdenken an.

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Lüge und Eifersucht im Traumreich des Nichts

Verdis „Otello“ als Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg an der Semperoper

Der Sturm braust gewaltig vor der Küste Zyperns. Doch „Otello“, Befehlshaber der venezianischen Kriegsflotte, ist immer Herr der Lage. Er trotzt den Naturgewalten, doch seine Eifersucht bringt den Mohren bald schon vollends aus der Fassung. Liebe, Missgunst und verletzte Eitelkeiten, begünstigt durch das Gefühl, vielleicht nie ganz dazuzugehören – all das sind Emotionen, die in Guiseppe Verdis Oper „Otello“ (Foto: PR/©Forster) die Leidenschaften zum Brodeln bringen und Otello am Ende doch auf tragische Weise in die Knie zwingen.

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Hüpfend vom Eierkuchen zur Weltrevolution

Hoppes Hoftheater zeigt „Die Känguru-Chroniken“ als Kammerstück mit Puppe

Hüpfend und Schnapspralinen futternd hat ein Känguru in Dresden Einzug gehalten. Wo es genau herkommt, das weiß man nicht so recht. Doch frech und vorlaut ist das Tier, mag Eierkuchen, am liebsten mit Hackfleisch, und bezeichnet sich als Kommunist. Die „Känguru-Chroniken“ des Berliner Autors und Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling sind längst Kult. Weiterlesen

Die Welt steht Kopf im Dachgeschoss

Kafkas „Verwandlung“ am Schauspielhaus Zürich

Als Gregor Samsa eines Morgens in seinem Bett aufwacht, ist nichts mehr wie vorher. Der Sohn ist in ein „ungeheures Ungeziefer“ verwandelt und die Ordnung der ganzen Familie bricht plötzlich auseinander. Die Erzählung von Franz Kafka ist bekannt und gehört längst zum Repertoire aller großen Theater. Am Schauspielhaus in Zürich (Premiere war am 2.12.2016) beschert das Stück nun in der Bühnenadaption des isländischen Regisseurs Gisli Örn Garðarsson und mit Musik von Nick Cave und Warren Ellis einen außergewöhnlich packenden Abend.

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Schneckenspaß mit Earl Grey und Marlborough

„Sherlock Holmes“ schnüffelt jetzt am Boulevardtheater Dresden

Es ist Nacht in Eastwick. In der gemütlichen Bibliothek eines herrschaftlichen englischen Hauses liegt der alte Earl tot auf dem Sofa, während der Regen an die Fenster des Wintergartens prasselt. Da kann eigentlich nur einer helfen: Der seit 130 Jahren bekannte Meisterdetektiv „Sherlock Holmes“ ermittelt nun auch am Boulevardtheater Dresden. Das Buch zu dem furiosen Fall mit dem Untertitel „… und die Schnecken von Eastwick“ (Fotos: PR/Robert Jentzsch) stammt aus der Feder von Michael Kuhn – in der Regie von Olaf Becker entsteht daraus eine wundervolle Theaterhommage an den großen Ermittler aus England.

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Was ist eigentlich noch sicher?

Wolfgang Engel inszeniert Heinrich von Kleists „Amphitryon“ am Staatsschauspiel

Heinrich von Kleists „Amphitryon“ erklärt die Gewissheit allen Seins für nichtig. Das Spiel der verwirrten Identitäten, in dem göttliche Doppelgänger alle Tatsachen, die uns klar erscheinen, ins Wanken bringen, erschien 1807 nach einer Vorlage von Molière in Dresden, uraufgeführt wurde es in Berlin. In der Inszenierung von Wolfgang Engel feiert Kleists Stück (Fotos: David Baltzer) nun Premiere (4.2.) am Staatsschauspiel Dresden. Und auch hier weiß am Ende niemand mehr so recht, wo die Grenze zwischen Lustspiel und Tragödie verläuft, denn Kleist stellt einmal mehr die bestehende Ordnung in Frage, indem er seine Figuren in einen unauflösbaren Strudel der Irritation schickt. Weiterlesen

Märchen versus Realität

Ein Tanztheaterstück an den Landesbühnen Sachsen zeigt die Welt der „Prinzessinnen“

Kaum eine Märchenfigur ist so faszinierend wie die der schönen Prinzessin. Sie ist zum Idealbild geworden, das sich in der Realität bis heute spiegelt: „Prinzessinnen“ gibt es nicht nur im Märchen und an Adelshäusern, sie erobern die Bühnen und Laufstege dieser Welt, verführen Männer, strahlen im Rampenlicht und hungern oft heimlich, um allen Erwartungen zu entsprechen. Wie wenig diese „Prinzessinnen“ mit dem romantischen Ideal oft gemein haben, zeigt Manuel Schöbel in einem fast melancholischen Tanztheaterstück (Fotos: PR/Hagen König), das am Sonntag (29.1.) an den Landesbühnen Sachsen Uraufführung feierte.

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Gefangen zwischen Hoffnung und Angst

Grigori Frids Mono-Oper „Anne Frank“ aN den Landesbühnen Sachsen

Ein Koffer, ein Tisch, ein Stuhl. Viel ist Anne Frank nicht geblieben im Hinterhaus, in dem sie sich mit ihrer Familie von 1942 bis 1944 vor der Gestapo verstecken musste. Im Koffer befinden sich auch ein Stift und jenes berühmte Tagebuch, das nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit verlegt, verfilmt und auf Theaterbühnen aufgeführt wurde. An den Landesbühnen Sachsen lässt Sängerin Miriam Sabba (Foto: PR/Hagen König) die Zeilen in einer Momo-Oper des russischen Komponisten Grigori Samuilowitsch Frid (1915-2012) nun abermals lebendig werden.

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Die Unschuld im Rausch

Die Freispieler zeigen ein packendes Stück über Drogen, Sex und Sehnsüchte

Straßenkinder, abgefucktes Gesicht, eine ranzige Großstadtgasse – das Leben der Außenseiter hat viele Facetten. So wie das Mädchen im pinken Kleid, das verträumt Kreidequader auf den Bürgersteig malt und im nächsten Moment nach einer Zigarette fragt, an der sie sich wärmen kann. Szenen wie diese reihen sich im neuen Stück der Dresdner Freispieler wie an einem roten Faden aneinander. In „Flucht zu Pferd bis ans Ende der Stadt“ hat die freie Schauspielgruppe aus Studenten Dresdner Hochschulen erneut zwei nachdenkliche Vorlagen zu einem elektrisierenden Theaterabend (Fotos: PR) verwoben.

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Jazz-Party in der Traumfabrik

Die Operette bringt mit „Wonderful Town“ das New York der 30er Jahre ins Kraftwerk

Von Dresden nach New York träumte sich die Staatsoperette bereits in ihrem Neujahrskonzert 2016. Zehn Tage vor Silvester wurde diese verheißungsvolle Sehnsucht nach der Neuen Welt nun mit der ersten Musicalpremiere im Kraftwerk Mitte ein Stück weit eingelöst. Intendant Wolfgang Schaller und Regisseur Matthias Davids haben sich dazu auf die Suche nach dem Besonderen begeben – und ein bislang in Deutschland kaum gespieltes Werk gefunden, das Leonard Bernstein 1953 als Liebeserklärung an seine Heimat New York komponierte: „Wonderful Town“ erzählt die typisch amerikanische Geschichte der Schwestern Eileen und Ruth, die aus dem provinziellen Ohio in die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten kommen, um ihr Glück zu finden.

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