Ein Künstlerleben als Odyssee zum Glück

Die Landesbühnen Sachsen zeigen Georg Kreislers Musical „Heute Abend: Lola Blau“

Das Rampenlicht aus, die Zigarette an und plötzlich wird Lola Blau ganz nachdenklich. „Im Theater, da ist was los!“, schmettert sie zu Beginn von Georg Kreislers Ein-Frau-Musical „Heute Abend: Lola Blau“  (Fotos: PR/Hagen König) noch enthusiastisch. Doch schon bald muss die jüdische Sängerin Wien verlassen, auch in der Schweiz bekommt sie kein Asyl und geht nach Amerika, wo ihr Talent hemmungslos verheizt wird. So wandert sie in der aktuellen Inszenierung an den Landesbühnen Sachsen von Transportkiste zu Transportkiste am Kultur-Bahnhof in Radebeul Ost, wechselt die Kleider wie die Orte, an denen sie singt, begleitet von Schiffshupen und einem einsamen Klavier.

Weiterlesen

Monolog zwischen Moral und Schlagzeile

Johannes Krams Monolog „Seite Eins“ regt am Theater Zittau zum Nachdenken über gute und schlechte Journalisten an

Journalisten, das sind doch alles Haie. Immer auf der Pirsch nach der nächsten Sensation, bis die Jagd nach Skandalen in dicken Lettern gedruckt auf der Titelseite endet. Marco jedenfalls ist so einer. Der eitle Protagonist aus Johannes Krams Theatermonolog „Seite Eins“ strickt sich seine Titelstory aus falschen Indizien einfach selbst, opfert dabei ein gerade aufflammendes Popsternchen auf dem Altar der boulevardesken Aufmerksamkeiten – und das alles, um dem Leser das zu bieten, was der doch angeblich am liebsten hat: eine richtig fette Story.

Weiterlesen

Im Reich der Märchen

Die Dresdner Philharmonie zeigt „Die arabische Prinzessin“ als Oper für Kinderchor

Die Kraft der Phantasie ist unerschöpflich. Sie verwandelt Mädchen in Prinzessinnen und Fischhändler in Prinzen, reiht Worte aneinander, bis zauberhafte Märchenwelten entstehen und kombiniert Töne zu stimmungsvollen Partituren. All dies zeigt sich auch in der Oper „Die arabische Prinzessin oder das geschenkte Leben“, mit der die Dresdner Philharmonie dem Philharmonischen Kinderchor zum 50. Jubiläum (Fotos: PR/Jörg Simanowski) in diesem Jahr ein ungewöhnliches Geschenk bereitet.

Weiterlesen

Das Märchen von der Freiheit

Regisseur Keith Warner hinterfragt Busonis „Doktor Faust“ an der Semperoper neu

Die Legende vom strebenden Nimmersatt Dr. Faustus wird immer dann besonders interessant, wenn die Welt aus den Fugen gerät. Dann erinnern wir uns an den Dichterfürsten Goethe und den Teufelspakt in seinem berühmten Drama, bemühen Zitate und versuchen, im vermeintlichen Unheil das Gute zu finden. Die Semperoper Dresden serviert mit Ferruccio Busonis Oper „Doktor Faust“ (Fotos: PR/Jochen Quast) in der Inszenierung von Keith Warner nun eine neuerliche Annäherung an den Stoff – und malt dabei fast märchenhaft mystische Bilder zur packenden Musik des Italieners.

Weiterlesen

Die Faszination der unerfüllten Sehnsucht

Carlos Matos bittet mit „Tango Piazzolla“ an den Landesbühnen Sachsen zum Tanz

Argentinische Rhythmen und eine volle Tanzfläche: Nach der Uraufführung des Tanzstückes „Tango Piazzolla“ an den Landesbühnen Sachsen glühte das Tanzparkett im Glashaus förmlich zur Milonga mit dem Trio Bien Porteño aus Heidelberg. Fast so, als hätte Hauschoreograf Carlos Matos mit seinem neuem Stück tatsächlich verborgene Leidenschaften beim Publikum geweckt.

Weiterlesen

Die Stacheln der Demokratie

Das freie Ensemble Bühnamit zeigt Juli Zehs „Der Kaktus“ als packendes Kammerstück

Ein kleiner, grüner Kaktus ist das Corpus Delicti, um das sich die Sondereinheit GSG 9 und drei junge Polizeibeamte in Juli Zehs satirischem Theaterstück „Der Kaktus“ wie im Wahn drehen. Der stachelige Geselle ist nämlich gar nicht so harmlos, wie es scheint, wird er doch verdächtigt, einen terroristischen Großangriff auf den Frankfurter Flughafen geplant zu haben. Doch – natürlich – der Kaktus schweigt, während sich die Welt um ihn herum in hintersinnigen Diskussionen auf Messers Schneide zwischen Recht und Macht bewegt. Die freie Theatergruppe Bühnamit hat das Stück für ihre aktuelle Produktion auserkoren und regt mit einem starken Abend zum Diskutieren und Nachdenken an.

Weiterlesen

Lüge und Eifersucht im Traumreich des Nichts

Verdis „Otello“ als Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg an der Semperoper

Der Sturm braust gewaltig vor der Küste Zyperns. Doch „Otello“, Befehlshaber der venezianischen Kriegsflotte, ist immer Herr der Lage. Er trotzt den Naturgewalten, doch seine Eifersucht bringt den Mohren bald schon vollends aus der Fassung. Liebe, Missgunst und verletzte Eitelkeiten, begünstigt durch das Gefühl, vielleicht nie ganz dazuzugehören – all das sind Emotionen, die in Guiseppe Verdis Oper „Otello“ (Foto: PR/©Forster) die Leidenschaften zum Brodeln bringen und Otello am Ende doch auf tragische Weise in die Knie zwingen.

Weiterlesen

Hüpfend vom Eierkuchen zur Weltrevolution

Hoppes Hoftheater zeigt „Die Känguru-Chroniken“ als Kammerstück mit Puppe

Hüpfend und Schnapspralinen futternd hat ein Känguru in Dresden Einzug gehalten. Wo es genau herkommt, das weiß man nicht so recht. Doch frech und vorlaut ist das Tier, mag Eierkuchen, am liebsten mit Hackfleisch, und bezeichnet sich als Kommunist. Die „Känguru-Chroniken“ des Berliner Autors und Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling sind längst Kult. Weiterlesen

Die Welt steht Kopf im Dachgeschoss

Kafkas „Verwandlung“ am Schauspielhaus Zürich

Als Gregor Samsa eines Morgens in seinem Bett aufwacht, ist nichts mehr wie vorher. Der Sohn ist in ein „ungeheures Ungeziefer“ verwandelt und die Ordnung der ganzen Familie bricht plötzlich auseinander. Die Erzählung von Franz Kafka ist bekannt und gehört längst zum Repertoire aller großen Theater. Am Schauspielhaus in Zürich (Premiere war am 2.12.2016) beschert das Stück nun in der Bühnenadaption des isländischen Regisseurs Gisli Örn Garðarsson und mit Musik von Nick Cave und Warren Ellis einen außergewöhnlich packenden Abend.

Weiterlesen

Schneckenspaß mit Earl Grey und Marlborough

„Sherlock Holmes“ schnüffelt jetzt am Boulevardtheater Dresden

Es ist Nacht in Eastwick. In der gemütlichen Bibliothek eines herrschaftlichen englischen Hauses liegt der alte Earl tot auf dem Sofa, während der Regen an die Fenster des Wintergartens prasselt. Da kann eigentlich nur einer helfen: Der seit 130 Jahren bekannte Meisterdetektiv „Sherlock Holmes“ ermittelt nun auch am Boulevardtheater Dresden. Das Buch zu dem furiosen Fall mit dem Untertitel „… und die Schnecken von Eastwick“ (Fotos: PR/Robert Jentzsch) stammt aus der Feder von Michael Kuhn – in der Regie von Olaf Becker entsteht daraus eine wundervolle Theaterhommage an den großen Ermittler aus England.

Weiterlesen