Scheitern als Konzept

Sebastian Hartmann inszeniert „Schuld und Sühne“ am Staatsschauspiel Dresden

Wenn Fjodor Dostojewskis „Schuld und Sühne“ am Staatsschauspiel Dresden gegeben wird, klingt das zunächst nach einem Klassiker. Die Inszenierung von Sebastian Hartmann allerdings ist alles andere als klassisches Theater. Es ist vielmehr eine düstere Performance mit Videoprojektion und Livemusik – alles in allem sehr frei nach dem Roman „Schuld und Sühne“ (Fotos: Sebastian Hoppe) in der Übersetzung von Swetlana Geier und unter Verwendung der „Rede zum Unmöglichen Theater“ von Wolfram Lotz in Szene gesetzt.

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Sturm und Drang im Dämmermodus

„Kabale und Liebe“ am Staatsschauspiel Dresden

Am Ende wird es richtig berührend: In dem Moment, als Ferdinand und Luise im Angesicht des Todes ganz auf ihre Liebe zurückgeworfen sind, da entstehen in Data Tavadzes Inszenierung von Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ am Staatsschauspiel Dresden (Fotos: Sebastian Hoppe) noch einmal wahre Gänsehaumomente. Moritz Kienemann und Luise Aschenbrenner brillieren in dieser letzten Szene, in der sie die ganze Zerbrechlichkeit und die Verzweiflung eines jungen Paares zeigen, das im Tode jener Zweisamkeit entgegensieht, die ihnen von den gängigen Konventionen der Gesellschaft verweigert ward.

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Der doppelte Diederich

Jan-Christoph Gockel inszeniert Heinrich Manns „Der Untertan“ am Staatsschauspiel

Bierkrüge knallen auf den Tisch, bis einer anfängt zu skandieren: „Die-der-ich – Häss-ling – Häss-ling – Die-der-rich – Häss-ling …“, und so fort. Ein Chor aus grölenden Kehlen, die Farben des Kaiserreiches auf der stolz geschwellten Brust. Heinrich Manns „Untertan“ Diederich Hässling war „ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt“, lernte im Wilhelminischen Kaiserreich aber schnell, wie man nach oben kratzt und nach unten tritt. Regisseur Jan-Christoph Gockel lässt diesen Untertanengeist, ein Psychogramm des Deutschen wie Kurt Tucholsky sagte, in seiner Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden (Fotos: Sebastian Hoppe) lebendig werden – und zeichnet dabei nicht nur ein satirisches Bild des Kaiserreichs.

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Gefühlschaos im Hollywoodhaus

Dresdner Kunststudenten zeigen Mozarts „Cosí fan tutte“ als zeitlose Opernkomödie

Liebe, Leiden, Leben – kaum eine Oper bringt die Zeitlosigkeit der Gefühle wohl besser auf den Punkt als Mozarts „Cosí fan tutte“ (Fotos: Sebastian Hoppe). Die Opernklasse der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden zeigt das Stück in der diesjährigen Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden als amüsantes Musiktheater am Kleinen Haus des Staatsschauspiels.

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Mozart als Feuerprobe

Annina Olivia Battaglia studiert Gesang und gibt am Sonntag ihr Debüt als Despina

Die Probe zu Mozarts „Cosí fan tutte“ im Kleinen Haus ist gerade zu Ende. Schnell schlüpft Annina Olivia Battaglia in ihre Alltagsklamotten und flitzt hinaus. Wenige Minuten später sitzt die Studentin auf der Terrasse vor dem Haus. Die langen Haare hat sie zum Pferdeschwanz gebunden, auf ihrem Gesicht strahlt ein Lächeln, das Begeisterung und Vorfreude verrät.

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Gut oder schlecht? – Ist doch egal!

Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ enttäuscht am Staatsschauspiel Dresden

Regen prasselt auf die schräge Bühne im Dresdner Schauspielhaus. Vier arme Tröpfe stehen im Dunkel. Doch als die Frau im roten Kleid auftaucht, nimmt Bertolt Brechts Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ (Fotos: Sebastian Hoppe) auf einmal Fahrt auf. Shen Te, die ehemalige Nutte, die jetzt einen Tabakladen besitzt, rettet dem Flieger Yan Sun in dieser Szene das Leben – und verliebt sich in ihn.

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Das Spiel mit der Vernunft

Lessings „Minna von Barnhelm“ befreit vom Staub der Aufklärung am Kleinen Haus Dresden

Wer hätte gedacht, dass ein 250 Jahre alter Theaterschinken wie Gotthold Ephraim Lessings „Minna von Barnhelm“ (1767) das heutige Publikum tatsächlich noch vom Hocker reißt? Die Inszenierung von Michael Talke macht am Kleinen Haus des Staatsschauspiels wieder Lust auf Klassiker – und dazu braucht es gar nicht viel mehr, als ein paar bunte Regieeinfälle und ein starkes Ensemble!

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Die Lawine des Shitstorms

Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“ macht Lust auf die Saison am Staatsschauspiel

Das ist schon mal ein gelungener Einstand: Der neue Intendant des Dresdner Staatsschauspiels, Joachim Klement, überzeugt mit seiner Stückauswahl für den Spielzeitauftakt am Großen Haus. Zwar ist Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“ nicht gerade ein Stück, das man auf Anhieb in Dresden verorten würde, doch hält es uns allen bitter ironisch den Spiegel vor. Denn Schnitzlers Text aus dem Jahr 1912 ist ein schonungsloses Plädoyer für differenzierte Betrachtung der Dinge und trifft in Dresden gerade zwei Tage vor der Bundestagswahl mitten ins Herz.

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Was ist eigentlich noch sicher?

Wolfgang Engel inszeniert Heinrich von Kleists „Amphitryon“ am Staatsschauspiel

Heinrich von Kleists „Amphitryon“ erklärt die Gewissheit allen Seins für nichtig. Das Spiel der verwirrten Identitäten, in dem göttliche Doppelgänger alle Tatsachen, die uns klar erscheinen, ins Wanken bringen, erschien 1807 nach einer Vorlage von Molière in Dresden, uraufgeführt wurde es in Berlin. In der Inszenierung von Wolfgang Engel feiert Kleists Stück (Fotos: David Baltzer) nun Premiere (4.2.) am Staatsschauspiel Dresden. Und auch hier weiß am Ende niemand mehr so recht, wo die Grenze zwischen Lustspiel und Tragödie verläuft, denn Kleist stellt einmal mehr die bestehende Ordnung in Frage, indem er seine Figuren in einen unauflösbaren Strudel der Irritation schickt.

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Per Flaschenpost ins Zauberreich

„Mio, mein Mio“ als Plädoyer für die Phantasie am Staatsschauspiel Dresden

Ach, wie gerne würden wir uns doch manchmal so eine geheime Flaschenpost wünschen. Einen Geist, der uns aus der grauen Realität hinaus in ein buntes Zauberreich der Phantasie trägt. So wie den Jungen Bosse in Astrid Lindgrens Märchen „Mio, mein Mio“ (1954). Dieser Bosse verschwindet einfach aus seinem Neubauviertel, und landet in den Armen seines Vaters, dem König eines Reiches, in dem es fliegende Pferde, glitzernde Seen und sprechende Brunnen gibt. Ein Reich also, in dem der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. In der Regie von Matthias Reichwald zieht diese Erzählung nun als bildstarkes Vorweihnachtstheater (Fotos: PR/David Baltzer) die großen und kleinen Zuschauer am Schauspielhaus in ihren Bann.

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