Schumann und Vivaldi zwischen Schellack und Vinyl

Rundgang Durch die SLUB zur Langen Nacht der Wissenschaften

Die Lange Nacht der Wissenschaften ist ein Abend für Entdecker. Seit fast elf Jahren wohne ich direkt neben dem Campus der TU Dresden, doch als wir das Gelände 2014 zum ersten Mal nachts erkundeten, konnte ich kaum glauben, was für Technologien sich hier gleich nebenan in den Gebäuden verstecken. Dieses Mal haben wir uns die Sächsische Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek – kurz SLUB – vorgenommen.

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Sieben Tage bis zum Weltuntergang

Dresdens Mayacodex als Schicksalsschrift

Dresden ist Musik-, Kunst- und Barockstadt, aber keine Literaturstadt, wird immer wieder behauptet. Doch spätestens in diesen Tagen sollte mit diesem Vorurteil Schluss sein. Ist doch ein Objekt im Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) seit Monaten schon im Fokus begieriger Weltuntergangspropheten: Jener gewichtige Teil des Mayakalenders nämlich, der sich, fachrichtig als „Codex Dresdensis“ bezeichnet, seit 1740 im Herzen der auf Kurfürst „Vater“ August von Sachsen (reg. 1553 bis 1586) zurückgehenden Buchsammlung in der Schatzkammer der Bibliothek befindet. Der Kurfürst konnte, als er 1556 damit begann, intensiv Bücher zu sammeln, freilich nicht ahnen, dass sein Hobby Dresden und der Welt einmal einen theoretischen Weltuntergang bescheren würde. Und tatsächlich war es ja auch August III., Sohn Augusts des Starken, der dieses „unschätzbare Mexicanische Buch mit Hieroglyphischen Figuren“ einst in Wien erwerben ließ. Eine folgenschwere Anschaffung, dank der Dresden nun zum Anlaufpunkt von Mayaforschern, deren Hobbyjüngern und Esoterikern gedeiht.

Denn wie inzwischen einhellig bekannt sein dürfte, endet mit dem „Codex Dresdensis“ am 21. Dezember 2012 für die Mayas ein ganzes Zeitalter. Noch vor sechs Jahren war der am besten erhaltene Dresdner zwar schon lange der Einzige von weltweit insgesamt drei Maya Codices, der öffentlich zugänglich ist, jedoch vom Gros der Touristen und Dresdner noch an den Rand der Vergessenheit gedrängt. Doch mit dem Herannahen des vermeintlich verhängnisvollen Datums 21.12.2012 wurde die 800 Jahre alte Handschrift mehr und mehr zum wahren Goldstück der SLUB-Schatzkammer. Weissagungen, astronomische Aufzeichnungen, Göttersagen und hieroglyphsche Kalenderziffern sind auf den 39 doppelseitig beschriebenen Blättern aus Feigenbaumrinde in bunten Farben zu sehen. Den Kalenderteil hat bereits der Dresdner Hofbibliothekar und Fürstenzugpassagier Ernst Förstemann (1822-1906) übersetzt. Doch auch nach über 200-jähriger Forschung sind noch lange nicht alle Zeichen der Mayas entschlüsselt.

Und so ist es kein Wunder, dass die Spekulationen im Vorfeld des 21. Dezember 2012 sprießen wie Unkraut und das Dresdner Buchmuseum als Heimat der prophetischen Handschrift bei Besuchern gefragt ist wie schon lange nicht mehr. Bereits im vergangenen Jahr haben nicht nur Gäste, sondern auch Medienstationen aus aller Welt die SLUB und ihren geheimnisvollen Kalender vor Ort betrachtet. Führungen gibt es seitdem jede Woche statt nur monatlich, die Öffnungszeiten des Buchmuseums mussten verlängert werden. Genaue Zahlen dazu bleibt die Bibliothek auf Anfrage am Dienstag (11.12.) bislang aber schuldig. Fakt ist jedoch, dass der globale Weltuntergangscountdown in Dresden – sozusagen in medias res – ganz und gar nicht von Panik begleitet, sondern stattdessen schon das ganze Jahr über mit einem umfassenden Veranstaltungsprogramm heruntergezählt wird (Screenshot).

So eröffnete am 23. Februar, also zehn Monate vor der angeblichen Apokalypse, die Ausstellung „Weltuntergang 2012?“ in der SLUB. Bis zum Mai dokumentierte sie anhand von Schautafeln den Weg der Maya-Handschrift von Mexiko nach Dresden und stellte die Kalenderrechnung der Maya vor, die eher den Weg in ein neues Zeitalter weist, denn einen echten Untergang heraufbeschwört. Am 21. Dezember locken dagegen gleich zwei Veranstaltungen in die Bibliothek. So organisiert die Konrad-Adenauer-Stiftung von 19 bis 21 Uhr im Lesesaal der SLUB eine Lesung zum Thema „Apokalypse“ (vorherige Anmeldung notwendig). Am Abend gibt es zudem um 21.30 Uhr im Vortragssaal ein Konzert zum Ende der Zeit, bei dem die Dresdner Sinfoniker das neue Zeitalter der Maya musikalisch begrüßen (das Konzert ist ausverkauft!). Und vielleicht beginnt dabei ja nicht nur für die Mayas eine neue Ära, nämlich der 14. Vierhundertjahreszyklus seit der Erschaffung der Welt, sondern ein bisschen auch für Dresden. Der Zyklus der Literaturstadt könnte er heißen – und er startet natürlich im Dresdner Buchmuseum.

Nicole Czerwinka

Von der Bachnote bis zum Majakalender

Landesbibliothek öffnet Schatzkammer

Ein Skizzenbuch Albrecht Dürers, eine handschriftliche Komposition Robert Schumanns und die Niederschrift einer Vorlesung Martin Luthers – viele Dresdner wissen gar nicht, welche Schätze ihre Stadt jenseits von Grünem Gewölbe und Türckischer Kammer beherbergt. Damit sich das bald ändert, bietet die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) ab sofort an jedem ersten Sonnabend im Monat wieder Führungen durch die Schatzkammer des Buchmuseums an.

In rund einer Stunde führt der Rundgang dabei durch das auf 20 bis 21 Grad Celsius temperierte Herzstück der SLUB – das so geannante Zemelienzimmer. Ehrenamtlich stellt unter anderem Slawistik-Studentin Adina Böhme die wertvollen Exponate – vom uralten Lateinwörterbuch bis hin zum Maja-Kalender, dem weltbekannten „Codex Dresdensis“ – vor. Zur ersten Neuauflage der Führungen, Anfang Juli, kamen bereits zwölf Interessierte. Am 7. August öffnet sich die imposante Tür der Schatzkammer um 14Uhr nun erneut für die Dresdner. Der Eintritt ist frei.

Die Entstehung der Schatzkammer geht auf die augusteischen Jahrzehnte zurück. Die kurfürstliche Bibliothek erfuhr besonders im 18. Jahrhundert eine beträchtliche Bestandserweiterung und entwickelte sich zu einer der größten und berühmtesten Europas. Wer nach Dresden reiste und sich für gebildet hielt, musste sie gesehen haben. Die Dauerausstellung wird seit 1917 durch eine Wechselausstellung ergänzt. Sie war vor dem Zweiten Weltkrieg im Japanischen Palais untergebracht.

Linktipp: www.slub-dresden.de

Ausflug nach Nepal, mitten in Dresden

 

Dresdner Student eröffnet dritte Fotoausstellung

Geographiestudent Toni Klemm (27) bringt mit seinen Fotoausstellungen regelmäßig das Fernweh nach Dresden. Nach Südafrika/Namibia (Anfang 2009 in der Galerie Adam Ziege und im Mai 2010 in Hellerau zu sehen), entführt er die Dresdner nun per Foto nach Nepal. Vom 3. bis zum 31. August sind dabei im Foyer der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) rund 60 Fotografien aus der Himalaya-Region zu sehen.

Die Ausstellungsbilder im Reportagestil entstanden auf einer privaten Reise des TU-Studenten, vorrangig in den Städten Kathmandu und Pokhara sowie bei einer mehrtägigen Wanderung in der Annapurna-Region im Himalaya. „Ich habe mit meinem Vater meine Mutter dort besucht. Sie machte in den letzten zwölf Monaten ein ‚Sabbatjahr‘ und hat drei Monate in einer Internatsschule in Kathmandu gearbeitet“, sagt der 27-Jährige, der neben seinem Studium als Fotograf bei verschiedenen Lokalzeitungen arbeitet.

Die Fotos (Beispielbilder oben: T. Klemm) zeigen verschiedene Alltagssituationen, wie zum Beispiel einen hinduistischen Mönch am Phewa Lake in Pokhara. Sie sind ab 3. August täglich im Foyer der SLUB zu sehen. Der Eintritt ist frei. (NL)

Linktipp: www.toni-klemm.de