Märchenzauber auf der Vorderbühne

Die Staatsoperette Dresden zeigt zum Advent eine stimmungsvolle Notversion von „Hänsel und Gretel“

Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit der Wunder. Und Zauberei funktioniert nirgendwo besser als im Theater. So hat die Staatsoperette Dresden nach der Wasser-Havarie im Oktober Bühnenmagie walten lassen und tief in die Trickkiste des Theaters gegriffen, um das Publikum im Advent doch noch im Kraftwerk Mitte verzaubern zu können. Jasmin Solfaghari hat ihre Inszenierung von Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ (Foto: Stephan Floss) flugs für die Vorderbühne eingerichtet. Die ist trotz des Wasserschadens bespielbar – und lässt genug Raum für märchenhafte Illusionen. Weiterlesen

Ein Künstlerleben als Odyssee zum Glück

Die Landesbühnen Sachsen zeigen Georg Kreislers Musical „Heute Abend: Lola Blau“

Das Rampenlicht aus, die Zigarette an und plötzlich wird Lola Blau ganz nachdenklich. „Im Theater, da ist was los!“, schmettert sie zu Beginn von Georg Kreislers Ein-Frau-Musical „Heute Abend: Lola Blau“  (Fotos: PR/Hagen König) noch enthusiastisch. Doch schon bald muss die jüdische Sängerin Wien verlassen, auch in der Schweiz bekommt sie kein Asyl und geht nach Amerika, wo ihr Talent hemmungslos verheizt wird. So wandert sie in der aktuellen Inszenierung an den Landesbühnen Sachsen von Transportkiste zu Transportkiste am Kultur-Bahnhof in Radebeul Ost, wechselt die Kleider wie die Orte, an denen sie singt, begleitet von Schiffshupen und einem einsamen Klavier.

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Deutschland-Abend für Tapfere

Spielbrett will mit „Heimatabend“ tief tauchen, paddelt aber eher flach

Der Valentinstag soll ja eigentlich zur fröhlichen Verliebtheit anregen. In diesem Fall wurde der Theaterabend am Rudi jedoch endlos lang. So lang, dass wir am Ende richtig wütend waren. Wütend, wie schon lange nicht mehr. Und eines noch vorweg: Es ist normalerweise nicht der Stil dieser Seite, Dresdner Laientheater allzu derb zu verreißen, aber dieses Mal fällt es tatsächlich schwer, sanfte Worte zu finden. Weiterlesen

Im Schatten des schönen Scheins

Die Staatsoperette Dresden zeigt „La Cage aux Folles“ als buntes Varietéstück

St. Tropez, hinter dem schillernden Vorhang des Travestie-Clubs „La Cage aux Folles“ (Fotos: PR/Kai-Uwe Schulte-Bunert) verbergen sich ernsthafte Sorgen: Der konservative Politiker Edouard Dindon will dem bunten Treiben an der Côte d’Azur ein Ende bereiten. Zu allem Übel hat sich Jean-Michel, das Ziehkind der Betreiber Georges und Albin, ausgerechnet in die schöne Tochter dieses spröden Mannes verliebt. Ein Familientreffen mit zwei Vätern scheint unter solchen Umständen natürlich unmöglich. Und schon sind wir mittendrin in Jerry Hermans turbulentem Musical „Ein Käfig voller Narren“, das die Staatsoperette Dresden in Kooperation mit dem Salzburger Landestheater auf die Bühne bringt.

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Eindrucksvoll vielseitig

Meisterkurs Dirigieren an der Musikhochschule

Dirigieren will gelernt sein. Es geht schließlich nicht nur darum, den richtigen Ton zu finden, der Dirigent muss seine Botschaft und Interpretation auch so an das Orchester kommunizieren, dass die Musiker den gewünschten Effekt richtig verstehen und umsetzen können. Acht junge Dirigenten durften diese hohe Kunst im Rahmen der Dresdner Meisterkurse Musik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber nun zusammen mit dem Philharmonischen Kammerorchester Dresden üben und verfeinern. Weiterlesen

Im Spiegel musikalischer Freundschaften

Sol Gabetta & Bertrand Chamayous „Chopin-Album“

Sie ist die Artist in Residence der Dresdner Philharmonie in der Saison 2015/16 und bezaubert auf ihrem aktuellen Album mit wunderbar zarten Cellointerpretationen von Werken Frédéric Chopins: Sol Gabetta entlockt ihrem Instrument auf ihrem „Chopin-Album“ nahezu samtige Töne, vereint sich mit dem Pianisten Bertrand Chamayou zu träumerischen Klangfarben. Weiterlesen

Cagliostro als Cannabis-Zauberer

Staatsoperette erweckt Strauß-Stück zum Leben

Ein fast vergessenes Stück, ein junger Regisseur, schmissige Musik von Johann Strauß – und schon hat die Staatsoperette Dresden alles zusammen, was ein ordentlicher Bühnenschlager so braucht. Die Operette „Cagliostro in Wien“ (1875) markierte in der vergangenen Woche (2.5.) nicht nur den Beginn der 5. Johann-Strauß-Tage in Leuben, sondern bescherte Dresden dabei auch noch eine Deutsche Erstaufführung. Weiterlesen

Verheißungsvoller Blick über’n Heckenrand

Szene12 reist anno 15 mit Haydn zum Mond – eine Kritik

„Wir sind offen, bunt, völlig frei und kreieren neue Werke auf der Basis bekannter Opern“, sagt der Dresdner OFF-Theaterverein szene12 von sich selbst. Mit diesem Anspruch schenkt er Dresden seit 2012 jedes Jahr eine unkonventionelle Operninszenierung, wobei er nicht davor zurückscheut, Ort, Zeit und Inhalt der Werke zu verändern. Mit Joseph Haydns Oper „Il mondo della luna“ entführt das Studentenensemble rund um Regisseur Toni Burghard Friedrich das Publikum nun sogar auf den Mond – und bringt eine wahrhaft komische Oper auf die Bretter der Bühne im Labortheater. Weiterlesen

Ewige Reise im Hamsterrad

Kafkas „Amerika“ am Staatsschauspiel – eine Kritik

Mit Kafka im Theater ist das so eine Sache. Seine Sprache ist ausgefeilt, die Texte sind vom ewigen Kreisen durch die Irre geprägt und entziehen sich (eigentlich) jeder Bühnendramaturgie. Alle drei Romane sind Fragment geblieben, wurden erst nach Kafkas Tod von dessen Verleger Max Brodt veröffentlicht. Am Staatsschauspiel Dresden haben Regisseur Wolfgang Engel und der Gastdramaturg Simon Strauß nun Kafkas Roman „Amerika“ (1913, auch „Der Verschollene“) in der Fassung von Pavel Kohout und Ivan Klíma opulent inszeniert. Weiterlesen