Studenten engagiert gegen Rassismus

Festival „contre le racisme“ steigt zum 4. Mal an der TU

Der Studentenrat der TU Dresden organisiert vom 7. bis zum 13. Juni das nunmehr vierte „festival contre le racisme“ gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Unter dem Motto „über uns – ohne uns?“ haben die Studenten Dresden in Kooperation mit dem Akademischen Auslandsamt der TU dabei ein umfangreiches Prorgamm auf die Beine gestellt. Im Vorfeld sprach elbmargarita mit dem diesjährigen Projektkoordinator und StuRa-Referenten für ausländische Studierende, Victor Vincze:

Das Festival findet vom 7.-13. Juni an der TU Dresden statt. Warum sollten nicht nur Studenten, sondern alle Dresdner kommen?

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gehen uns alle an. Die Universität ist keine „Insel der Weltoffenheit“, sondern ein sehr wichtiger Teil der Stadt. Es wäre schön, beim Festival eine breite Plattform aus Vertretern der politischen Organisationen, aber auch mit breiter Unterstützung der Bürgerinnen und Bürgern unserer Landeshauptstadt zu gestalten.

Welchen Programmpunkt sollte dabei niemand verpassen?

Es gibt viele anspruchsvolle Programme für jeden Geschmack. Inhaltlich ist gewiss der Themenabend mit der Medienkritikerin Frau Dr. Schiffer ein Höhepunkt. Aber auch die anderen Themenabende – zum Beispiel über politische Frauenliteratur in Nicaragua, das Schicksaal der DDR-Flüchtlingskinder aus Namibia oder Migration in Sachsen – müssten unbedingt erwähnt werden. Diejenigen, die selbst aktiv werden wollen oder sich intensiver mit dem Thema beschäftigen wollen, sollten sich schnell einen Platz am Freitag beim Rassismus/Empowerment-Seminar sichern.

Das diesjährige Motto lautet „über uns – ohne uns?“ Damit wollen die Veranstalter „die politischen Missstände und Diskriminierung ausländischer Mitbürger in und um Dresden andeuten.“ – Wo liegen Ihrer Meinung nach solche politischen Missstände in Dresden?

Es gab nach dem Mord an der hochschwangeren Marwa El-Sherbiny viele nette Worte und Versprechungen aus dem Rathaus. „Integration als Chefsache“, hieß es damals.  Es wäre interessant nachzufragen, was Dresden oder Sachsen daraus realisiert hat. Die Liste dürfte wohl sehr knapp ausfallen. Fragt man die Vertreter der Migrantenorganisationen, klagen sie oft über starkes Desinteresse an dem Thema. Insbesondere der Umgang der Stadt mit dem Ausländerbeirat ist ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig die Ausstattung dieser einzigen gewählten Interessenvertretung mit echten politischen Befugnissen wäre. Es wäre meiner Meinung nach wichtig, bei Beschlüssen, die Migranten direkt und im höchsten Maße betreffen, auch deren Stimme anzuhören.

Diese Kritik richtet sich vor allem an das Rathaus. Was ist mit den Dresdnern?

Aktive Vereine und Organisationen leisten enorme Arbeit für ein lebenswerteres, attraktiveres Dresden, das weltoffen ist, wo Migranten, Touristen, Investoren, ausländische Studenten und Forscher sich wohl und sicher fühlen können. Nur die Koalition im Rathaus sollte auch ihre Arbeit verrichten und die politischen Missstände endlich ernsthaft anpacken und beseitigen.

Interview: Nicole Laube

Programm zum Festival: www.stura.tu-dresden.de/festival

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