Dresden, das Dorf an der Elbe

Essay über bürgerliche Cliquenbildung in der Großstadt

Eine Eigenschaft, die Dresden sehr lebenswert, oft aber auch schwierig macht, ist sein Hang zur Dörflichkeit. Neulich bin ich nach einer Woche Urlaub in Amerika hier am Flughafen gelandet und traf – noch vollkommen Jetlag vernebelt – nicht nur sofort einen stadtbekannten Musiker am Gate, sondern beim Herausgehen auch eine gute Bekannte, die ihrerseits auf einen Ankömmling wartete. Weiterlesen

Entspannen am Elbufer

Lieblingsorte in Dresden: Der Glockenpavillon

Dresden ist eine Stadt zum Wohlfühlen, in der man manchmal nur die richtigen Orte fernab des Touristentrubels entdecken muss. In unserer Serie „Lieblingsorte“ stellen wir in loser Folge solche Plätze vor. Heute erkunden wir das Areal rund um Japanisches Palais und Glockenpavillon:

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Dresden im Kunstfieber I

Impressionen von der Jahresausstellung der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Im Sommer wird Dresden seinem Ruf als KUNST- und Kulturstadt wahrlich gerecht: An allen Ecken gibt es von Juli bis September Kunst zu bestaunen. Wir beginnen mit unserem kleinen virtuellen Rundgang bei der Jahresausstellung Nr. 1 an der Hochschule für Bildende Künste an der Brühlschen Terrasse 1 – und starten damit eine sommerliche Kunstserie. Weiterlesen

Jahrmarkt der Sinne im Märchenland

Die 9. Dresdner Schlössernacht entführt ins Reich der Phantasie, auch bei Regen …

Feuerfarben strahlt das Kostüm des schönen Stelzenvogels. Den langjährigen Besuchern der Dresdner Schlössernacht wohl bekannt, grüßt er die Ankömmlinge mit wehenden Schwingen am Tor zum Schloss Albrechtsberg. Willkommen in der Märchenwelt, die Mirco Meinel und sein „First Class Concept“ bereits zum 9. Mal am Elbhang heraufbeschwören.

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Zurück nach Dresden!

Warum Dresdner gern in die Ferne schweifen, aber selten für immer wegbleiben – ein Essay

Ein Dresdner will zurück nach Dresden. Ich musste schmunzeln, als ich diesen Satz neulich aus dem Mund einer Kölnerin hörte, die ihrem Mann (Dresdner) zuliebe hierher zog. Es ist die reine Wahrheit. Ich bin auch Dresdnerin – und lebte über vier Jahre in Fernbeziehung. Mein Mann war damals in Norwegen. Er war glücklich dort. Doch ich konnte mich nicht entschließen, zu ihm zu ziehen. Auswandern, das kam für mich gar nicht infrage.

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Dialoge zwischen Herz und Verstand

Hörtipp des Monats: Mirjana Rajić – Beethoven, Liszt, Prokofjew

Das ist Klaviermusik zum Träumen: Die Pianistin Mirjana Rajić setzt Werke von Beethoven, Liszt und Prokofjew auf ihrer CD in einen spannungsvollen Dialog. Entstanden ist die Aufnahme zum Abschluss ihres Studiums an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, wo die serbische Pianistin heute als Lehrkraft arbeitet. Das Programm ihrer Einspielung ist so ungewöhnlich wie persönlich, emotional und kontrastreich, hat sie es doch nicht zuletzt ihren Lehrern gewidmet und drei Kompositionen ausgewählt, mit denen sie ihren künstlerischen Werdegang auch individuell nachzeichnet.

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Im Viertel der Dichter und Denker

Dresdner Stadtspaziergänge: Loschwitz

Loschwitz, das idyllische Viertel im Dresdner Osten, kann viele Geschichten erzählen. Hier lebte einst Friedrich Schiller, lange bevor Uwe Tellkamp in seinen Roman „Der Turm“ dem Stadtteil märchenhafte Mythen auf den Leib schrieb. Das ist kein Wunder: Denn ein Spaziergang durch Loschwitz kann der Phantasie Flügel verleihen.

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Auf geht’s ins Sommerkino!

Drei Tipps für lauschige Kinoabende unter freiem Himmel in Dresden

Die Sommerferien haben in Sachsen begonnen. Die Zeit ist reif laue Sommerkinoabende unterm Sternenzelt. So richtig viel Auswahl für Open-Air-Kino gibt es in Dresden zwar nicht mehr, wir haben uns dennoch – wie jedes Jahr – auf die Suche begeben und einen Überblick erstellt:

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Jubiläum XXL

Klassik Picknickt feiert seine 10. Ausgabe mit Placido Domingo auf der Cockerwiese

Zum 10. „Klassik Picknickt“ darf es schon mal etwas extravaganter sein. Und so ist das beliebte Open Air zur Feier seines runden Jahrgangs 2017 ausnahmsweise vom Gelände der Gläsernen Manufaktur von VW ausgewichen, um über sich hinauszuwachsen. Auf der Cockerwiese durften dabei am Sonnabend (17.6.) in lauer Abendluft rund 10.000 Picknicker einem exquisiten Programm mit Staraufgebot lauschen.

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Atombombe im Märchenwald

Barbara Beyer führt das Regietheater mit Janáčeks „Das schlaue Füchslein“ am Kleinen Haus in düstere Abgründe

Nein, ein Märchen ist es wahrlich nicht, was die Opernklasse der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (HfM) mit Leos Janáčeks Oper „Das schlaue Füchslein“ (1924) auf die Bühne des Kleinen Hauses bringt. Tatsächlich malt die diesjährige Kooperation der HfM mit der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) und dem Staatsschauspiel Dresden düstere Bilder von der Menschheitszukunft: Statt Füchsen streifen hier graue Mutanten durch eine öde Felslandschaft (Fotos: Ronny Waleska) und halten den Menschen den Spiegel ihrer Sünden an der Natur vor. Das ist befremdlich und erschreckend – und auch in vielfacher Hinsicht ambitioniert.

Denn Barbara Beyer, Leiterin der HfM-Opernklasse seit 2015, hat die Latte mit der Stückauswahl für ihre zweite Regiearbeit in Dresden dieses Mal von vornherein hoch gelegt. Nicht nur musikalisch ist das Werk von Leos Janáček für junge Stimmen eine Herausforderung, hat er seine Musik doch für das Tschechische geschrieben, auch Wortmelodien seiner Muttersprache in die Partitur eingearbeitet. Da braucht es bei Sängern und im Orchester viel Gespür, soll die gewünschte Wirkung beim Hörer auch erzielt werden. Wenn das gelingt, kann Janáčeks Musik jedoch unglaublich schöne Bilder malen, mit der ihr eigenen Mischung aus Lyrik und Volksliedhaftigkeit bezaubern. Da braucht es auf der Bühne auch keine Dachshöhle und keinen Märchenwald, damit die Begegnung des Försters mit der Füchsin ungeheure Sinnlichkeit entfaltet und der Phantasie Flügel verleiht.

Damit das Stück verständlich bleibt, hat man sich nun für die Aufführung der Deutschen Fassung von Peter Hintze entschieden, für Kammerorchester arrangiert von Jonathan Dove. Erstmals gibt es dazu auch Übertitel (Franziska Leistner) im Kleinen Haus. Doch auch da, wo die ausbleiben, meistern die jungen Musiker das Stück souverän: Unter der musikalischen Leitung von Franz Brochhagen zaubert das Hochschulsinfonieorchester nach einem etwas holprigen Start noch viele schöne Momente am Premierenabend. Teaa An ist stimmlich wie darstellerisch eine entzückende Füchsin/Mutantin und findet mit Martha Sotiriou als Fuchs/Mutant einen starken Widerpart. Als Förster zieht Beomseok Choi sofort in seinen Bann. Rahel Brede bleibt auf die spröde Rolle der Försterin beschränkt, zeigt dies aber überzeugend – und Seongsoo Ryu darf als Schulmeister sogar komödiantisches Talent beweisen.

Die eineinhalbstündige Inszenierung stellt die Oper jedoch gehörig auf den Kopf: Wie in einem Comic wird das dreiaktige Stück in 12 episodenhafte Szenen unterteilt. Valentin Reichert von der HfBK setzt in seinem Bühnenbild auf die düstere Atmosphäre einer Steinlandschaft, ohne Tiere. Dafür lässt er fast Popart ähnlich immer wieder überzeichnet bunte Comicelemente und Figuren ins Bild plumpsen. Die Kostüme von Jakob Ripp (ebenfalls HfBK) stellen die heutige Alltagskleidung der Menschen den grauen Laborkitteln der Mutanten entgegen. Die Oper wird so gänzlich von allen Fabelwesen und Märchenkontexten befreit und in eine schaurige Zone der Unnahbarkeit im Jahr 2143 verlegt. Auf Dauer jedoch wirkt das arg konstruiert. So erfrischend alternative Regieansätze gerade in Produktionen mit jungen Künstlern oft gedeihen, in diesem Fall trägt das Konzept nicht.

Denn die Füchsin bei Janáček ist wendig und klug, agiert aktiv, eigenständig und souverän. Mutanten jedoch sind künstliche Wesen, oder zumindest von vornherein durch die sie erschaffenden Umstände determiniert. Genau das Gegenteil also von der flinken Fabelfigur, die Janáček zur Protagonistin seiner Oper erkor. Zwar ist die comichafte Erzählweise in Beyers Inszenierung auch eine Reminiszenz an den Ursprung des Librettos, das auf die Bildgeschichte „Die Abenteuer des Füchsleins Schlaukopf“ von Stanislav Lolek aus der Brünner Tageszeitung von 1920 zurückgeht. Doch nimmt sie der Oper hier gleichzeitig den Zauber, insbesondere da das Orchester zwischen den Szenen jeweils vorm schwarzen Vorhang spielen muss. Illusion und Sinnlichkeit adé. Im Kontrast dazu flimmern in den Szenen sporadisch bunt gewürfelte Videoausschnitte an der Bühnenrückwand auf, am Ende explodiert die Atombombe.

Die Botschaft ist klar: Der Mensch zerstört die Natur, indem er versucht, sie sich Untertan zu machen. Doch wo bleiben die Liebe, die Sehnsucht und die Melancholie, die so herrlich in Janáčeks Musik anklingen? Sie finden hier nicht statt. Die Hochzeit der Füchse/Mutanten wird dafür zur knalligen Marionettenshow verkitscht, der Schulmeister zum Showmaster stilisiert. Nur der Förster schwört im Jahr 2143 offenbar noch immer auf die gute alte Schrotflinte?! So werden junge, begabte Sänger am Ende in schrägen Bildern verheizt. Das ist schade für die Studenten wie fürs Publikum, sind doch die jährlichen Opernproduktionen der beiden Kunsthochschulen auch eine Chance, die Projekte des künstlerischen Nachwuchses ins Herz der Kulturstadt Dresden zu tragen – und am Rande der großen Spielpläne eine eigene Nische zu etablieren.

„Das schlaue Füchslein“ am Kleinen Haus, wieder am 21., 24., 29., 31. Mai sowie am 6. und 10. Juni