(Un-)Treueprobe mit Happy-End

Mozarts „Così fan tutte“ an der Semperoper

Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Così fan tutte“ (1790) ist tausendfach gespielt – und noch immer aktuell. Regisseur Andreas Kriegenburg lässt das beliebte Repertoirestück in seiner Inszenierung an der Semperoper Dresden nun als sinnlichen Maskenball der Gefühle (Foto: PR/Matthias Creutziger) abermals wiederauferstehen. Weiterlesen

Opernspaß mit der Nanny und Steve Urkel

Szene12-COSIFANTUTTE

Szene12 inszeniert „Così fan tutte“ im Labortheater

Theaterregisseure sind oft bescheidene Menschen. So nahm Toni Burghard Friedrich den tosenden Schlussapplaus für seine Inszenierung von Mozarts „Così fan tutte – oder die Schule der Liebenden“ im Labortheater am Donnerstag (26.9.) auch mit einem stillen, zufriedenen Nicken entgegen. Verdient hat er ihn allemal, denn der Regiestudent aus Wien hat mit dem jungen, durchweg studentischen Ensemble des Dresdner Vereins szene12 in diesem Jahr eine so ungewöhnliche wie beachtliche Aufführung des bekannten Repertoirestücks auf die Beine gestellt.

Das Verwechslungsspiel um den kreuzweisen Pärchentreuetest in Mozarts dritter und letzter Oper, die er zusammen mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte realisierte, wird in Friedrichs Inszenierung als moderner Sitcom-Dreh verpackt. Don Alfonso (Steven Klose) ist hier der Regisseur am Filmset, seine Verbündete Despina (Marie Hänsel) steht ihm als Assistentin zur Seite. Die vier Hauptpersonen Fiordiligi (Johanna Will), Dorabella (Christiane Johanna Gänßler), Ferrando (Sie Hun Park) und Guglielmo (Meinhardt Möbius) treten schließlich als paarweise verbandelte Sitcom-Schauspieler auf, die stets zwischen Bühne und Hinterbühne auf- und abgehen.

Leonore Pilz und Dennis Ennen von der Dresdner Hochschule für Bildende Künste haben für diesen pfiffigen Stückzugang eine typische Sitcom-Kulisse im Wohnzimmerstil (Foto: PR/René Fußhöller) entworfen, in der das Spiel im Spiel stattfindet. Eine Videoleinwand zeigt zudem den Bereich hinter der Bühne. Hier streiten, pausieren und lachen die als Sitcom-Stars auftretenden Hauptcharaktere – vorn müssen sie den Partnertausch glaubhaft vorgaukeln, hinten wissen sie, wer sich hinter der Maskerade verbirgt. Die eigentliche Oper wird so auf geschickte Weise noch um eine Ebene erweitert, die den zumeist unkritischen TV-Konsum der Fernsehzuschauer hinterfragt.

Was hier vielleicht kompliziert klingt, verblüfft auf der Bühne als ungewöhnlich leichtfüßige und spritzige Opernvorstellung, der in Anbetracht von knapp fünf Wochen Probenzeit, die alle Beteiligten neben dem Studium stemmen mussten, höchster Respekt gebührt. Die jungen Darsteller überzeugen sowohl mit ihrer Spielfreude als auch gesanglich, wobei die Partitur des Stückes gerade für junge Stimmen eine große Herausforderung ist. Unter der musikalischen Leitung von Michael Blessing, der passend zum Stück ein reines Frauenorchester dirigiert, gedeiht der Abend zu einem soliden musikalischen Singspielerlebnis.

In Anlehnung an amerikanische Fernsehsitcoms stöckeln und stolpern hier auch einige vom Bildschirm bekannte Typen übers Parkett. So trägt Marie Hänsel als Despina ganz eindeutig Züge der „Nanny“, Guglielmo verwandelt sich dank Verkleidung plötzlich in den „Prinz von Bel Air“ und Ferrando ähnelt verblüffend komisch dem Tollplatsch Steve Urkel aus „Alle unter einem Dach“. Für Lacher sorgt auch immer wieder der von Leonore Pilz zusammengestellte Film-Vorspann zur Sitcom „School of Lovers“, die hier im Gewand von Mozarts Oper gezeigt wird.

So spielt die Inszenierung mit typischen Formen, Abläufen und Charakteren der amerikanischen Fernsehsitcom, doch geschieht dies alles, ohne dass es aufgesetzt oder penetrant wirken würde. Ungeachtet des lockeren Showcharakters bleibt die Oper immer Oper, in der Musik und Handlung wirkungsvoll Hand in Hand gehen. Und dennoch sind die gut zwei Stunden junger Kunst im Laborthater so kurzweilig, dass man am liebsten sitzen bleiben und weiter diesem opernhaften Fernsehspiel (oder war’s umgekehrt?) zuschauen möchte. Als am Ende dann doch die Lichter ausgehen, der Fernseher quasi abgeschaltet ist, kann man dem jungen Projekt für die fünf Vorstellungen in dieser Woche nur noch viele, viele Zuschauer wünschen …

Nicole Czerwinka

Szene12 spielt „Così fan tutte“ im Labortheater, wieder am 28./30.9., 2.10., je 20.15 Uhr, am 3.10., 16 Uhr und am 5.10., 20.15 Uhr

Linktipp: www.szene12.de