Die Liebe in den Zeiten des Mauerfalls

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Herbstauslese: „Von Mauern und Flammen“

Herbstzeit ist auch Lesezeit. Unter dem Motto „Herbstauslese“ startet auf elbmargarita.de eine neue Serie, in der wir ausgewählte Romane und Erzählungen rezensieren, die in Dresden spielen. Heute: Emilia Licht: „Von Mauern und Flammen“

Radolf und Katja sind Büchermenschen. Mit einer Literaturgesellschaft reisen sie 1989 nach Prag, laufen sich über den Weg und fangen sofort Feuer wie trockenes Papier. Ihre Liebe zum geschriebenen Wort wird zur Leidenschaft füreinander. Aber beide wissen, dass ihr Glück nur von kurzer Dauer ist, denn sie haben Verpflichtungen, Partner und später auch Familien.

Trotzdem kommen sie nicht voneinander los, telefonieren, treffen sich heimlich und spüren, dass sie so nicht ewig leben können. Zweimal verlieren sie sich aus den Augen und zweimal holt sie ihr Schicksal ein. Jahre vergehen, die Mauer fällt und die Weimarer Bibliothek steht in Flammen, aber als Radolf begreift, dass er um Katja kämpfen muss, ist es fast schon zu spät.

Nach bildhaften Episoden in Prag, Cottbus, Weimar und Berlin schickt die Autorin ihre Charaktere nach Dresden, wo sie sich nach der Wende eine berufliche Zukunft erhoffen. Katja arbeitet in einer Buchbinderei und bezieht eine kleine Wohnung in der Neustadt, als Radolf sie wiederfindet.

Emilia Licht ist Wahl-Dresdnerin und macht ihre Stadt wie selbstverständlich zur romantischen Kulisse. Spaziergänge in Straßen und Parks, Blumen vom kleinen Laden um die Ecke, das nette Café an der Frauenkirche – schon längst war es nötig, diesen Charme zu verewigen. Und was liegt da näher als eine Geschichte voller Leidenschaft, Kultur und Historie?

Emotionale Themen haben es der Autorin angetan, ihr Debüt gab sie 2011 bei Gmeiner mit „Hotel Blaues Wunder“, einer frechen Geschichte über eine Frau, die den Spagat zwischen Liebe und Karriere wagt. Natürlich in Dresden.

„Von Mauern und Flammen“ besticht durch Humor und den inneren Konflikt, sowie hervorragende historische und regionale Recherche. Emilia Licht belebt jede einzelne Gasse und zeigt, wie verschiedene Charaktere die Wende meistern oder daran scheitern, während ihre Pläne immer wieder durchkreuzt werden.

Die Bücherliebe bleibt leider etwas inkonkret, einige Charaktere zu flach, doch die Entwicklung der Protagonistin ist erstaunlich: Ihre anfängliche Unsicherheit wandelt sich zu beeindruckender Selbstständigkeit. Die Beziehung zu ihrer besten Freundin strahlt wahre Wärme aus.

Dieser mit Liebe zum Detail erzählte Roman beweist, dass wir alle Opfer unserer Gefühle sind. Emilia Licht widmet ihre Liebesgeschichte den Zögernden, den Menschen, die zu viel Angst haben und dann bemerken, wie schnell alles vorbei sein kann. Eine Leseempfehlung für Frauen, die diese Zeit mit ihren ganz eigenen Augen durchlebt haben.

Linktipp: www.emilia-licht.de

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Autorin erzählt übers Schreiben

Josefine Gottwald und die „Krieger des Horns“

Das Schreiben liegt ihr im Blut. Obwohl Josefine Gottwald seit September 2012 einen handfesten Abschluss als Diplombiologin an der TU Dresden in der Tasche hat, ist sie momentan am liebsten Buchautorin. Schon im zarten Alter von 14 Jahren hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht. Der Fantasieroman „Die Krieger des Horns“ erschien 2003 in einem kleinen Verlag aus Dessau.

Von da an ließ sie die Lust am Schreiben nicht mehr los. Aus dem Erstlingswerk wurde eine ganze Reihe über Einhörner, Vampire und Krieger, die die Träume der Menschen beschützen. Drei Teile (2003, 2005 und 2010) sind bereits erschienen, zwei davon werden demnächst auch als E-Book herausgegeben. Der vierte und letzte Band ist derzeit schon in Arbeit. Das Schreiben fällt Josefine Gottwald (Foto: PR) leicht. „Es ist nicht so, dass ich mich dazu zwinge. Ich warte eher darauf, bis ich alles niederschreiben kann“, sagt die 25-Jährige. Viel schwerer sei es dagegen, das Geschriebene auf dem schier unendlichen Buchmarkt in Deutschland auch bekannt zu machen.

Josefine Gottwald investiert seit Jahren viel Zeit und Mühe, um ihre Bücher den potenziellen Lesern vorzustellen. Wie jedes Jahr war sie am vergangenen Wochenende wieder als Autorin auf der Buchmesse in Leipzig zu Gast, hat dort ihre dreibändige Fantasiegeschichte am Stand des Machtwortverlages beworben und mit ihren Lesern gesprochen. Am 18. März wird die gebürtige Altenbergerin nun auch in Dresden ihre nächste Lesung halten, 18.30 Uhr geht es in der Bibliothek Strehlen, im Otto-Dix-Center los. Der Eintritt ist frei. „Ich werde Textstellen aus meinen Jugendromanen über die ‚Krieger des Horns‘ vorlesen und es wird auch eine Beamer-Präsentation mit Bildern aus dem Fantasy-Fotoshooting geben. Außerdem bringe ich Bücher zum Signieren und viele kleine Geschenke von der Buchmesse mit“, verspricht die junge Autorin.

Bei ihren Lesungen bestehe auch immer die Möglichkeit, sie „Löcher in den Bauch“ zu fragen. „Ich erzähle gern etwas über das Schreiben und meine Erfahrungen mit dem Veröffentlichen“, sagt sie. Natürlich hat Josefine Gottwald neben ihren Fantasyromanen auch schon weitere Projekte an der Angel. Nebenbei arbeitet sie zum Beispiel an einem historischen Fantasy-Roman für Erwachsene, schreibt Kinder-Kurzgeschichten und Gute-Nacht-Geschichten, die als Hörbuch und vielleicht auch als Buch erscheinen sollen. Die unerschöpflichen Ideen für diese zahlreichen Erzählungen kommen der jungen Frau nicht nur im Alltag, sondern ganz oft bei Ausritten in der Natur. Etwa 1000 Wörter fließen täglich aus ihrer Feder – und wer weiß, vielleicht entwickelt sich das in Zukunft ja noch hin zum hauptberuflichen Autoren-Dasein?

Nicole Czerwinka

Lesung:  „Die Krieger des Horns“, Josefine Gottwald, 18. März, 18.30 Uhr, Bibliothek-Strehlen

 

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