„String Spring“ als virtueller Winterwettbewerb

Das Publikum ist gefragt: 5. European Guitar Award geht ab heute bei Youtube über die Bühne

Auch wenn Theater und Konzertsäle auf unbestimmte Zeit geschlossen sind, ganz still steht das Musikleben in Dresden nicht. Das zeigt sich auch am String Spring Festival der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (HfM). Im April 2020 wurde es zunächst auf Januar 2021 verschoben und kann nun abermals nicht über die (Live-)Bühne gehen. Initiator Thomas Fellow, Gitarrist und Professor für Akustikgitarre an der HfM, nimmt es mit der ihm eigenen Gelassenheit. Denn obwohl eine zweite Verschiebung des String Spring kaum denkbar scheint, konnte er mit dem 5. European Guitar Award zumindest eine wesentliche Säule des Festivals in diesen Winter retten.

Die zehn Finalisten für den Wettbewerb stehen seit beinahe einem Jahr schon fest. Sie kommen aus sieben europäischen Ländern, darunter sind auch wieder einige Gitarristen der Dresdner Hochschule, wo die Teilnehmer mit den Protagonisten der europäischen Gitarrenszene normalerweise vier satte Festivaltage gestaltet hätten. Nun wird der Wettbewerb – wie das gesamte Kulturleben derzeit – in virtuelle Welten verlegt. Die Finalisten sind aufgefordert, ihre Beiträge per Video einzureichen. „Wir haben dazu einige Restriktionen aufgestellt: Das Video darf nur mit einer Kamera aufgenommen werden, muss durchgespielt sein und darf keine Schnitte aufweisen“, erklärt Fellow. So wollen die Organisatoren vermeiden, dass die Teilnehmer mit raffinierten Videoarrangements statt mit musikalischen Leistungen bei Publikum und Jury punkten. „Ehrlich und handgemacht“, soll es sein, ergänzt Fellow. Oder anders gesagt: Die lauschig intime Atmosphäre der Dresdner String Spring Konzerte darf sich gern auch in den Videos widerspiegeln.

Diese werden innerhalb von wenigen Stunden hochgeladen und zunächst von der Fachjury aus internationalen Spitzengitarristen wie Pavel Steidl, Stephan Bormann, Tilman Hoppstock, Petteri Sariola, Reentko Dirks und Zoran Dukić beurteilt. Vom 13. bis 17. Januar ist das Publikum am Zug. Die einzelnen Wettbewerbsbeiträge – aufgrund der Verletzung einer der Teilnehmer sind es nur neun – stehen dann auf Youtube (siehe Link unten) und bringen den Gitarrenfrühling direkt ins Wohnzimmer. „Die Zuhörer können sich auf einige der interessantesten kreativen Gitarristen Europas freuen“, sagt Fellow. Von Weltmusik, modernem Fingerstyle, konzertanten Stücken bis hin zu experimentellen Soundscapes sei fast alles dabei, was gute Gitarrenmusik heutzutage ausmache. Abgestimmt wird mittels des „gefällt mir“-Buttons unter den jeweiligen Videos. Eine Bitte allerdings hat Fellow an die Zuschauer: „Sie sollten sich der Fairness halber alle neun Beiträge bis zum Ende anschauen und dann erst abstimmen. Alles andere wäre den Teilnehmern gegenüber ungerecht. Es sind ja ein paar Tage dafür Zeit.“

Obwohl der European Guitar Award dank Onlineabstimmung nun weltweit zugänglich werde, setzt der Initiator vor allem auf das Dresdner Publikum. „Das String Spring Festival und der European Guitar Award haben hier ihre Fans, die nun gefragt sind“, sagt er.

Den Wettbewerb einfach abzusagen kam für Thomas Fellow auch deswegen nicht infrage, weil die Unterstützung der jungen Gitarristen, die alle samt noch am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen, in der Corona-Krise nur umso wichtiger ist. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert, Neben dem Preisgeld winken eine CD-Produktion bei Doctor Heart Music, Konzerte innerhalb einer Young Masters-Tour und die Möglichkeit einer Publikation beim Verlag Schott Music.

„Natürlich blicken wir auch mit einem weinenden Auge auf den digitalen Wettbewerb. Diese vielversprechenden jungen Musiker an unserer Hochschule in Dresden begrüßen zu dürfen und sie in einem Livekonzert zu erleben, wäre uns eine große Freude gewesen“, so Fellow. Der Austausch der jungen Gitarristen mit den großen Legenden ihres Fachs werde sicher bei den einschlägigen Festivals später noch stattfinden können. „Die Gitarrenwelt ist ja ziemlich klein“, sagt er. Dennoch sei es nicht ausgeschlossen, dass das Preisträgerkonzert in Dresden irgendwann nachgeholt wird, obgleich er sich momentan dazu noch nicht an konkrete Planungen wage. Für das Publikum sollte das auf jeden Fall ein Ansporn sein, sich möglichst rege an der digitalen Auswertung zu beteiligen. Die Gewinner aller Preise werden am 18. Januar von der Hochschule bekannt gegeben.

Info: Link zum Wettbewerb, Onlineabstimmung vom 13. bis 17. Januar 2021 auf dem Youtube-Kanal der Dresdner Musikhochschule

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