Ein „Hallelujah“ für die Kulturstadt

The Dark Tenor kehrt für ein besonderes Musikprojekt in seine Heimatstadt Dresden zurück

Als The Dark Tenor tourt er durch die Lande. Seine musikalische Laufbahn begann im Kreuzchor in Dresden. Nun hat der Sänger Billy Andrews (Foto: Lars Schuldt) seiner Heimatstadt ein Musikvideo gewidmet, in dem er die Vorweihnachtszeit 2020 und das für Sport, Kultur und Tourismus besonders herausfordernde Jahr mit Leonard Cohens „Hallelujah“ optisch wie musikalisch einfühlsam einfängt. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen in der Corona-Krise und das Musikprojekt in Dresden gesprochen.

„Hallelujah“ – das könnte 2020 das Stoßgebet aller Künstler sein. Wie hast du das Jahr erlebt?
Kaum ein Jahr ist so schnell vergangen wie 2020! Meine Frühjahrstournee durch 18 Städte wurde abgesagt und neue Termine in den Herbst geplant. Diese neuen Termine sind nun auf Ende 2021 verschoben. Ich habe die viele Zeit genutzt, um neues Songmaterial zu erarbeiten, Kurse zur Vermarktung meiner Musik zu machen und mit Begeisterung die Entwicklung von digitalen Angeboten verfolgt. Es ist eine harte Zeit für die Kunst, ich glaube aber, dass es möglich ist neue Wege zu finden, Menschen zu erreichen und sein Talent zu präsentieren. Der Wandel ist sicher nicht schmerzfrei, aber wann ist das schon so. Ich blicke immer nach vorn.

Was war bzw. ist für dich als Sänger, aber auch persönlich die größte Herausforderung in der Pandemie?
Ein Leben lang auf der Bühne zu stehen, bedeutet natürlich auch, dass wenn es nicht möglich ist Konzerte zu geben, einem nicht nur der Beruf untersagt ist, sondern der Lebensinhalt. Besonders schwierig wurde das, als meine Tourneen immer wieder abgesagt oder verschoben wurden. In Krisen werden Partner fürs Leben gemacht. An vielen Stellen sind persönliche Enttäuschungen entstanden und so weiß ich nun, auf wen ich mich wirklich verlassen kann.

Was macht dir Mut in dieser Zeit?
Trotz wundersamer Demonstrationen sehe ich einen tollen Zusammenhalt unter den Menschen. Zu Beginn der Pandemie haben Kids in meinem Wohnhaus für die Älteren eingekauft. Die Familie nebenan hat jeden Abend 19 Uhr ein 15-minütiges Konzert gegeben. Im großen Ganzen macht es mir Mut zu sehen, dass die Menschen zusammenhalten.

Du hast im Dresdner Kreuzchor gesungen, lebst aber jetzt in Berlin. Wie fühlte es sich an, für das Videoprojekt nach Dresden zurückzukehren?
Ich liebe Dresden! Die Stadt ist noch immer mein Zuhause, ich kenne sie in und auswendig. Ich wollte in meinem neuen Video zum Song „Hallelujah“ auf die Situation von Sport, Kunst und Tourismus aufmerksam machen. Statt darüber zu reden, zeige ich eindrucksvolle Bilder aus der Innenstadt, dem Boulevardtheater, dem Rudolf-Harbig Stadion und dem Schloss Albrechtsberg. Orte, die sonst voller Leben sind. All diese Orte haben eine direkte Verbindung zu meinem Leben in Dresden. Sei es nun der Ort des ersten Kusses, eine ehemalige Arbeitsstelle wie in der Gläsernen Manufaktur, oder Räume und Orte, die mich permanent begleitet haben.

Was verbindest du mit Dresden? Hast du hier noch so etwas wie einen Lieblingsplatz?
Dresden ist einzigartig. Einen Lieblingsplatz kann ich gar nicht so einfach benennen. Mein alter Schulweg führte mich aus Oberloschwitz hinunter über den Körnerplatz über das Blaue Wunder zum Kreuzgymnasium. Ganz besonders sind für mich die Elbwiesen und die Erinnerungen an die vielen Nächte mit Freunden und einem Grill.

Mit dem Video hast du auch ein Stück weit das Internet zur Bühne gemacht. Ist dieser virtuelle Raum für dich eher ein letzter Anker in der Krise oder eröffnet er vielleicht auch neue Perspektiven für die Zukunft?
Für mich ist es wichtig, die Zuschauer in meine Projekte einzubinden. Wenn man Konzerte gibt, ist das einfach. Jetzt, wo Konzerte als Livestream oder nur eingeschränkt möglich sind, wollte ich meinem Publikum die Möglichkeit geben, dennoch Teil meiner neuen Songs zu werden. Wie bei einem Konzert nur eben in einem Video. So können die Zuschauer und ich als Künstler doch noch an ein und demselben Ort gemeinsam die Musik feiern. Nicht nur uns Musikern fehlt die Bühne. Dem Publikum fehlt es ebenso auf Konzerte zu gehen und diese Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen.

Wie geht es für dich 2021 weiter? Werden weitere musikalische Projekte in deiner Heimatstadt folgen?
Nachdem ich das Video abgedreht hatte und mein jährliches Traditionskonzert „Akustische Weihnachten“ auf 2021 verschoben werden musste, hatte ich die Idee, ein Streaming-Konzert daraus zu machen – aus dem Festsaal von Schloss Albrechtsberg. Ich streame das komplette Konzert am 12.12.2020, 19.30 Uhr auf meiner Homepage und spiele dabei Songs aus meinem neuen Album „CHRISTMAS“. – 2021 wird ein spannendes Jahr. Es gibt viele internationale Anfragen, denen ich folgen möchte, bis ich wieder Konzerte in Deutschland geben darf. Ich freue mich schon sehr darauf!

Vielen Dank! Bleib gesund und genieße die Weihnachtszeit, auch wenn sie dieses Jahr ganz anders ist als sonst …

Info: Streamingkonzert am 12. Dezember, 19.30 Uhr über die Webseite von The Dark Tenor

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