Jubiläum trotz Krise

Elbmargarita feiert 10. Geburtstag – und legt jetzt richtig los!

Heute ist der 1. April 2020. Und wenn ich an diesem herrlichen Frühlingsabend über den Campus der TU Dresden spaziere, der menschenleer ist, werde ich fast ein bisschen wehmütig. Dieser Tage ist es zehn Jahre her, dass ich mit elbmargarita.de eines der ersten Onlinemagazine für Dresden gründete. Damals war ich selbst noch Studentin, schrieb unter der Woche an meiner Magisterarbeit und am Wochenende Artikel für die Sächsische Zeitung.

Nach einem Gespräch über berufliche Zukunftschancen mit einem Kollegen bei einem dieser Sonntagsdienste, beschloss ich kurzerhand, mein eigenes Medium, einen Blog, zu gründen. Eine E-Mail an eine befreundete Informatikerin und eine durchgeplante Nacht später ging elbmargarita.de am 7. April 2010 online. Es war die Nachtgeburt eines Widderkindes. So kam mein journalistisches Baby in die Welt. Ähnlich wie die Hochschulzeitung „ad rem“ bot mir die Seite fortan unendlich viel Raum zum Ausprobieren, Freiheit für Experimente und Gelegenheit, meinen journalistischen Stil zu suchen, finden und auszubilden.

Wenn ich heute zurückblicke, bin ich stolz, dass ich dieses „journalistische Hobby“, das bei Kollegen aus Presse und PR ziemlich schnell Beachtung fand, so lange am Leben halten konnte. Ganze Lebensphasen hat elbmargarita.de mit mir durchgemacht. In zehn Jahren hat sich die Seite mit mir weiterentwickelt. Aus dem Nachrichtenportal für Dresden (inklusive Wetter-App, darauf war ich damals echt stolz!) ist ein Onlinemagazin für Kultur geworden, in das neben Rezensionen, Interviews und Künstlerportraits auch Gedanken über Dresden, Reiseberichte oder Fiktives einfließen. In den vergangenen zwei Jahren ist die Seite noch persönlicher und das Layout wieder etwas bloggiger geworden. Der journalistische Anspruch aber bleibt!

Vielleicht ist es Ironie des Schicksals, dass nun ausgerechnet drei Wochen vor elbmargaritas großem Jubiläum in Dresden und auf der ganzen Welt alle Kultureinrichtungen schließen mussten. Eigentlich, so müsste man meinen, wird einem Onlinemagazin für Kultur (Theaterrezensionen waren über lange Zeit das Hauptnahrungsmittel dieses Blogs) die Lebensgrundlage entzogen, sobald Theater und Konzertsäle geschlossen, Aufführungen abgesagt sind. Auf der anderen Seite, denke ich mir, war ein Angebot wie elbmargarita.de vielleicht noch nie so wichtig wie jetzt!

Ich habe auf meiner Seite stets auf positive Meldungen gesetzt, mich bemüht, Unterhaltung mit Niveau zu liefern. Jenseits des Mainstreams, kreativ, experimentell. Onlinejournalismus war lange ein unterschätztes Genre. Erst recht in der Kultur. Doch mit der Corona-Krise wurde nun gerade die Onlinewelt auf beglückende Weise aufgewertet. War noch vor zehn Jahren kaum eine Kultureinrichtung in Dresden auf Twitter, Facebook oder Youtube zu finden, so wandern jetzt täglich eine Vielzahl an Konzerten, Opern- und Theateraufführungen ins Internet. Der Stream ist in Krisenzeiten das neue Liveerlebnis. Selbst die Museen in Dresden kommen inzwischen via Bildschirm zu ihrem Publikum nach Hause.

Sicher sind zehn Jahre ein Grund zum Feiern. Noch mehr Freude macht es mir aber, mit diesem Blog selbst einen kleinen Beitrag in der Krise zu leisten – mit dem, was ich am besten kann: Schreiben. Zum Geburtstag möchte ich daher wieder sehr regelmäßig bloggen. Den ganzen April über. Ich möchte die Menschen mit meinen Geschichten unterhalten, einen Hoffnungsschimmer schenken, sie vernetzen und auf schöne Initiativen hinweisen. Und wenn ich so nur einer Handvoll Lesern ein paar schöne, unbeschwerte Minuten in diesen Zeiten, etwas Freude geben kann, wäre das für mich das aller schönste Geschenk nach zehn Jahren (auch sehr Zeit-) intensiven Bloggens.

An dieser Stelle möchte ich allen meinen treuen Lesern (und ich weiß, es gibt euch da draußen) danken, ebenso wie meinen fleißigen Mitautorinnen und Unterstützerinnen, meinen Wegbegleitern, Interviewpartnern und jenen, die immer an dieses Projekt geglaubt haben. Ohne euch hätte ich das nie so lange durchgehalten! Gäbe es keine Kontaktsperre, ich würde euch einen großen Kuchen backen und alle fest umarmen. Statt dessen lade ich euch ein, virtuell mit mir zu feiern! Und zwar den ganzen Monat lang: lesend, staunend und voller Überraschungen.

Happy Birthday, elbmargarita.de!  

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