Blick nach Innen für den Blick nach Außen

Schimmel Projects ist ein Schaufenster für junge, experimentelle Kunst aus ganz Europa

Auf den ersten Blick wirken die Schaufenster in der Großenhainer Straße 61 bis 63 unscheinbar. Wer im Vorbeigehen etwas länger hineinschaut, dem offenbart sich dahinter jedoch ein Raum, der die Kunststadt Dresden seit einem Jahr um eine neue Facette bereichert. Schimmel Projects – Art Centre nennt sich das Projekt, mit dem drei Meisterschüler der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in dem kleinen OFF-Space monatlich einem jungen Künstler aus Europa die Möglichkeit für eine Ausstellung bieten.

Rasmus Roos Lindquist, Josefine Schulz und Maximilian Stühlen wollen hier eine internationale Plattform für junge und experimentelle zeitgenössische Kunst etablieren. Es geht darum, neue Perspektiven zu eröffnen, die Kunstszene der Stadt mit Impulsen von außen zu beleben. Nicht zuletzt wollen die drei auch junge Künstler, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, mit dem Projekt fördern. „Wir laden dazu Künstler aus anderen Ländern ein und bieten ihnen die Möglichkeit, sich hier einem neuen Publikum zu zeigen“, erklärt Rasmus Roos Lindquist, der zu den Gründungsmitgliedern des Art Centres gehört.

Schimmel Projects eröffnet den Blick übern Tellerrand. Kunst soll hier Menschen zusammenbringen. Ohne Barrieren. So erklärt sich auch der Standort an einer viel befahrenen Straße im Herzen von Pieschen und nicht in der ohnehin mit kulturellem Prunk überladenen Innenstadt. Acht Jahre standen die Räumlichkeiten leer, bevor die Studenten sie mit viel Hezblut erst renoviert und dann mit Kunst gefüllt haben. Das Spektrum Ausstellungen reicht von Malerei über Installationen, Grafik, Computerkunst bis hin zu Skulptur. Was in dem Projektraum gezeigt wird, darf gern ein wenig schräg und verrückt sein. Es soll zum Austausch und Nachdenken anregen.

Die aktuelle Ausstellung eröffnete am 1. November 2018 und ist noch bis zum 18.11. zu sehen. Die israelische Künstlerin Ruti de Vries zeigt mit „Folded Fold of a Handing Hand“ eine Installation, die Skulptur und zweidimensionale Arbeiten vereint. Textilien, Papier und gefundene Objekte zeigt sie im Spannungsfeld zwischen Materialien und Wörtern. Charakteristisch sind Figuren mit ungemein langen Beinen, Spielkarten und Muster, die bei genauem Hinsehen eigene Gesichter bilden. Ein A4-Blatt gibt über die Exponate Auskunft. „Lady Turtle“ ist etwa ein buntes Tier beschrieben, das den Besucher gleich im Eingangsbereich des großen Ausstellungsraums mit einem Wischmopp-Kopf drollig begrüßt.

Doch das ist noch nicht alles: Wer nicht nur schauen will, der kann in der gemütlichen Bibliotheksecke der kleinen Galerie auch einfach nur lesen – oder mit anderen Besuchern über die aktuelle Ausstellung diskutieren. Bürger der Stadt Dresden und junge Künstler sollen so ins Gespräch kommen. Die drei Meisterschüler wollen mit Schimmel Projects Neugierde wecken, Verbindungen schaffen. Für das kommende Jahr haben sie bereits einen exquisiten Plan aufgestellt. Fast monatlich wechseln die Ausstellungen im Art Centre. So gibt es alle vier Wochen einen neuen Grund zu den Öffnungszeiten von Do. bis So. 14-17 Uhr hereinzuschauen und hinter den großen Schaufenstern auf der Großenhainer Straße 61 bis 63 junge Kunst aus Europa zu entdecken.

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